Statine und Makrolide sollten nicht kombiniert werden. Der Grund: Das Risiko für Myopathie und Rhabdomyolyse ist erhöht.
Wirkstoffcheck
Statine sind zur Behandlung einer Hypercholesterinämie begleitend zu einer Diät zugelassen sind, wenn eine Nahrungsumstellung allein nicht erfolgreich war. Außerdem kommt die Stoffgruppe im Rahmen der Primärprävention kardiovaskulärer Ereignisse zum Einsatz. Die Wirkstoffe hemmen die HMG-CoA-Reduktase, ein Enzym, das als Zwischenprodukt bei der Cholesterinneusynthese eine Rolle spielt. Die Arzneistoffe unterdrücken die Cholesterinbildung, was mit einer verstärkten Aufnahme aus dem Blutplasma kompensiert wird. Der Low-densitity Lipoprotein (LDL)-Cholesterinspiegel im Blut sinkt. LDL ist hauptverantwortlich für den Großteil der Cholesterin-bedingten Schädigungen. Dosiert wird zwischen 5 und 80 mg. Die Einnahme erfolgt abends, weil nachts die körpereigene Cholesterinsynthese auf Hochtouren läuft.
Zu den unerwünschten Arzneimittelwirkungen zählen unter anderem Myalgien (Muskelschmerzen), Myopathien (entzündliche oder degenerative Muskelerkrankung) und Rhabdomyolyse (Untergang der Muskelzellen). Das Risiko ist dosisabhängig. Betroffene klagen über Muskelschmerzen, -empfindlichkeit oder -schwäche bei gleichzeitiger Erhöhung der Kreatinkinase.
Während einer Statintherapie sollten die Patient:innen auf Grapefruitsaft verzichten. Der Grund: Inhaltsstoffe der Frucht hemmen in der Leber Cytochrom P450-Enzyme und somit die Metabolisierung von verschiedenen Arzneistoffen. Das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen erhöht sich.
Makrolide werden unter anderem zur Behandlung verschiedener bakterieller Infektionen der Atemwege, des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs oder der Haut eingesetzt. Ein Beispiel ist Clarithromycin – ein säurestabiles Methylderivat von Erythromycin mit bakteriostatischen und bakteriziden Eigenschaften – sowohl gegen grampositive als auch gramnegative Keime. Aber auch Azithromycin gehört zur Stoffgruppe ebenso wie Erythromycin, das auch bei Akne zum Einsatz kommt. Makrolide besitzen bakteriostatische bis bakterizide Eigenschaften und binden an die 50S-Untereinheit bakterieller Ribosomen und hemmen so die Proteinbiosynthese.
Makrolide und Statine: Keine gute Kombi
Werden Makrolide und Statine gemeinsam eingenommen, kommt es zu einer Wechselwirkung über das Enzymsubstrat CYP3A4 – genau zu einer pharmakokinetischen Interaktion, bei der der Abbau des Statins beeinträchtigt wird. Denn das Makroid hemmt CYP3A4 und somit den First-pass-Metabolismus einiger Statine.
Makrolide können die Plasmakonzentration der Statine erhöhen – das Risiko für Myopathie und Rhabdomyolyse steigt und Muskelschwäche und Auflösung der quergestreiften Muskelfasern können die Folgen sein.
Alternativen
Die Interaktion kann umgangen werden, indem das Statin über den Zeitraum der Makrolid-Therapie abgesetzt wird. Ist dies nicht möglich, kann auf Fluvastatin umgestellt werden – der Wirkstoff ist von einer Metabolisierung über CYP3A4 unabhängig. Ebenso kann Pravastatin in Erwägung gezogen werden, denn das Statin wird nicht durch Enzyme der Cytochrome-P450-Familie metabolisiert. Auch ein Austausch des Antibiotikums ist möglich. Azithromycin, das ebenfalls zu den Makroliden gehört, könnte eine Möglichkeit sein, da der Wirkstoff CYP3A4 nicht hemmt.
