Demenz: Koffein bremst kognitiven Verfall aus


Katharina Brand

Symbolbild: Ein Barrista reicht einen Kaffee herüber.
Ein regelmäßiger Kaffeekonsum korrelierte mit dem Erhalt der weißen Substanz im Gehirn.AdobeStock_129973255/Nomad_Soul

Eine aktuelle Langzeituntersuchung mit 130.000 Proband:innen zeigt, dass moderater Koffeinkonsum das Gehirn über Jahrzehnte fit halten kann. Wer täglich zwei bis drei Tassen Kaffee oder ein bis zwei Tassen Tee trinkt, kann sein Demenzrisiko um etwa 18 Prozent senken und den geistigen Abbau im Alter spürbar verlangsamen. Der entscheidende Faktor dabei: Koffein.

Die Langzeitstudie mit über 131.000 Teilnehmenden der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-Up Study liefert laut Forschender die bisher stärksten Belege dafür, dass lebenslanger, moderater Koffeinkonsum ein effektiver Schutz vor Demenz sein kann. 

„Auf der Suche nach möglichen Präventionsmaßnahmen gegen Demenz hielten wir etwas so weit verbreitetes wie Kaffee für einen vielversprechenden Ansatz zur Ernährungsumstellung“, sagte der Hauptautor Daniel Wang, Wissenschaftler an der Harvard Medical School.

Ohne Koffein geht es nicht

Der Zugang zu Studiendaten mit einer Laufzeit von über 40 Jahren ermöglichte es Forschenden, den langfristigen Zusammenhang zwischen Koffeinkonsum und kognitiver Gesundheit zu untersuchen. Die Analyse zeigt, dass Proband:innen, die täglich zwei bis drei Tassen Kaffee oder ein bis zwei Tassen Tee tranken, ein um etwa 18 Prozent reduziertes Risiko für Alzheimer und vaskuläre Demenz sowie einen deutlich langsameren kognitiven Verfall aufwiesen. Dabei wurde Koffein als entscheidender Akteur identifiziert. Entkoffeinierter Kaffee zeigte keine vergleichbaren neuroprotektiven Vorteile.

Besserer Hirnerhalt

Ergänzende MRT-Untersuchungen untermauerten diese Effekte: Regelmäßiger Konsum korrelierte mit einem besseren Erhalt der weißen Substanz und einem stabileren Volumen im Hippocampus, dem zentralen Gedächtnisareal. 

Diese Ergebnisse blieben auch nach Bereinigung um genetische Risikofaktoren sowie Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes stabil.

Wirkung genunabhängig

„Wir haben auch Menschen mit unterschiedlicher genetischer Veranlagung zur Entwicklung einer Demenz verglichen und die gleichen Ergebnisse erzielt – das heißt, Kaffee oder Koffein ist wahrscheinlich gleichermaßen vorteilhaft für Menschen mit hohem und niedrigem genetischem Risiko, an Demenz zu erkranken“, erklärt Hauptautor Yu Zhang, Student an der Harbard Chan School und Forschungspraktikant am Mass General Brigham.

Stärkste Wirkung in Kombination

Die Datenanalyse zeige, dass der Schutzeffekt bei Abstinenz sowie bei einem Konsum von mehr als fünf Tassen täglich geringer ausfiel. Personen, die Kaffee und Tee kombinierten, zeigten die stärksten Effekte hinsichtlich der kognitiven Verarbeitungsgeschwindigkeit. 

Aufgrund des langen Beobachtungszeitraums kann eine umgekehrte Kausalität laut Forschender weitgehend ausgeschlossen werden. Dennoch rät Wang zur Zurückhaltung: „Unsere Ergebnisse sind zwar ermutigend, aber es ist wichtig zu bedenken, dass der Effekt gering ist und es viele wichtige Möglichkeiten gibt, die kognitive Funktion im Alter zu schützen. Unsere Studie legt nahe, dass der Konsum von koffeinhaltigem Kaffee oder Tee ein Teil des Puzzles sein kann.“ 

Die Studie mit dem Titel „Coffee and Tea Intake, Dementia Risk, and Cognitive Function“ wurde von Forschenden der Harvard University sowie des Mass General Brigham in den USA durchgeführt und im Fachmagazin Jama veröffentlicht.



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