Was sind die Herausforderungen für die Apothekerschaft im Jahr 2026? TARA24 hat mit dem Präsidium des Österreichischen Apothekerverbands darüber gesprochen. Zu den wichtigsten Themen zählen das Impfen sowie die wirtschaftlichen Situation vieler Betriebe.
Im Rahmen des ApoKongresses in Schladming sprach TARA24 mit dem Präsidenten des Österreichischen Apothekerverbands (ÖAV) Thomas Veitschegger und 2. Vizepräsident Alexander Hartl über aktuelle Schwerpunkte und zukünftige Entwicklungen für die Apothekerschaft.
TARA24: Was sind die großen Herausforderungen für das Jahr 2026?
Veitschegger: Zweifellos handelt es sich hierbei um das Thema Impfen in den Apotheken. Vor kurzem wurde seitens der Bundesregierung der Weg dafür freigemacht. In Österreich herrscht eine Impfskepsis und wir Apotheker:innen wollen dazu beitragen, die Impfquoten wieder zu erhöhen. Die Sorgen der Ärzteschaft wollen wir entkräften, da wir ihnen nichts „wegnehmen“ möchten. Wie schon immer gesagt, wollen wir nur gesunde Erwachsene impfen, etwa mit der saisonalen Influenzavakzine oder der Zeckenimpfung. Derzeit kann ich dazu nur sagen, dass wir uns nicht aus der Ruhe bringen lassen sollen.
Hartl: Wir wollen Menschen ansprechen, die vielleicht keine Zeit haben, einen Termin bei ihrem Hausarzt oder ihrer Hausärztin auszumachen. Durch ihre Niederschwelligkeit können somit Apotheken erneut zeigen, dass sie ein unverzichtbarer Teil des Gesundheitssystems sind. Wenn man sich Großbritannien ansieht, merkt man, dass Impfen in den Apotheken ein Erfolgsrezept ist und die Menschen das auch gerne annehmen.
TARA24: Seitens der Apotheker:innen herrschen noch teilweise große Fragen bezüglich des Ablaufs. Wie wird es jetzt weitergehen?
Veitschegger: Derzeit wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen und diese ist gerade damit beschäftigt, ein „gutes Rezept“ für alle Beteiligten zu finden. Diese Task-Force arbeitet daran, alle offenen Fragen genügend zu beantworten. Es müssen etwa Abläufe klar geregelt werden und gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. So muss unter anderem die derzeitige Rezeptpflicht der Impfstoffe berücksichtigt werden. Der Ball ist jetzt ins Rollen gekommen.
Hartl: Das übergeordnete Ziel ist die Erhöhung der Impfraten. Wir haben schon in der Pandemie bewiesen, dass wir Apotheker:innen Arzneimittelexpert:innen sind und neue Dienstleistungen schnell adaptieren können. Wichtig sind klare Abläufe und standardisierte Richtlinien, wie eine Impfung in der Apotheke abzulaufen hat.
TARA24: Das EU-Rezept wurde auch vor kurzem umgesetzt. Gibt es hier schon tiefergehende Informationen?
Veitschegger: In der aktuellen Phase können österreichische e-Rezepte in Tschechien eingelöst werden und ebenso dürfen öffentliche Apotheken in Österreich Rezepte aus Tschechien elektronisch abrufen und Arzneimittel ausgeben, sofern diese hierzulande verfügbar und zugelassen sind.
Hartl: Derzeit sind wir noch in einer Probephase, aber wir Apotheker:innen haben immer schon eine Lösung gefunden für Menschen, die Hilfe suchen. Die Schlüsselrolle der Apotheken zeigt sich auch hier wieder. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch ein Bürokratieabbau, um die Umsetzung für die Apotheken praktikabel zu gestalten.
TARA24: Der Wirtschaftsbericht der Apothekerkammer spricht von einer angespannten Situation. Wie sieht der Verband die aktuelle Situation?
Veitschegger: Wir kennen die wirtschaftlichen Herausforderungen und unterstützen unsere Mitglieder mit zusätzlichen Angeboten, wie etwa mit einer Plattform, die betriebswirtschaftliche Entscheidungen auf Basis konkreter Kennzahlen von vergleichbaren Apotheken ermöglichen, oder einer Jobplattform.
Hartl: Uns ist bewusst, dass die Vor-Ort-Apotheken teilweise bis zu 20 Prozent an Personalkosten tragen, um eine gute Beratung leisten zu können. Online-Apotheken haben nur einen Bruchteil der Personalkosten davon. Daher ist es wichtig, auf diese Beratungspflicht aufmerksam zu machen. Beratung ist keine Option, sondern gilt für alle.
TARA24: Auch neue Dienstleistungen sind vermehrt im Fokus. Wie wird es hier weitergehen?
Veitschegger: Strategisch geht es hier um eine langfristige Positionierung der Apotheken. Ziel ist es, Krankenhäuser zu entlasten, neue Dienstleistungen rund ums Arzneimittel zu etablieren und und somit zu einem umfassenden Anlaufpunkt für Gesundheit zu werden.
Hartl: Natürlich wird es auch hier wichtig sein, sich breit aufzustellen. Gerade die Telemedizin ist ein Bereich, der in den nächsten Jahren wohl weiter ausgebaut wird und auch für Apotheken zunehmend an Bedeutung gewinnt.
