„Haltezone für deinen Einkauf“


Viktoria Gamsjäger

Die Fassade der Johann Strauss Apotheke ist zu sehen. Davor ihr Parken verboten Schild mit den Zeiten die einzuhalten sind.
Autos dürfen nun für zehn Minuten direkt vor der Apotheke halten. Parken ist dort allerdings während der Öffnungszeiten nicht erlaubt.Johann Strauss Apotheke

„Eine Haltezone für deinen Einkauf“, mit diesen Worten freut sich die Johann Strauss Apotheke rund um Mag. Manuel Wendl über ihre Errungenschaft in den Sozialen Medien. Rund zwei Jahre lang bemühte sich der Apotheker gemeinsam mit seinem Partner um eine bessere Parkplatzsituation für seine Kundschaft. Einen eigenen Apotheken-Parkplatz gab es nicht, doch ein ungewöhnlicher Ansatz führte schließlich zu einem zufriedenstellenden Ergebnis: Autos dürfen nun für zehn Minuten direkt vor der Apotheke halten.

Schwierige Ausgangslage

Die Johann Strauss Apotheke liegt nahe dem Wiener Hauptbahnhof, mitten in einem dicht bebauten innerstädtischen Bereich mit hohem Verkehrsaufkommen und erhöhtem Parkdruck. „Im innerstädtischen Bereich ist es definitiv nicht leicht für ältere Menschen oder für Personen mit Mobilitätseinschränkungen, die auf ein Auto angewiesen sind, Apotheken aufzusuchen“, sagt Wendl. Viele seiner Kundinnen und Kunden reisen mit dem Auto an, da längere Wege zu Fuß für sie nicht möglich sind oder sie aus den umliegenden Bezirken kommen.

Ursprünglich hatte Wendl um einen klassischen Parkplatz direkt vor der Apotheke angesucht. Hintergrund war, dass kurzfristiges Parken für einen schnellen Einkauf kaum möglich war, da die vorhandenen Stellflächen nahezu durchgehend von Dauerparkern belegt wurden. Einkaufende sowie Lieferanten blieben daher häufig in zweiter Spur stehen, mit entsprechenden Risiken und wiederkehrenden Strafen. „Die Frustration über die Parksituation war leider oft direkt mit dem Apothekenbesuch verbunden“, schildert Wendl rückblickend.

Ein steiniger Weg zur Genehmigung

Der Weg zur Lösung erwies sich als langwierig. Mehrere Anläufe bei der Magistratsabteilung 46 (MA46) führten zunächst zu Absagen. Ein klassischer Parkplatz oder eine Ladezone wurden als nicht notwendig eingestuft, der Bedarf immer wieder infrage gestellt. „Man musste die rechtlich exakt passende Lösung finden, sonst gab es nur Ablehnungen“, so die Wahrnehmung Wendls.

Gemeinsam mit seinem Lebensgefährten Bernhard Altendorfer blieb er dennoch hartnäckig. Nach intensiver Recherche, zahlreichen Lösungsvorschlägen und dank eines entscheidenden Tipps kristallisierte sich schließlich ein alternativer Ansatz heraus: Ein zeitlich begrenztes Parkverbot, das das Halten für kurze Zeit erlaubt. Denn rechtlich gilt: Parken ist das Abstellen eines Fahrzeugs für mehr als zehn Minuten oder über die Dauer einer Ladetätigkeit hinaus. Halten hingegen ist für kurze Besorgungen zulässig.

Halten statt Parken

Nach fast zwei Jahren, mehreren Behördenkontakten und einer gemeinsamen Begutachtung mit Polizei, Feuerwehr, Bezirksvertretung und MA46 wurde schließlich eine Haltezone genehmigt. Zwei beantragte Stellplätze wurden auf einen reduziert, dennoch brachte die Lösung eine spürbare Entlastung.

Heute dürfen Kundinnen und Kunden während der Öffnungszeiten – werktags von 8 bis 19 Uhr sowie samstags von 8 bis 12 Uhr – für zehn Minuten direkt vor der Apotheke halten. „Danach steht der Parkplatz den Anrainer:innen ohnehin ganz normal zur Verfügung“, erklärt der Apotheker.

„Nach einer etwas turbulenteren Anfangsphase hat sich die Situation gut eingespielt. Es ist ein Kommen und Gehen“, berichtet Wendl. Das Feedback aus der Kundschaft sei durchwegs positiv, insbesondere von älteren Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität.

Mehrwert fürs Grätzel

Auch die anfänglichen Unsicherheiten rund um Beschilderung und Bodenmarkierung hätten sich gelegt. Zwar kam es zu Beginn vereinzelt zu Missverständnissen und Strafen, doch mittlerweile sei die Situation entspannt. „Die Leute sind sehr dankbar und erzählen uns, wie hilfreich diese Haltemöglichkeit für sie ist.“

Die Haltezone bringe nicht nur der Apotheke Vorteile, sondern auch dem gesamten Grätzel. „Der Platz steht allen für kurze Besorgungen offen, etwa auch für einen Kaffee um die Ecke.“ Langfristig hofft Wendl dennoch auf eine Ausweitung, etwa um einen weiteren Stellplatz. „Ganz am Ziel sind wir noch nicht, aber es ist uns gelungen, ein großes Problem spürbar zu entschärfen.“



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