Sichtwahl: Vollgestellt, aber wirkungslos?


Sanja Agatic

Eine junge Apothekenangestellte sucht im Regal nach einem Medikament während sie am Telefon ist.
Eine durchdachte Sichtwahl bringt Struktur, Klarheit und Effizienz in den Apothekenalltag. Foto:stock.adobe.com/Krakenimages.com

Die Sichtwahl ist ständig im Blick und wird trotzdem oft falsch genutzt. Zwischen Gewohnheit, Platzmangel und Lieferdruck schleichen sich schnell Fehler ein, die im Alltag kaum auffallen, aber direkten Einfluss auf Verkauf und Beratung haben. Dabei entscheidet genau dieser Bereich oft in Sekunden, ob ein Produkt überhaupt wahrgenommen wird.

Viele Sichtwahlen sind nicht durchdacht, sondern einfach über Jahre gewachsen. Neue Produkte kommen dazu, alte bleiben stehen, Kategorien verschwimmen. Für Kund:innen ergibt das selten Sinn. Sie suchen keine Marke, sie suchen eine Lösung. Wer vor der Tara steht, denkt nicht in Produktlinien, sondern in Beschwerden. Und genau daran muss sich die Sichtwahl orientieren.

Gesetzliche Grenzen klar im Blick

Was oft unterschätzt wird, die Sichtwahl ist kein „freier Raum“. Rezeptpflichtige Arzneimittel dürfen dort nicht platziert werden. Sie gehören ausschließlich in den nicht einsehbaren Bereich. Verstöße sind nicht nur unprofessionell, sondern rechtlich problematisch. Das bedeutet in der Praxis auch, die Sichtwahl muss bewusst gewählt werden, nicht alles, was verfügbar ist, darf auch sichtbar sein.

Weniger ist mehr: Auswahl statt Überladung

Ein häufiger Fehler ist die Überfrachtung. Zu viele Produkte verwirren, statt zu helfen. Kund:innen verlieren den Überblick, Entscheidungen werden schwerer und genau das bremst den Verkauf. Ein wichtiger Grundsatz: Pro Produktlinie wird in der Regel nur eine Größe in die Sichtwahl gestellt. Unterschiedliche Packungsgrößen desselben Produkts gehören nicht nebeneinander präsentiert, sondern werden im Hintergrund gelagert. Das schafft Klarheit und wirkt strukturierter.

Platzierung entscheidet über Wahrnehmung

Nicht jeder Platz ist gleich viel wert. Produkte auf Augenhöhe werden am häufigsten gesehen und gekauft. Genau dort gehören Topseller, empfohlene Präparate oder saisonale relevante Produkte hin. Weniger gefragte Artikel können bewusst in weniger prominente Zonen ausgelagert werden. Die Sichtwahl wird damit aktiv gesteuert und nicht dem Zufall überlassen. Eine gute Sichtwahl verändert sich mit dem Bedarf. Allergie im Frühjahr, Sonnenschutz im Sommer, Erkältung im Herbst, wer hier nicht regelmäßig adaptiert, verschenkt enormes Potenzial. Saisonale Anpassung zeigen außerdem Kompetenz. Die Apotheke wirkt aufmerksam, aktuell und nah am Bedarf der Kund:innen. Die Sichtwahl ist kein reines Verkaufsinstrument, sondern ein verlängerter Arm der Beratung. Produkte sollten so angeordnet sein, dass sie im Gespräch schnell griffbereit sind. Auch Zusatzempfehlungen lassen sich dadurch leichter integrieren, etwa Nasenspray plus Pflege bei Schnupfen.

Eine durchdachte Sichtwahl bringt Struktur, Klarheit und Effizienz in den Apothekenalltag. Sie lenkt den Blick, unterstützt die Beratung und steigert ganz nebenbei auch den Umsatz. Wer sie aktiv gestaltet, statt sie „einfach laufen zu lassen“, nutzt eines der stärksten Werkzeuge an der Tara, oft ohne zusätzlichen Aufwand, aber mit spürbarem Effekt.



Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!