Aqua – Nomen est omen


Viktoria Gamsjäger

Symbolbild: Drei Glasgeräte im Labor mit Wasser gefüllt. Die Etiketten kennzeichnen es als Aqua Dest und Aqua Purificata.
Wahl des richtigen Wassers ist ein zentraler Schritt in der Rezeptur.kittisak

Dihydrogenmonoxid ist allgemein auch als Wasser bekannt. Wer jedoch in der Rezeptur einer Apotheke arbeitet, weiß: Wasser ist nicht gleich Wasser. Als wichtigstes Lösungsmittel in der Arzneimittelherstellung kommt es in unterschiedlichen Qualitäten zum Einsatz. Welche Wasserart verwendet werden darf, entscheidet nicht nur über die Stabilität einer Zubereitung, sondern auch über ihre Sicherheit.

Wasser gibt es mit vielen verschiedenen Bezeichnungen in der Apotheke. Der jeweilige Name gibt dabei bereits einen entscheidenden Hinweis auf Herkunft, Aufbereitung und Anwendungsgebiet – ganz im Sinne des Sprichworts nomen est omen („der Name ist ein Zeichen“).

Aqua purificata

Aqua purificata ist gereinigtes Wasser, das für die Herstellung von Arzneimitteln bestimmt ist, die weder steril noch pyrogenfrei sein müssen. Typische Anwendungsbeispiele sind Lösungen zum Einnehmen, Sirupe, Cremes oder Salben.

Aqua purificata wird aus Trinkwasser gewonnen, indem gelöste Stoffe und Ionen entfernt werden. Dies erfolgt je nach Anlage durch Destillation, Ionenaustauscher, Umkehrosmose oder einer Kombination dieser Verfahren. Dabei werden unter anderem Calcium- und Magnesiumionen sowie Chloride entfernt. Das Ergebnis ist ein demineralisiertes Wasser mit definierter Qualität.

Es eignet sich für zahlreiche magistrale Zubereitungen im nicht sterilen Bereich und ist der Standard in der alltäglichen Rezepturarbeit. Das Europäische Arzneibuch unterscheidet zwischen Gereinigtem Wasser als Bulk und in Behältnisse abgefülltem Gereinigtem Wasser.

Aqua purificata ist nicht steril und darf daher nicht für Augentropfen oder Injektionszubereitungen verwendet werden.

Aqua destillata 

Wird das gereinigte Wasser durch Destillation gewonnen ist es auch unter dem Namen Aqua destillata zu finden. Wird besonders reines Wasser benötigt, kann der Destillationsvorgang mehrfach durchgeführt werden. Erfolgt die Destillation zweimal, spricht man von Aqua bidestillata. Diese Bezeichnung findet sich vor allem noch in älteren Rezepturen.

Aqua ad iniectabilia

Wasser für Injektionszwecke wird für Arzneimittel verwendet, die parenteral angewendet werden, etwa Injektions- und Infusionslösungen. Auch für andere sterile wässrige Zubereitungen, insbesondere Augentropfen, ist diese Wasserqualität erforderlich.

Magistrale Augentropfen dürfen ausschließlich mit Aqua ad iniectabilia hergestellt werden.

Die Gewinnung erfolgt aus einwandfreiem Trinkwasser oder aus gereinigtem Wasser. Zulässige Verfahren sind vor allem Destillation sowie gleichwertige Methoden wie Umkehrosmose in Kombination mit Elektroionisation, Ultrafiltration oder Nanofiltration. Entscheidend ist, dass das Wasser den Anforderungen an Endotoxinfreiheit entspricht. Das Wasser für Injektionszwecke ist praktisch frei von Keimen und pyrogenen Substanzen.

Pyrogene bilden sich bei der Sterilisation und bestehen aus Zellwandbestandteilen von gramnegativen Bakterien. Diese unerwünschten Bestandteile können akutes Fieber wie auch langfristige unerwünschte Nebenwirkungen auslösen. Daher müssen sie entfernt werden. Das geschieht durch eine thermische/chemische Zerstörung oder mittels geeigneter Filtrationsmethode.

Aqua fontana

Aqua fontana bezeichnet das Trinkwasser (Quellwasser; vom lateinischen fons – die Quelle) und ist nicht im Arzneibuch, sondern im Lebensmittelrecht definiert. In der pharmazeutischen Rezeptur spielt es nur eine untergeordnete Rolle. Aufgrund seines Gehalts an Calcium- und Magnesiumsalzen kann Trinkwasser mit Wirkstoffen oder Hilfsstoffen inkompatibel sein.

Eine Ausnahme stellt die Rekonstitution von Antibiotikasuspensionen für Kinder dar, die beispielsweise von den Eltern Zuhause mit Trinkwasser zubereitet werden können.

Aqua marina

Mit Aqua marina ist Meerwasser gemeint. Es enthält verschiedene gelöste Salze, vor allem Natriumchlorid, und weist einen charakteristisch salzigen Geschmack auf. Es kann zur Herstellung von befeuchtenden und reinigenden Nasensprays sowie Nasenspüllösungen eingesetzt werden.

Die Wahl der richtigen Wasserqualität ist ein zentraler Schritt in der Rezeptur. Der Name des Wassers liefert dabei bereits entscheidende Hinweise auf seine Eignung. Wer die Unterschiede kennt und konsequent umsetzt, sorgt nicht nur für stabile Zubereitungen, sondern vor allem für die Sicherheit der Patient:innen.



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