Metformin gehört zu den Mitteln der Wahl, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Daher kommt der Wirkstoff vor allem in der Diabetes-Behandlung zum Einsatz. In dieser Indikation soll der Wirkstoff jedoch noch mehr können. Genau soll Metformin vor einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD) schützen.
Mehr als sieben Millionen Menschen leiden hierzulande an einer AMD. Die chronische Erkrankung tritt wie der Name vermuten lässt vor allem bei älteren Personen ab etwa 60 Jahren auf. Dabei wird die Sehfähigkeit im Bereich des schärfsten Sehens beeinträchtigt, und zwar in der Regel bei beiden Augen. Dabei kann es sogar zum Erblinden kommen. Die genauen Ursachen dafür sind noch nicht geklärt, angenommen wird jedoch eine Stoffwechselstörung als Auslöser.
Nun haben Forschende herausgefunden, dass Patient:innen mit Diabetes, die mit Metformin behandelt werden, offenbar ein verringertes Risiko für eine AMD haben. Kann der Wirkstoff somit zum Schutz dienen?
Metformin gehört zu den oftmals zu den Mitteln der Wahl bei der Behandlung von Diabetes Typ 2, wenn Diät und Gewichtsreduktion trotz körperlicher Aktivität nicht ausreichen, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Das Biguanid hemmt die Glukosebildung in der Leber und verzögert deren Aufnahme im Darm. Metformin verbessert die Insulinwirkung und die Insulinempfindlichkeit der Muskulatur, die Insulinausschüttung wird vermindert und das Hungergefühl der Patient:innen nimmt ab.
Metformin zum Schutz vor AMD?
Ein Team der Universität Liverpool (Vereinigtes Königreich) hat den Zusammenhang zwischen Diabetes, Metformin und dem Auftreten einer AMD näher untersucht. So wurden die Augen von rund 2.000 Patient:innen mit Typ-2-Diabetes im Frühstadium berücksichtigt, die fünf Jahre nach Behandlungsbeginn erneut betrachtet wurden. Dabei wurden zahlreiche neue AMD-Erkrankungen festgestellt, weil Diabetes als einer der Risikofaktoren gilt. Bei genauerer Beobachtung fiel jedoch auf, dass sich Unterschiede im Hinblick auf die jeweilige Diabetes-Therapie zeigten. Teilnehmende, die mit Metformin behandelt wurden, entwickelten demnach signifikant seltener eine AMD, und zwar um knapp 40 Prozent. Lag die Erkrankung bereits vor, wurde zudem das Fortschreiten gehemmt.
Die Forschenden betrachten die Ergebnisse als Durchbruch. „Metformin hat das Potenzial, vielen Menschen das Augenlicht zu retten“, heißt es. Nun müsste der Effekt jedoch in randomisierten Studien weiter untersucht und belegt werden. Gleiches gilt den Autor:innen zufolge auch für die Frage, ob die Wirkung auch unabhängig von einer Diabetes-Erkrankung auftritt. „Angesichts der Anti-Aging-Wirkung von Metformin ist die Risikoreduktion plausibel und rechtfertigt prospektive klinische Studien.“
Die Forschenden raten Patient:innen dennoch zu regelmäßigen Augenuntersuchungen, um andere Erkrankungen auszuschließen beziehungsweise rechtzeitig zu erkennen.
