„Seit Jahren leiden die österreichischen Apotheken an spürbaren Erkältungssymptomen“, fasst Mag. Martin R. Geisler, Generalsekretär der ApoLife Apothekengruppe, zusammen. Er warnt 2026 vor einer noch größeren Dramatik: „Wenn man sich die soeben erhobenen Verkaufszahlen unserer 115 Apotheken in ganz Österreich ansieht, kann man nicht anders als sich um die Zukunft der Apotheken in unserem Land zu sorgen.“
„Es ist, als würden die Apotheken an einem chronischen Schnupfen leiden. Und die Umsatz-Kosten-Schere geht immer weiter auf – und das bei weiterhin gedämpfter Kaufkraft in unserem Land“, führt Geisler aus.
Abwärtsentwicklung bei Tonika und Immunprodukten
Doch was steckt seiner Meinung nach hinter diesem unerfreulichen Szenario?Das gesamte Umsatzvolumen der ApoLife Apotheken legte im Gesamtjahr 2025 nur um 3,2 Prozent zu. Angesichts einer Inflationsrate von rund um die 4 Prozent ergibt dies eine wertmäßige Abwärtsentwicklung – und das nach 2024 bereits ein drittes Jahr in Folge. Damit liegen die inflationsbereinigten Umsätze bereits unter dem Niveau von 2023. „Wir sind eine Branche im Rückschritt“, so Martin R. Geisler.
Gerade bei einigen volumsmäßig besonders wichtigen Produktgruppen ist die Abwärtsentwicklung besonders deutlich – und hat somit auch besonders stark negativen Impact. Das betrifft etwa die Husten- und Erkältungsmittel (nominell nur plus 1,3 Prozent Umsatz) und Haut- und Schleimhautmittel (nominell plus 2,28 Prozent). Sogar nominell negativ entwickelten sich etwa Tonika und immunologische Produkte mit minus 3,28 Prozent oder Mittel zur Gewichtsabnahme und Schlankheitsmittel mit zusammen minus 6 Prozent.
Wertmäßige Zuwächse über der Inflationsrate gab es fast nur bei insgesamt weniger umsatzstarken Produktgruppen wie Mittel zur Mund- und Zahnbehandlung (plus 9,1 Prozent) oder Entwöhnungsmitteln (plus 9,9 Prozent). Diese Zuwächse fallen allerdings aufgrund der geringeren Ausgangsbasis kaum ins Gewicht.
Ertragseinbußen und kein Ende in Sicht
Martin R. Geislers Resümee: „Die Zeiten, in denen eine Apotheke als ‚Goldgrube‘ galt, sind lange vorbei. Einzelne Insolvenzen und der Alltag in vielen Apotheken zeigen eine ganz andere Realität: Apotheker:innen kämpfen mit immer höheren Kosten – speziell bei Personal, Mieten und Energie – bei gleichzeitig sinkenden Erlöswerten. Dieser Spagat wird sich 2026 absehbar nicht für alle in der ganzen Branche ausgehen. Wir müssen damit rechnen, dass weitere Apotheken in die Nähe der Verlustzone rutschen. Auch wenn unsere Gruppe gut aufgestellt ist, bedeutet diese Perspektive für einen systemrelevanten Sektor – und seine Kund:innen – eine große Bedrohung.“
Die ApoLife Apothekengruppe (Pharmazeutische Arbeitsgemeinschaft Rat & Tat GmbH) wurde 1984 gegründet und umfasst aktuell 115 selbständige Apotheken in allen neun Bundesländern.
OTS APOLIFE
