Wer sich wenig bewegt, sollte längere Phasen am Stück gehen. Das zeigt eine britische Studie mit über 33.000 Teilnehmenden der UK Biobank. Forschende konnten nachweisen, dass das Sterberisiko sinkt, wenn die Schritte in längeren Einheiten zurückgelegt werden – selbst wenn die Gesamtzahl niedrig bleibt.
Dank Wearables und Smartphones ist die Schrittzahl eine zentrale Messgröße, wobei viele Schritte durch kurze Alltagsbewegungen entstehen. Bisher war unklar, ob dieses Sammeln „zwischendurch“ gesundheitlich ausreicht.
Über 30.000 Proband:innen untersucht
Um diese Frage zu klären, analysierten Britische Forschende das Bewegungsverhalten von 33.560 Personen der UK Biobank mit einem Durchschnittsalter von 62 Jahren. Untersucht wurde, ob längere Gehphasen das Herz-Kreislauf- und Sterberisiko bei Menschen mit weniger als 8000 Schritten pro Tag beeinflussen.
Die Teilnehmenden wurden nach der Dauer ihrer üblichen Gehphasen eingeteilt:
- unter fünf Minuten,
- fünf bis unter zehn Minuten,
- zehn bis unter 15 Minuten
- sowie 15 Minuten oder länger.
Dabei wurden Personen mit weniger als 5000 Schritten pro Tag als sitzend und Personen mit 5000 bis 7999 Schritten als gering aktiv eingestuft.
Art des Schrittesammelns entscheidend
Die Ergebnisse zeigen: Nicht nur die Menge, sondern die Art der Schrittansammlung war entscheidend für die Gesundheit. Dieser Schutzeffekt durch längere Gehphasen war unabhängig davon, wie viele Schritte die Personen insgesamt erreichten.
Die Forschenden betonen hierbei, dass die Schrittzahl grundsätzlich wichtig bleibt: Eine höhere Gesamtzahl an Schritten ist nach wie vor mit einer besseren Gesundheit verbunden. Das Muster, wie diese Schritte gesammelt werden, sei jedoch ein eigenständiger Schutzfaktor. Das bedeutet: Vergleicht man zwei Menschen, die exakt 5000 Schritte machen, ist die Person deutlich besser geschützt, die diese Schritte in längeren, zusammenhängenden Blöcken absolviert.
Gehart kann wichtigster Hebel sein
Bei geringer Aktivität schlägt Qualität Quantität: Für Menschen, die ihr Schrittziel von 8000 Schritten nicht erreichen, ist die Art des Gehens sogar der wichtigere Hebel. Die Daten zeigen, dass ein niedriges Sterberisiko von 0,84 Prozent bereits mit einer geringen Gesamtschrittzahl erreicht werden kann, solange die Schritte in Einheiten von zehn bis 15 Minuten am Stück gegangen werden. Das bedeutet: Die Schrittzahl ist nicht egal, aber sie ist nicht das einzige Maß.
Ergebnisse der Auswertung
Im Nachbeobachtungszeitraum von durchschnittlich 7,9 Jahren wurden 735 Todesfälle und 3119 Herz-Kreislauf-Ereignisse registriert. Die Auswertung nach 9,5 Jahren verdeutlicht den Schutz durch längere Gehphasen: Die Sterblichkeit betrug 4,36 Prozent bei Phasen unter fünf Minuten und sank auf 0,84 Prozent bei Einheiten zwischen zehn und 15 Minuten. Wer regelmäßig mindestens 15 Minuten am Stück ging, wies mit 0,80 Prozent das niedrigste Risiko auf.
Ein vergleichbares Muster zeigte sich bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hier verringerte sich das Risiko von 13,03 Prozent bei kurzen Etappen auf 11,09 Prozent bei fünf bis zehn Minuten und erreichte bei Phasen ab 15 Minuten den Bestwert von 4,39 Prozent.
Physiologische Hintergründe
Die Forschenden begründen dies damit, dass kardiometabolische Mechanismen wie Verbesserungen der Herzfrequenzvariabilität oder der Insulinsensitivität eine gewisse Dauer oder Kontinuität benötigen, um wirksam aktiviert zu werden. Da viele Alltagsschritte aus nur leichter Aktivität bestehen, erreichen vermutlich erst längere Phasen die notwendige Stabilität für diese Prozesse im Körper.
„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Personen mit suboptimalem Aktivitätsniveau ein geringeres Risiko für die Gesamtmortalität und das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen als Personen, die ihre Schritte in kürzeren Abschnitten absolvieren“, erklären die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler abschließend in ihrer Studie. Sie betonen: „Diese Unterschiede waren bei Personen mit einem eher sitzenden Lebensstil (< 5000 Schritte/Tag) ausgeprägter.“
Die Studie mit dem Titel „Step Accumulation Patterns and Risk for Cardiovascular Events and Mortality Among Suboptimally Active Adults“ wurde in Großbritannien durchgeführt und kürzlich im Fachportal Annals of Internal Medicine veröffentlicht.
