In der Steiermark wurde das Thema Parkplatzsuche bereits Ende letzten Jahres öffentlich diskutiert. Grazer Apotheken forderten dringend zusätzliche Parkmöglichkeiten. TARA24 hat nun mehrere Apotheken in Wien kontaktiert, von eher ländlichen Randbezirken bis hin zu Apotheken mitten in der Innenstadt, und sich ein Bild von der aktuellen Situation gemacht.
Die Diskussion rund um Parkplätze betrifft Apotheken in ganz Österreich. Bereits Ende letzten Jahres machten Grazer Apotheken auf die schwierige Situation aufmerksam, berichteten von Umsatzeinbußen, gefährlichen Verkehrssituationen und Patient:innen, die Probleme hatten ihre Medikamente abzuholen. Auch in Wien zeigt sich ein vielschichtiges Bild: Von innerstädtischen Apotheken mit kaum vorhandenen Stellflächen bis hin zu Standorten am Stadtrand mit großzügigen Parkmöglichkeiten. Einig sind sich alle: Der Zugang zur Apotheke muss auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gewährleistet sein.
Hernals: Kurz stehen bleiben als praktikable Lösung
Zumeist entspannt ist die Lage bei der Linden-Apotheke in Hernals. Apotheker Mag. Viktor Hafner beschreibt Parkplätze dennoch als „nach wie vor wichtiges Thema“, insbesondere in Randlagen. „Dort sind die Kundinnen und Kunden es oft noch gewohnt, mit dem Auto unterwegs zu sein oder größere Distanzen zurückzulegen.“

Die Linden-Apotheke liegt an einer Straße mit Nebenfahrbahn, was einen entscheidenden Vorteil bringt: „Wir sind grundsätzlich in der glücklichen Lage, dass man oft direkt vor der Apotheke stehen bleiben kann. Viele Kundinnen und Kunden kommen daher mit dem Auto, etwa aus dem Schafberg, vom Heuberg oder aus Neuwaldegg“, erzählt der Apotheker.
Schwieriger sei die Situation für Apotheken ohne Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe. „Da haben es andere Standorte sicher schwerer“, so Hafner. Problematisch werde es dort, wo auch Lieferanten nicht zufahren können, „etwa in besonders dicht bebauten Gebieten“, sagt er und denkt dabei an den neunten Wiener Gemeindebezirk.
Alsergrund: gut erreichbar, schlecht zu parken
Die Vindobona-Apotheke von Mag. Thomas Müller-Uri liegt in besagtem Bezirk und ist öffentlich gut erreichbar. Straßenbahnen und Autobusse halten direkt vor der Apotheke, auch mit dem Fahrrad oder Roller ist der Standort problemlos zugänglich. Anders stellt sich die Situation für Autofahrerinnen und Autofahrer dar.

„Mit dem Auto schaut es leider eher schwierig aus“, sagt Müller-Uri. Zwar brauche er selbst im Alltag selten ein Auto, für Belieferungen sei ein Verzicht jedoch kaum möglich. „Wenn etwas ausgeliefert werden soll, ist es fast unmöglich auf ein Fahrzeug zu verzichten, und da beginnen die Probleme mit den Parkmöglichkeiten.“ Dauerparker und Halteverbote würden die Parkplatzsuche zusätzlich erschweren.
Besonders eindrücklich ist ihm ein Fall aus dem Apothekenalltag in Erinnerung geblieben: „Ein Patient hat mich einmal völlig verzweifelt angerufen. Er war frisch aus dem Spital entlassen und ist gut 45 Minuten mit dem Auto um die Apotheke gekreist, ohne einen Parkplatz zu finden. Dabei hat er seine Medikamente schon dringend gebraucht.“

Müller-Uri über die derzeitige Situation: „Wir vermissen gute Lösungen für mobilitäts-eingeschränkte Personen, wie zum Beispiel Haltezonen, um eben kurze und notwendige Besuche in der Apotheke realisieren zu können!“
Direkt vor der Apotheke gibt es einen behindertengerechten Parkplatz, der allerdings an ein Kennzeichen gebunden ist, berichtet er. Glücklicherweise konnte Müller-Uri von seiner Vorgängerin eine Ladezone übernehmen. „Diese steht aber nicht exklusiv der Apotheke zur Verfügung. Die Ladezone wird noch mit mehreren angrenzenden Geschäften geteilt und gilt nur für Ladetätigkeiten mit dem LKW“, gibt Müller-Uri zu bedenken. „Dieser Platz ist die meiste Zeit belegt, viele Parkmöglichkeiten bleiben da nicht mehr“, so der Apotheker.
Floridsdorf: Eigener Parkplatz als Rarität
Ganz anders stellt sich die Situation bei der Apotheke Jedlesee in Floridsdorf dar. Sie liegt eher am Stadtrand in einem fast schon ländlichen Grätzel. Stellvertretende Leiterin Mag. Betina Halmschlager berichtet von einer großen Stellfläche direkt vor der Tür – eine Seltenheit im Wiener Stadtgebiet. „Unser Parkplatz ist fast schon eine Rarität und für uns eine enorme Erleichterung“, sagt Halmschlager. Viele ältere Kundinnen und Kunden würden diesen besonders schätzen, da sie dort ungestört, ohne Eile und barrierefrei parken können.

Der Parkplatz erleichtert auch die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge oder Krankentransporte. „Im Nachtdienst ist der Parkplatz auch ein großer Vorteil“, erzählt Halmschlager. „Viele Erkrankte kommen aus der Klinik Floridsdorf oder aus anderen Teilen Wiens. Nachts fahren auch die öffentlichen Verkehrsmittel in deutlich größeren Abständen, weshalb einige auf ihr Auto angewiesen sind. Für sie ist klar, dass Parkraum einen wesentlichen Beitrag zur Erreichbarkeit von Apotheken beiträgt.
Wieden: Halten statt Parken
Nahe dem Wiener Hauptbahnhof liegt die Johann Strauss Apotheke von Mag. Manuel Wendl, ein Standort mit hoher Frequenz und durch den Gürtelzubringer hohem Bedarf an Parkplätzen. „Im innerstädtischen Bereich ist es definitiv nicht leicht für ältere Menschen oder für Personen mit Mobilitätseinschränkungen, die auf ein Auto angewiesen sind, Apotheken aufzusuchen“, sagt Wendl. Viele seiner Kundinnen und Kunden würden mit dem Auto anreisen, da sie nicht gut zu Fuß unterwegs seien, oder aus den umliegenden Bezirken kommen, erzählt er.
Ursprünglich hatte Wendl um zwei Apotheken-Parkplätze angesucht, da das kurzfristige Parken nahe dem Apotheken-Eingang nur verkehrswidrig möglich war. „Die Parkplätze waren praktisch durchgehend von Dauerparkern belegt“, erklärt er. Die Kundschaft sowie Lieferanten blieben daher häufig in zweiter Spur stehen, was nicht nur zu gefährlichen Situationen führte, sondern auch immer wieder zu Strafen. TARA24 berichtet.

Nach längeren Bemühungen konnte schließlich eine eigene Haltezone direkt vor der Apotheke eingerichtet werden. Die erlaubte Haltedauer beträgt zehn Minuten und gilt nur während der Öffnungszeiten.
Die Rückmeldungen aus der Kundschaft seien sehr positiv. „Sie freuen sich über die unkomplizierte Möglichkeit, ihren Einkauf bei uns erledigen zu können.“ Auch wenn er sich langfristig einen weiteren Stellplatz wünschen würde, habe sich gezeigt, dass bereits diese Lösung eine deutliche Erleichterung für Apotheke und Kundschaft bringt.
