Rückruf wegen Cereulid in Säuglingsnahrung


Viktoria Gamsjäger

Symbolbild: Babynahrung Pulver ausgeschüttet neben Babyflasche.
Bislang sind keine Symptome im Zusammenhang mit dem Verzehr bestätigt, es wird jedoch zur Vorsicht aufgerufen.Africa Studio/AdobeStock_118583904

Ein vorsorglicher Rückruf von Säuglingsnahrung hat Anfang Jänner in Österreich für große Aufmerksamkeit gesorgt. Nestlé nahm mehrere Chargen von BEBA- und ALFAMINO-Produkten vom Markt, nachdem im Rahmen von Kontrollen ein bakterielles Toxin nachgewiesen wurde. Apotheken sind nicht betroffen, aber es stellt sich die Frage: Was bedeutet dieser Fund konkret und wie ist er fachlich einzuordnen?

Wie die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) informiert, hat Nestlé am 05. Jänner einen vorsorglichen Rückruf bestimmter Chargen von BEBA- und ALFAMINO-Säuglingsnahrungen veranlasst. Die Produkte waren in Rewe-Filialen von Billa und Bipa erhältlich – nicht in Apotheken.

Auslöser war der mögliche Nachweis von Cereulid, einem Toxin, das vom Bakterium Bacillus cereus gebildet werden kann. Laut Herstellerangaben stammt die betroffene Zutat von einem Zulieferer. Erkrankungen oder Symptome bei Säuglingen wurden bislang nicht bestätigt. Der Rückruf erfolgte daher rein vorsorglich und in enger Abstimmung mit den österreichischen Behörden. Konsumentinnen und Konsumenten wurden aufgefordert, die betroffenen Produkte nicht zu verfüttern und im Handel zurückzugeben; der Kaufpreis wird auch ohne Kassenbon erstattet. Andere Nestlé-Produkte und nicht betroffene Chargen gelten als sicher.

Toxin ja, Bakterium nein

In einem ORF-Interview am 05. Jänner betont der AGES-Geschäftsführer Johannes Pleiner-Duxneuner, dass es keinen Grund zur Besorgnis gibt: „In zwei Proben konnte das Toxin nachgewiesen werden, aber in Konzentrationen die nicht gesundheitsschädlich sind.“ Weiters wurde nicht das Bakterium selbst, sondern ausschließlich das Toxin Cereulid nachgewiesen. Das sei ein wichtiger Punkt: „Während sich Bakterien unter günstigen Bedingungen vermehren können, ist das bei einem bereits gebildeten Toxin nicht möglich. Ohne das Vorhandensein lebender Bakterien kann also keine weitere Toxinproduktion stattfinden.“ Dennoch ist Cereulid als hitzestabiles Gift ernst zu nehmen, weshalb der vorsorgliche Rückruf konsequent umgesetzt wurde.

Bacillus cereus in Reis- oder Nudelgerichten

Bacillus-cereus-Bakterien kommen natürlicherweise überall in der Umwelt vor, etwa im Boden, im Staub oder auf Pflanzen. Sie sind besonders widerstandsfähig gegenüber Hitze und können daher auch Kochtemperaturen überstehen, die andere Keime abtöten. Typischerweise werden sie mit Lebensmitteln wie Reis- oder Nudelgerichten in Verbindung gebracht, vor allem wenn diese nach dem Kochen längere Zeit ungekühlt stehen oder wiederholt aufgewärmt werden. Je nach Situation können Bacillus-cereus-Bakterien Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall verursachen. Ungefähr 16 Stunden nach. Verzehr tritt der Durchfall ein. In den meisten Fällen klingen die Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Tagen von selbst ab, weshalb nur ein kleiner Teil der Erkrankungen tatsächlich gemeldet wird.

Cereulid: das eigentliche Risiko

Das besondere Augenmerk im aktuellen Rückruf liegt auf dem Toxin Cereulid. Dieses wird von bestimmten Stämmen von Bacillus cereus gebildet, wenn sie sich stark vermehren können. Es entfaltet seine Wirkung als Ionophor, indem es den Transport von Kaliumionen über Zellmembranen ermöglicht und dadurch das Membranpotenzial stört. Darüber hinaus bindet das Toxin an 5-HT3-Rezeptoren und aktiviert diese.

Klinisch führt das stark emetisch wirkende Toxin häufig schon kurze Zeit nach der Aufnahme zu Beschwerden: Übelkeit und Erbrechen können bereits innerhalb von etwa 30 Minuten nach dem Verzehr auftreten und in manchen Fällen bis zu 24 Stunden anhalten. Cereulid ist ebenfalls hitzestabil und kann bereits in geringen Mengen zu starkem Erbrechen führen. In sehr seltenen Fällen wurden auch schwere Verläufe bis hin zu Leberversagen beschrieben.

Vorsichtsmaßnahmen, um eine Toxinbildung zu vermeiden:

  • Gekochte Speisen nicht mehrere Stunden ungekühlt stehen lassen
  • Den Kühlschrank unter 5 C einstellen,
  • größere Lebensmittelmengen auf in zwei Behältern den Kühlschrank stellen
  • Säuglingsnahrung immer frisch zubereiten, kein Warmhalten (beispielsweise im Flascherlwärmer) über mehr als eine Stunde, Reste verwerfen

Was ist für die Beratung in der Apotheke wichtig?

Für Apotheken ist vor allem relevant, dass keine über Apotheken vertriebenen Produkte betroffen sind und der Rückruf klar chargenbezogen erfolgt. Bei Rückfragen an der Tara können Apothekerinnen und Apotheker darauf hinweisen, dass es sich um eine Vorsichtsmaßnahme handelt, bislang keine Erkrankungen bekannt sind und der Nachweis eines isolierten Toxins fachlich anders zu bewerten ist als eine bakterielle Kontamination. Sollten Eltern Bedenken hinsichtlich der Gesundheit ihres Kindes haben, wird angeraten, mit ihrem Kinderarzt oder einer medizinischen Fachkraft zu sprechen.



Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!