Lieferengpässe: Probleme bei 1.300 Medikamenten


Viktoria Gamsjäger

Schild Lieferengpass
Bei einigen Arzneimittelklassen hat sich die Lage entspannt: Bupropion ist aktuell in allen Stärken lagernd, teilt der Verband mit.Foto: bluedesign/stock.adobe.com

Der Verband der österreichischen Arzneimittel-Vollgroßhändler Phago teilt in einer Aussendung mit, dass die aktuelle Versorgungslage bei Arzneimitteln je nach Produktgruppe unterschiedliche Entwicklungen zeigt. Insgesamt gibt es aktuell bei 1.300 Medikamenten Probleme mit dem Nachschub. Betroffen sind derzeit unter anderem antibiotische Augentropfen und Paracetamol-haltige Schmerzmittel.

Um ein genaues Bild zu erhalten, beobachtet der Verband der österreichischen Arzneimittel-Vollgroßhändler Phago die Entwicklung bei den einzelnen Produktgruppen. Und so sieht es mit Stand Mitte Februar in den 23 Lagern aus:

  • Die Lage bei Psychopharmaka bleibt unter Beobachtung.
  • Erfreulicherweise sind beim Wirkstoff Bupropion, der zur Behandlung von Depressionen und zur Raucherentwöhnung verschrieben wird, aktuell alle Stärken beim Voll-Großhandel auf Lager.
  • Antibiotische Augentropfen hingegen weisen nach wie vor zahlreiche Ausfälle auf.
  • Einen großen Aufwand bringen Antidiabetika mit sich. Zum einen gibt es Lieferschwierigkeiten und Ausfälle. Zum anderen werden viele Artikel vom Hersteller wochenweise kontingentiert, sodass die Phago- Mitglieder 40 Prozent der Antidiabetika-Produkte als kritisch in der täglichen Abwicklung markiert haben.

Grippe-Welle im Jänner

Ende Jänner klärte Phago-Generalsekretärin Monika Vögele über die Medikamenten-Versorgung noch wie folgt auf: Lieferengpässe gibt es leider bei den Grippe-Medikamenten, nachdem der Bedarf im Dezember ungewöhnlich hoch war. Aktuell können wir Lieferausfälle gut kompensieren. Für Anfang Februar ist weiterer Nachschub angekündigt. Auch bei Paracetamol-haltigen Schmerzmitteln stockt bei einigen Präparaten im Moment die Nachlieferung. In unseren Phago-Lagern haben wir aber 220.000 Medikamente mit diesem Wirkstoff bevorratet, damit ist genug da. Kinderfiebersäfte sind ausreichend auf Lager, ebenso Hustenstiller, Nasensprays und Schnupfenmittel.

Ein Überblick über sonstige Indikationen zeigt erfreuliche Zahlen bei den Herz-Kreislauf-Mitteln (Stand Jänner). Dort sind 94 Prozent aller Medikamente problemlos verfügbar. Bei Psycholeptika, also dämpfenden Psychopharmaka wie Schlaf- und Beruhigungsmitteln, sind 104 Arzneimittel und damit über ein Viertel von Lieferverzögerungen betroffen, bei Psychoanaleptika, das sind anregende Psychopharmaka wie Antidepressiva, sind es zwar nur 8 Prozent, darunter fallen aber Einzelfälle ohne Alternativtherapien. Bei Schmerzmitteln gibt es bei jedem Fünften Schwierigkeiten bei der zeitgerechten Anlieferung.

Kommission zur Arzneimittelversorgung gefragt

Der Verband der österreichischen Arzneimittelvollgroßhändler ist auch Mitglied der Kommission zur Arzneimittelversorgung (ehemals Task Force Lieferengpässe) und bringt dort die operative Markt- und Versorgungsexpertise ein.

Die Kommission tagt mindestens vierteljährlich, so auch im 1. Quartal 2026. Kommissions-Mitglied und Phago-Vorstand Bernd Grabner erklärt: „Die Arzneimittelversorgung wird maßgeblich auf Vollgroßhandelsebene sichtbar. Unsere Aufgabe ist es, Entwicklungen frühzeitig einzuordnen und faktenbasiert zu handeln. Versorgungssicherheit entsteht durch Transparenz, Koordination und verlässliche Strukturen entlang der gesamten Lieferkette.“

Pufferfunktion

Der österreichische Arzneimittelvollgroßhandel übernimmt eine Pufferfunktion zwischen Industrie und Apotheken, teilt der Verband in seiner Presseaussendung mit. Durch Lagerhaltung, Sortimentsbreite und mehrmals tägliche Auslieferungen trägt er wesentlich zur Stabilisierung kurzfristiger Marktschwankungen bei, heißt es weiter.

In den 23 Lagerstandorten der Phago-Betriebe lagern laut eigenen Angaben mehr als 40.000 verschiedene Artikel für die österreichische Bevölkerung. Jährlich werden über 200 Millionen Packungen an Apotheken ausgeliefert.

PRESSEAUSSENDUNG PHAGO



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