Rezeptur: Verbesserung der Löslichkeit durch Wärme und Co.


Nadine Tröbitscher

Becherglas mit Glasstab
Der Einsatz von Wärme zur Verbesserung der Löslichkeit ist eine unkomplizierte Variante, um eine homogene Lösung zu erhalten.Foto: pinporn manosri/stock.adobe.com

In der Rezeptur müssen mitunter Wirkstoffe gelöst werden, die sich entweder gar nicht lösen oder wieder ausfallen, nachdem sie bereits gelöst waren. Mit einigen Tricks kann die Löslichkeit verbessert werden.

Fallen Wirk- oder Hilfsstoffe aus oder lassen sich nicht vollständig lösen, kann dies mehrere Probleme mit sich bringen. Zum einen ist die fertige Rezeptur nicht mehr homogen, da verbliebene Feststoffpartikel sedimentieren, was auch eine Dosierungenauigkeit zur Folge haben kann. Ein weiterer Punkt ist die schlechtere Bioverfügbarkeit der ungelösten Stoffe, wodurch auch die Wirksamkeit der Zubereitung herabgesetzt wird. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sich in Kombination mit anderen Wirk- oder Hilfsstoffen schwer- oder unlösliche Salze bilden. Zudem wird auch die Compliance der Patient:innen, die Rezeptur anzuwenden, negativ beeinflusst, wenn Sedimentationen oder Trübungen in der Zubereitung bemerkt werden.

Änderung der Wirkstoffform oder des Lösungsmittels

Häufig liegen Wirkstoffe in unterschiedlichen Wirkstoffformen zur Verarbeitung vor. Ein Beispiel hierfür ist Lidocain, das als Base, aber auch in Form von Lidocainhydrochlorid als Salz verfügbar ist. Dabei löst sich das Salz deutlich besser in Wasser als die Base, hat jedoch eine schlechtere Penetrationsfähigkeit auf intakter Haut, weshalb ein Austausch für eine Zubereitung zur äußerlichen Anwendung nicht sinnvoll ist. Für die Anwendung auf der Schleimhaut ist eine lokalanästhetische Wirkung jedoch weiterhin zu erwarten, weshalb hier ein Austausch beider Wirkstoffformen denkbar wäre. Wichtig ist bei der Nutzung einer anderen Wirkstoffform, dass das abweichende Molekulargewicht beachtet werden muss, um auch die identische Menge Wirkstoff zu verarbeiten.

Möglich ist auch, dass es sich für den einzusetzenden Wirkstoff nicht um das richtige Lösungsmittel handelt. Es sollte geprüft werden, in welchem Lösungsmittel sich der Wirkstoff besser löst und ob beim Austausch besondere Faktoren (beispielsweise ein bestimmter Applikationsort oder Unverträglichkeiten des/der Patient:in) beachtet werden müssen. Falls ein Lösungsmittelgemisch (zum Beispiel Ethanol und Wasser) für die Zubereitung verwendet werden soll, ist es sinnvoll, den Wirkstoff zunächst nur in dem Lösungsmittel zu lösen, in dem er sich besser löst. Im Anschluss daran – wenn der Ansatz homogen ist – kann auch die andere flüssige Komponente hinzugegeben werden.

Verbesserung der Löslichkeit durch Wärme, Anpassung des pH-Wertes oder Lösungsvermittler

Der Einsatz von Wärme zur Verbesserung der Löslichkeit ist eine unkomplizierte Variante, um eine homogene Lösung zu erhalten. Jedoch ist nicht jeder Wirk- oder Hilfsstoff und auch nicht jedes Lösungsmittel thermostabil. Dies sollte vor dem Einsatz von Wärme auf jeden Fall geprüft werden. Zudem kann es sein, dass nach dem Abkühlen der Lösung wieder ein Niederschlag entsteht, da die einzelnen Komponenten nicht in Lösung bleiben.

Bei der Verarbeitung von sauren oder basischen Stoffen kann es von Vorteil sein, den pH-Wert des Lösungsmittels entsprechend einzustellen. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass Säuren bevorzugt bei einem zu niedrigen pH-Wert (also im sauren Milieu) und Basen bei einem zu hohen pH-Wert (im basischen Milieu) ausfallen. Um dieses Problem zu vermeiden, können die Erhöhung des pH-Wertes zum Lösen von Säuren und die Verringerung des pH-Wertes zum Lösen von Basen hilfreich sein.

Ebenfalls denkbar ist die Verwendung eines Lösungsvermittlers, der hilft, die Wasserlöslichkeit des Stoffes zu verbessern. Dabei dürfen die Lösungsvermittler selbst die pharmakologische Wirkung des Wirkstoffes nicht verändern und sollten zudem eine gute physiologische Verträglichkeit besitzen.

Lösungsvermittler werden in drei Gruppen unterschieden:

  • Hydrotrope Verbindungen: Substanzen, die mit schwerlöslichen organischen Verbindungen Wasserstoffbrückenbindungen eingehen und somit die Wasserlöslichkeit der zu lösenden Substanz deutlich verbessern (zum Beispiel: Propylenglycol, Sorbitol, Ethanol).
  • Solubilisatoren: Sind amphiphile Substanzen, die lipophile Moleküle in ihre Mizelle aufnehmen können und diese so in Lösung bringen (zum Beispiel: Macrogolfettsäureester, Polysorbat). Der Nachteil hierbei ist jedoch, dass die Solubilisatoren einen bitteren Geschmack aufweisen und somit zur innerlichen Anwendung eher ungeeignet sind. Zudem ist eine Wirkbeeinflussung nicht immer auszuschließen.
  • Komplexbildner: Hierbei wird durch die Substanz und den Lösungsvermittler ein Komplex gebildet, der die Löslichkeit der Substanz verbessert (zum Beispiel: Kaliumiodid zur Herstellung von Jodlösungen).


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