Kann eine konsequente Behandlung von Bluthochdruck das Demenzrisiko senken? Eine große Studie aus China liefert neue Hinweise darauf, dass strukturierte Maßnahmen, auch durch nicht-ärztliches Fachpersonal, einen messbaren Effekt haben könnten.
Eine aktuelle randomisiert-kontrollierte Studie aus China untersuchte den Einfluss einer intensiven Blutdrucksenkung auf das Risiko für Demenz jeglicher Ursache bei Menschen mit unkontrollierter Hypertonie. Insgesamt wurden 33.995 Personen ab 40 Jahren aus 326 Dörfern in die Untersuchung eingeschlossen.
163 Dörfer wurden einer strukturierten Intervention zugeteilt, während in den übrigen 163 Dörfern die übliche Versorgung erfolgte. In der Interventionsgruppe übernahmen speziell geschulte, nicht-ärztliche Gesundheitsfachkräfte die Betreuung. Unter ärztlicher Aufsicht wurde eine gestufte antihypertensive Therapie umgesetzt, mit dem Ziel, den systolischen Blutdruck auf unter 130 mmHg und den diastolischen Blutdruck auf unter 80 mmHg zu senken. Die Intervention erstreckte sich über einen Zeitraum von 48 Monaten.
Deutliche Senkung in der Interventionsgruppe
Im Vergleich zur Standardversorgung zeigte sich in der Interventionsgruppe eine signifikante Reduktion der Blutdruckwerte. Der systolische Blutdruck sank im Durchschnitt um 22,0 mmHg, der diastolische um 9,3 mmHg
Reduziertes Demenzrisiko
Parallel zur Blutdrucksenkung war auch das Risiko für Demenzerkrankungen reduziert. In der Interventionsgruppe lag das Risiko um 15 Prozent niedriger als in der Gruppe mit Standardversorgung. Das Risikoverhältnis betrug 0,85 bei einem 95 Prozent Konfidenzintervall von 0,76 bis 0,95 und war statistisch signifikant (p = 0,0001).
Weniger schwerwiegende Ereignisse
Neben der Wirksamkeit zeigte sich auch ein Vorteil hinsichtlich der Sicherheit. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten in der Interventionsgruppe seltener auf als unter Standardversorgung. Das Risikoverhältnis lag bei 0,94 mit einem 95 Prozent Konfidenzintervall von 0,91 bis 0,98 (p = 0,0006).
Die Ergebnisse verdeutlichen die zentrale Rolle einer konsequenten Blutdruckkontrolle bei Menschen mit Hypertonie. Strukturierte und standardisierte Interventionen, auch durch nicht-ärztliche Fachkräfte, könnten einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Demenzerkrankungen leisten und die Primärversorgung nachhaltig stärken.
Die Studie ist unter dem Titel „Blood pressure reduction and all-cause dementia in people with uncontrolled hypertension: an open-label, blinded-endpoint, cluster-randomized trial“ in Nature medicine erschienen.
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