In 15 Apotheken in Wien und Oberösterreich werden bis Ende Juni im Pilotprojekt „ApoDoc“ Arztgespräche über Videotelefonie vermittelt. Das Angebot gilt in Randzeiten – am Freitagnachmittag und Samstag – für Patientinnen und Patienten, bei denen nach Einschätzung des Apothekenpersonals die rezeptfreie Selbstmedikation nicht ausreicht. „Niemand soll unversorgt die Apotheke verlassen. Das ist der Ansporn der Apothekerinnen und Apotheker. Dazu braucht es im Bedarfsfall eine rasche medizinische Diagnose, eine klare Therapieempfehlung und die direkte persönliche Arzneimittelversorgung. Mit ApoDoc kann in einem Beratungszimmer bei Bedarf ohne unnötige Wege und kurzfristig vertraulich ein Online-Arztgespräch geführt werden“, so Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer (ÖAK).
„Unser Ziel ist: Kein Patient verlässt unversorgt das Haus“, sagte Mursch-Edlmayr bei der Vorstellung in der Marien Apotheke in Wien-Mariahilf. Indikationen, in denen das assistierte telemedizinische Angebot genutzt werden kann, seien beispielsweise Spitalsentlassungen in Randzeiten, wo ein Patient dringend Medikamente braucht, oder akute Harnwegsinfekte, Bindehautentzündungen sowie wenn nach positiven Tests auf Covid-19 oder Influenza schnell Medikamente gebraucht werden. Im Pilotprojekt würden die gängigsten Diagnosen für die Videokonsultationen erarbeitet und das Versorgungsmodell von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) evaluiert, berichtete Mursch-Edlmayr.
„Mit ApoDoc wird ein innovativer Versorgungsansatz erprobt, der digitale Möglichkeiten mit der hohen Zugänglichkeit öffentlicher Apotheken verbindet. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten in akuten Situationen rasch und wohnortnah ärztliche Beratung zu ermöglichen. Als Universität sehen wir es als unsere Aufgabe, solche Innovationen wissenschaftlich zu begleiten und sorgfältig zu evaluieren. Gerade im Gesundheitswesen braucht Innovation eine solide Datenbasis. Unsere Evaluation soll dazu beitragen, belastbare Erkenntnisse darüber zu gewinnen, unter welchen Bedingungen ein solches Modell sinnvoll, sicher und nachhaltig in bestehende Strukturen integriert werden kann“, ergänzt Studienleiter Olaf Rose hierzu.
Medikamente per E-Rezept
Die ersten Patienten wurden in drei Wiener Apotheken bereits telemedizinisch betreut. Insgesamt zwölf weitere Apotheken in der Bundeshauptstadt und in Oberösterreich kommen Mitte März zu dem Pilotprojekt hinzu. Bei den angeschlossenen Ärzten handelt es sich um österreichische Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner. Wird von der Apothekerin oder dem Apotheker bei einem Patienten Bedarf an dem Angebot festgestellt und dieses kostenfrei angenommen, dann werden zunächst die Patientendaten erfasst und an den Arzt am anderen Ende der Leitung übermittelt. Auf dem Tablet im Beratungszimmer ist die voraussichtliche Wartezeit auf das Gespräch zu sehen, wenn diese abgelaufen ist, kann die Konsultation starten.
Zusätzlich zum Gespräch kann der Arzt in der Apotheke Labortests anfordern, wenn dort „Point of care“-Geräte zur Verfügung stehen, erläuterte Mursch-Edlmayr. Am Ende könne eine Diagnose stehen und ein E-Rezept ausgestellt und mit der E-Card in der Apotheke ausgefolgt werden. Ziel sei, in Randzeiten, wo Ordinationen schon geschlossen haben, Spitäler zu entlasten, betonte die Kammerpräsidentin. Ergebnis des telemedizinischen Gesprächs könne aber beispielsweise auch sein, dass der Patient aufgefordert wird, eine Spitalsambulanz aufzusuchen, falls die Videokonsultation nicht ausreicht.
Entlastung von Spitalsambulanzen
Technologiepartner des Pilotprojekts ist das Corporate Start-up Mavie Next der UNIQA. „Wir freuen uns, dass telemedizinische Services in Österreich Schritt für Schritt an Bedeutung gewinnen. Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit der Österreichischen Apothekerkammer Telemedizin nun auch in die Apotheken bringen, denn dort erwarten sich Patientinnen und Patienten Hilfe. Dafür ist mitunter eine ärztliche Abklärung nötig, nicht immer muss diese aber auch physisch erfolgen. Für diese Fälle stellen wir telemedizinische Services von Mavie zur Verfügung“, sagte Hans Aubauer, Leiter Krankenversicherung der UNIQA Insurance Group. Das Angebot könnte schnell größer ausgerollt werden, versicherte Mursch-Edlmayr, nicht in allen Apotheken, aber möglichst flächendeckend. Es handle sich aber dezidiert nicht um eine generelle Alternative zum niedergelassenen Bereich, sondern nur für Randzeiten zur Steuerung von Patientenströmen und zur Entlastung der Spitalsambulanzen.
„Telemedizinische Angebote in der Apotheke verstehen sich ausdrücklich als Ergänzung zu bestehenden ärztlichen Versorgungsstrukturen im niedergelassenen Bereich. Sie erweitern den Zugang zu medizinischer Beratung dort, wo ein rascher, niederschwelliger Erstkontakt sinnvoll ist. Mit ApoDoc leisten wir einen wichtigen Beitrag zur besseren Steuerung von Patientenströmen: Statt am Samstag in eine Spitalsambulanz zu gehen, können gesundheitliche Anliegen vor Ort in der Apotheke effizient telemedizinisch abgeklärt werden. Telemedizin in der Apotheke stärkt damit die bestehenden Versorgungsstrukturen, verbessert die hybride Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsberufen und trägt zu einer koordinierten, qualitativ hochwertigen und patientenzentrierten Versorgung bei“, so Mursch-Edlmayr. Die Expertise der Apotheken werde mit denen der Ärzte verbunden, die Patienten profitierten bestmöglich.
APA/TARA24
