Langlebigkeit durch Ausschalten von Genen


Durch das Ausschalten einzelner Gene konnte die Lebenserwartung der Würmer signifikant verkürzt, bzw. auch verlängert werden.AdobeStock_778869157/SAIRA BANO

Drei Gene scheinen Einfluss darauf zu haben, wie lange die Lebenspanne dauert. Zumindest deutet das im Versuch an Würmern darauf hin.

Länger gesünder leben – das ist aktuell das große Forschungsziel. Longevity steht bei vielen ganz oben auf der Agenda. Und alle sind sich einige: Lebensstil schlägt dabei genetische Prädisposition. Das könnte sich jetzt ändern. Denn nun spielen die Würmer mit im Streben nach längerem Leben.

Würmer leben unterschiedlich lange

Nachdem genetische Forschung am Menschen aus mehreren Gründen schwierig ist, hat sich die Wissenschaft auf ein Lebewesen gestürzt, das dem Menschen in einigen Aspekten sehr ähnlich ist: die Würmer (Caenorhabditis elegan). Wie der Mensch weisen sie – im Unterschied zu vielen anderen Spezies – eine große Variabilität in der Lebenserwartung auf.

Forschende des Centre for Genomic Regulation (CRG) beobachteten tausende genetisch identischer Würmer, die in einer kontrollierten Umgebung lebten. Selbst bei gleichen äußeren Parametern wie Ernährung, Temperatur und Kontakt zu Raubtieren und Krankheitserregern, lebten viele Individuen länger oder kürzer als der Durchschnitt.

Ursache: unterschiedliche Gen-Entwicklung

„Ob ein Wurm acht oder 20 Tage überlebt, hängt scheinbar von zufälligen Unterschieden in der Aktivität dieser Gene ab. Manche Würmer dürften einfach Glück haben, weil bei ihnen die richtige Mischung von Genen zur richtigen Zeit aktiviert wird“, sagt Dr. Matthias Eder, Erstautor der Studie und Forscher am Centre for Genomic Regulation.

Die Studie führte die unterschiedlichen Lebensspannen auf Veränderungen im mRNA-Gehalt in Keimbahnzellen (die an der Fortpflanzung beteiligt sind) und somatischen Zellen (den Zellen, die den Körper bilden) zurück. Das mRNA-Gleichgewicht zwischen den beiden Zelltypen wird mit der Zeit gestört oder „entkoppelt“ und führt in der Folge zu unterschiedlichen Alterungsprozessen.

Nach Würmern kommen Mäuse

Durch das Ausschalten einzelner Gene konnte die Lebenserwartung der Würmer in der Studie signifikant verkürzt, beziehungsweise bei anderen Genen verlängert werden. Vor allem bei drei Genen wurdee eine dramatische Auswirkung auf die Reduktion der Lebenszeit von etwa 8 auf 4 Tage beobachtet.

Wurde eines der drei Gene entfernt, konnte die Lebenserwartung vom statistischen unteren Ende gehoben werden. Die maximale Lebenserwartung wurde allerdings nicht maßgeblich ausgedehnt. Die Studienautoren betonen, dass dadurch nicht die Lebenserwartung im Allgemeinen gesteigert wird, sondern es zu einer „gerechteren Lebenserwartung“ kommen würde. „Im Wesentlichen geht es darum, eine Population homogener und langlebiger zu machen“, sagt Dr. Nick Stroustrup, Hauptautor der Studie und Gruppenleiter am Centre for Genomic Regulation. Als nächstes soll die Theorie an Mäusen untersucht werden, die von der Biologie näher am Menschen dran sind.



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