Amiodaron, ein Wirkstoff mit zahlreichen Nebenwirkungen


Viktoria Gamsjäger

Symbolbild: Die chemische Strukturformel von Amiodaron.
Aufgrund des hohen Iodgehalts kann die Schilddrüse von Nebenwirkungen betroffen sein. Zerbor/AdobeStock_82232435

Amiodaron gehört zur Klasse der Antiarrhythmika und zählt es zu den nebenwirkungsreichsten Wirkstoffen in der Kardiologie. Die sehr lange Halbwertszeit, zahlreiche Interaktionen und potenziell schwerwiegende Organwirkungen machen eine engmaschige Kontrolle notwendig.

Amiodaron ist ein Antiarrhythmikum der Klasse III und wird als Mittel der zweiten Wahl zur Behandlung verschiedener Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Chemisch handelt es sich um ein iodiertes Benzofuran-Derivat, das strukturell von Khellin abgeleitet ist. In Arzneimitteln liegt es als Amiodaronhydrochlorid vor, ein weißes, kristallines Pulver, das in Wasser nur sehr schwer löslich ist.

Wirkmechanismus

Amiodaron hemmt den Kaliumausstrom in Phase III des Aktionspotentials im Myokard. Dadurch verlängert sich die Repolarisationsdauer und die Refraktärzeit der Herzmuskelzellen. Das stabilisiert den Herzrhythmus, kann jedoch auch selbst proarrhythmisch wirken. Zusätzlich besitzt der Wirkstoff sympatholytische Eigenschaften.

Amiodaron ist nur gering negativ ionotrop (verringert nur schwach die Kontraktionskraft). Es kann bei einer KHK oder Herzinsuffizienz eingesetzt werden.

Charakteristisch ist die extrem lange Halbwertszeit von 14 bis 100 Tagen. Diese erklärt sowohl die anhaltende Wirkung als auch die lang persistierenden Nebenwirkungen. Gemäß Fachinformation erfolgt initial eine höhere Sättigungsdosis über sechs bis zehn Tage, gefolgt von einer (niedrigeren) Erhaltungstherapie. Nach dem Absetzten kann Amiodaron noch bis zu einem Monat im Gewebe des Patienten verbleiben.

Die Einnahme sollte während oder direkt nach einer Mahlzeit erfolgen. Während der Therapie ist starke UV-Strahlung zu vermeiden, da die Haut deutlich lichtempfindlicher reagieren kann.

Interaktionen

Amiodaron wird über CYP3A4 und CYP2C9 metabolisiert. Entsprechend sind Wechselwirkungen mit CYP-Inhibitoren und CYP-Induktoren möglich.

Zudem wirkt Amiodaron selbst hemmend auf verschiedene Cytochrom-P450-Enzyme und auf P-Glykoprotein. Das hohe Interaktionspotenzial betrifft zahlreiche Arzneimittel, insbesondere andere Antiarrhythmika, Antikoagulanzien (Vitamin-K-Antagonisten), Statinen und Lidocain. Weitere Wechselwirkungen wurden mit Wirkstoffen wie Digoxin, Dabigatran, Ciclosporin und Fentanyl beobachtet. Eine sorgfältige Medikationsprüfung ist daher essenziell.

Unerwünschte Wirkungen: ein breites Spektrum

Amiodaron ist bekannt für sein umfangreiches Nebenwirkungsprofil. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen zählen:

  • Schilddrüsenfunktionsstörungen: durch den iodierten Phenolring (Amiodaron) lann es zu Über- oder Unterfunktionen kommen
  • Mikroablagerungen auf der Cornea
  • gastrointestinale Beschwerden
  • metallischer Geschmack
  • Erhöhung der Transaminasen
  • Photosensibilisierung, Sonnenbrand
  • Leber: häufig Transaminasen-Erhöhungen
  • Neurologische Symptome wie Tremor, periphere Neuropathien oder Ataxie sind möglich.

Besonders relevant ist die Verlängerung des QT-Intervalls. Paradoxerweise kann Amiodaron selbst Herzrhythmusstörungen auslösen.

Kontraindikationen

Zu den Kontraindikationen zählen daher Schilddrüsenerkrsankungen, eine Sinusbradykardie, ein AV-Block zweiten Grades, eine QT-Verlängerung sowie eine Jodallergie.



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