Eine aseptische Herstellung ist unter besonderer Sorgfalt auch in den normalen Räumlichkeiten der Rezeptur möglich. Beispiel sind Ciclosporin-Augentropfen. Gibt es keinen Reinraum oder eine Laminar-Air-Flow-Box gilt es, alle Hygienemaßnahmen einzuhalten und eine Sterilfiltration der fertigen Augentropfen durchzuführen.
Aseptische Herstellung Ciclosporin-Augentropfen 1 Prozent
Bei Ciclosporin-Augentropfen handelt es sich um ölige Augentropfen, die sich nicht mit der Tränenflüssigkeit mischen. Deshalb sind keine Isotonisierung und pH-Angleichung nötig.
Bestandteile:
- Ciclosporin 0,3 g
- Raffiniertes Erdnussöl 1,47 g
- Mittelkettige Triglyceride ad 15,0 g
In Vorbereitung auf die aseptische Herstellung der Rezeptur werden alle benötigten Geräte, beispielsweise Bechergläser, Spatel, Glasstäbe, Spatelschlitten und Löffel, locker in Alufolie verpackt und zwei Stunden bei 160 Grad im Trockenschrank sterilisiert.
Die erforderlichen und zuvor geprüften Substanzen werden bereitgestellt, ebenso werden die steril verpackten Augentropfflaschen, Einmalspritzen, Kanülen und der Membranfilter bereitgelegt.
Die Waagen und Arbeitsflächen werden mit 70-prozentigem Isopropyalkohol desinfiziert. Unmittelbar vor der Herstellung, nach Abkühlung der sterilisierten Geräte, werden die Haare zusammengebunden und mit einer Einmalhaube abgedeckt, die Handschuhe und der Mundschutz werden angelegt und ein frischer Kittel angezogen. Die Hände sind zu desinfizieren. Bei der Herstellung ist die Tür der Rezeptur zu schließen.
Herstellung
Becherglas und Glasstab werden auf der Rezepturwaage tariert. Im Anschluss werden in das tarierte Becherglas auf der Analysenwaage Ciclosporin und raffiniertes Erdnussöl eingewogen. Der Ansatz wird verrührt und größere Feststoffagglomerate des Ciclosporins mit Hilfe des Glasstabs zerdrückt. Dann den Ansatz unter gelegentlichem Umrühren im Wasserbad auf 60 bis 70 Grad erwärmen. Achtung: Das Becherglas ist abzudecken – beispielsweise mit Alufolie, um ein Eindringen des kondensierenden Wasserdampfes in den Ansatz zu verhindern.
Wenn nur noch wenige Feststoffpartikel zu erkennen sind, wird das Becherglas aus dem Wasserbad genommen, das anhaftende Wasser gründlich entfernt und auf der Rezepturwaage die mittelkettigen Triglyceride zugewogen, bis die gewünschte Menge erreicht ist. Anschließend erfolgt eine erneute Erwärmung des Ansatzes auf dem Wasserbad auf 50 bis 70 Grad. Achtung: Becherglas abdecken und gelegentlich Umrühren. Wenn die Lösung partikelfrei, klar, fast farblos und viskos aussieht, ist der Wirkstoff komplett gelöst und die Rezeptur fertig.
Sterilfiltration und Abfüllung
Bei der Entkeimungsfiltration wird die Lösung beim Vorgang des Abfüllens durch einen hydrophoben Membranfilter mit einer Porenweite von 0,2 μm gegeben. Hierfür kommen die Einmalspritzen und -kanülen zum Einsatz, die mittels Verschrauben (Luer-Lock-System) mit dem Filter verbunden werden. Durch den Aufbau eines höheren Drucks beim Filtrieren ist der Einsatz von Spritzen ohne Luer-Lock-System nicht empfehlenswert. Der Beutel, der steril verpackten Augentropfflasche wird auf seine Unversehrtheit geprüft und großzügig desinfiziert. Die noch warme Lösung wird mit einer Spritze aufgezogen, die Filtereinheit und eine neue Kanüle aufgesteckt und durch den Beutel hindurch in die Augentropfflasche gegeben. Die noch im Beutel befindliche Augentropfflasche wird innerhalb der Verpackung zugeschraubt und erst im Anschluss daran aus dem Beutel entfernt.
Durch die kurze Aufbrauchfrist von lediglich einer Woche bietet sich die Abfüllung der Augentropfen in drei Augentropfflaschen mit je 5 ml Inhalt an. So bleiben die ungeöffneten Augentropfflaschen bis zu drei Monate bei einer Lagerung im Kühlschrank stabil.
Bubble-Point-Tests
Der sogenannte „Bubble-Point-Test“ ist die Prüfung des Membranfilters, nach der Abfüllung der Augentropfen, auf seine Unversehrtheit. Nur so kann garantiert werden, dass bei der aseptischen Herstellung auch die Sterilisation der Lösung korrekt erfolgt ist. Zuerst werden die Filtereinheit und die Spritze von der Kanüle entfernt. Bei Verwendung einer zehn Milliliter Kanüle werden zehn Milliliter Luft aufgezogen. Anschließend wird die Filtereinheit mit der Kanüle wieder an der Spritze verschraubt, die Kanüle in Wasser getaucht und die Luft in der Spritze komprimiert, bis gleichmäßige Luftblasen im Wasser aufsteigen. Wenn die Luft in der Spritze auf drei bis vier Milliliter komprimiert werden kann, ist die Filtereinheit intakt.
