Neue Details werfen ein anderes Licht auf die Messerattacke in Niederösterreich: Der tatverdächtige „Apotheker“ dürfte keiner gewesen sein. Recherchen von TARA24 sowie Berichte der Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) zeichnen ein komplexes Bild rund um Eigentumsverhältnisse, Konzession und wirtschaftliche Vorwürfe.
Nach der Messerstecherei Anfang Februar in Kottingbrunn wurde in mehreren Medien zunächst von einem „Apotheker“ als Tatverdächtigem berichtet. Neue Informationen legen jedoch nahe, dass diese Bezeichnung so nichtzutreffend ist.
„Gar kein Apotheker“
Wie eine mit dem Fall vertraute Person aus Apothekerkreisen gegenüber TARA24 schildert, war der Mann „maximal ein Diplomingenieur“. Er habe zwar Anteile an der Apotheke gehalten, jedoch weder als Konzessionsinhaber noch als studierter Apotheker fungiert. „Er war Mitbesitzer, aber kein Apotheker im berufsrechtlichen Sinn“, sagt die Person.
Seitens der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt heißt es auf Anfrage: Der derzeit bekannte Status des Beschuldigten sei Pensionist. Weitere Erkenntnisse über seine frühere berufliche Tätigkeit lägen aktuell nicht vor und würden im Rahmen der laufenden Ermittlungen geklärt.
Die Ehefrau des Beschuldigten sei ausgebildete Apothekerin gewesen, sagt der Informant. Sie habe zunächst auch die Konzession getragen. Allerdings soll die operative Leitung der Apotheke zeitweise durch eine andere Person erfolgt sein. Sie habe die Apotheke später selbst geführt, befinde sich inzwischen jedoch in Pension. Die Konzession trage sie schon seit längerer Zeit nicht mehr.
Die Konstellation wird als „kompliziert und verzwickt“ beschrieben. In diesem Zusammenhang stehen auch wirtschaftsrechtliche Vorwürfe im Raum. Es soll im Zuge der Eigentümerstruktur zu finanziellen Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Dabei ist von Betrug und fahrlässiger Krida die Rede. Der mutmaßliche Schaden belaufe sich auf mehrere Millionen Euro.
Neue Details aus Gerichtsunterlagen
Auch die NÖN berichten unter Berufung auf Gerichtsunterlagen über finanzielle Unregelmäßigkeiten. Demnach sei dem Mann vorgeworfen worden, als Mehrheitseigentümer der Gesellschaft durch überhöhte Privatentnahmen sowie durch die Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau finanzielle Schäden verursacht zu haben.
Laut den zitierten Unterlagen habe die Ehefrau ein Vollzeitgehalt bezogen, ohne eine entsprechende Arbeitsleistung zu erbringen. Dadurch seien sowohl der Mitgesellschafter als auch die Gesellschaft geschädigt worden. Die Zeitung verweist in diesem Zusammenhang auf erhebliche wirtschaftliche Nachteile für das Unternehmen. Die Vorwürfe waren Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen und demnach wohl die Ursache für die Bluttat.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Der Fall liegt mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft. Dort werden auch die früheren beruflichen Tätigkeiten geprüft. Der Beschuldigte befinde sich in Untersuchungshaft, sagt ein Sprecher. Das Opfer ist nach wie vor in spitalsärztlicher Behandlung.
