Vitamin D: Neue Leitlinie zur Supplemtierung


Ende diesen Jahres soll es eine neue Leitlinie zur Substitution von Vitamin D geben.AdobeStock_616758085/KMPZZZ

Das Interesse an Vitamin D hat in den letzten Jahren stark zugenommen, und man könnte schnell den Eindruck gewinnen, Vitamin D sei ein Allheilmittel, regelmäßige Spiegelbestimmungen und Supplementierungen ein Garant für ein langes Leben. Fest steht: Das Multitalent spielt in etlichen Prozessen im Körper eine Schlüsselrolle. Aber wer und ab wann sollte wie viel supplementieren? Ende dieses Jahres soll eine neue S3-Leitlinie zur Vitamin-D-Substitution veröffentlicht werden. Diese soll Hausärzt:innen und Apotheken helfen, Patient:innen adäquat zu beraten.

Vitamin D: Ein besonderes “Vitamin”

Vitamin D wird oft als Vitamin bezeichnet, doch streng genommen ist es keines. Vitamine sind Stoffe, die der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann und daher von außen zugeführt werden müssen. Vitamin D hingegen kann endogen produziert werden, was es von klassischen Vitaminen unterscheidet.

In der Haut wird 7-Dehydrocholesterol unter dem Einfluss von UVB-Strahlung zu Cholecalciferol (Vitamin D3) umgewandelt. Diese Umwandlung setzt jedoch eine ausreichende UVB-Strahlungsintensität voraus, die in Mitteleuropa nur von März bis September und ausschließlich in den Mittagsstunden gegeben ist. In den Wintermonaten ist die körpereigene Vitamin-D-Produktion praktisch nicht möglich. Auch der Gebrauch von Sonnencremes mit einem Lichtschutzfaktor ab 8(!), das Tragen von Kleidung und das überwiegende Verweilen in Innenräumen reduzieren die Vitamin-D-Produktion erheblich. Neben der endogenen Produktion spielt die Aufnahme von Vitamin D über die Nahrung eine eher untergeordnete Rolle. Nur wenige Lebensmittel enthalten nennenswerte Mengen an Vitamin D. Dazu zählen fettreiche Fische wie Makrele, Aal und Lachs, Innereien, Eier, Milchprodukte und Speisepilze wie Champignons. Eine ausreichende Versorgung allein über die Nahrung zu erreichen, ist schwierig bis nahezu unmöglich.

Wieviel Vitamin D brauch der Mensch?

Aktuelle Untersuchungen aus verschiedenen europäischen Ländern zeigen, dass bis zu 70 Prozent der untersuchten Personen in den Wintermonaten unter Vitamin-D-Mangel litten. Der Grund: Aufgrund der verhinderten endogenen Produktion in den Herbst- und Wintermonaten und einer nur minimalen Aufnahme über die Nahrung ist eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D in Mitteleuropa in den meisten Fällen ausgeschlossen.

Die Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geben leicht unterschiedliche Empfehlungen für die Vitamin-D-Versorgung ab: Beide empfehlen für Kinder unter einem Jahr eine tägliche Menge von 10 µg (400 IE). Für Kinder ab einem Jahr, Jugendliche und Erwachsene lautet die Empfehlung der ÖGE 20 µg (800 IE) pro Tag und die der EFSA 15 µg (600 IE) pro Tag. Durch die Nahrung können langfristig lediglich rund 2–3 µg (80–120 IE) täglich abgedeckt werden. Endogen könnten pro Tag bis zu 20.000 IE Vitamin D produziert werden, sodass durch eine hohe Produktion im Sommer ein gewisses Depot für den Winter geschaffen wird.

Wann supplementieren?

Die Fragen, welche Patient:innen
auf einen Vitamin-D-Mangel gescreent werden sollten und wer von einer zusätzlichen Vitamin-D-Gabe profitieren sollte, soll nun in der neuen S3-Leitlinie „Beratung zur Vitamin-D-Substitution” beantwortet werden. Für diese klarere Entscheidungshilfe sprachen sich Expert:innen beim 32. Kongress der Sächsischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM) in Lichtenwalde Anfang Mai aus. Die Veröffentlichung wird Ende dieses Jahres erwartet.

Wesentliche Bestandteile der Leitlinie

  • Eine Bestimmung der Serumkonzentration von 25-Hydroxyvitamin-D, kurz 25(OH)D, bei erwachsenen Personen ohne relevante Vorerkrankungen bzw. medizinische Risikofaktoren und ohne ein typisches osteologisches Beschwerdebild sollte nicht durchgeführt werden.
  • Vitamin-D-Präparate sollten nicht zur Primärprävention von Erkrankungen bei erwachsenen Personen ohne relevante Vorerkrankungen und ohne Risikofaktoren für einen Vitamin-D-Mangel empfohlen werden.


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