Ibuprofen und Paracetamol können die Wirkung von Antibiotika verringern beziehungsweise die Entstehung von Antibiotikaresistenzen fördern, wie eine Studie zeigt.
Immer wieder warnen Expert:innen davor, dass die Zahl der Antibiotikaresistenzen stetig zunimmt. Ein Forscherteam hat nun aufgedeckt, dass häufig genutzte Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol für die Entstehung von Resistenzen eine Rolle spielen können. Grund dafür sind vermehrte Mutationen bei Bakterien wie Escherichia coli (E. coli), die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass diese gegen Antibiotika resistent werden. Auch andere Wirkstoffe können einen ähnlichen Effekt haben.
Ibuprofen ist ein nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR) und hemmt die Cyclooxygenasen COX-1 und COX-2 und somit die Prostaglandinbildung. Der Wirkstoff besitzt schmerzlindernde, fiebersenkende und entzündungshemmende Eigenschaften. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen unter anderem gastrointestinale Beschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit und Co. Doch auch tödliche Leberschäden können drohen.
Paracetamol wird in der Leber metabolisiert und kommt ebenfalls zur symptomatischen Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen und/oder Fieber zum Einsatz. Das Acetamid besitzt analgetische und antipyretische Eigenschaften. Letztere werden auf einen Einfluss auf das Temperaturregulationszentrum im Hypothalamus zurückgeführt. Außerdem bewirkt Paracetamol eine Hemmung der cerebralen Prostaglandinsynthese und hemmt die periphere Prostaglandinsynthese nur schwach. Der genaue Wirkmechanismus ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
E. coli-Mutationen
Ein Team der University of South Australia hat insgesamt neun Wirkstoffe untersucht. Dazu gehörten neben Ibuprofen und Paracetamol auch Diclofenac, Metormin, Furosemid, Atorvastatin, Tramadol, Temazepam und Pseudoephedrin. Überprüft wurde der Einfluss der Wirkstoffe auf im Körper vorhandene E. coli-Bakterien – sowohl allein als auch in Kombination mit Antibiotika wie Ciprofloxacin.
Das Ergebnis: Unter mehreren Schmerzmitteln, allen voran Ibuprofen und Paracetamol traten vermehrt Mutationen auf – sowohl mit als auch ohne gleichzeitige Anwendung eines Antibiotikums.
In der Folge wuchsen die Bakterien schneller und wurden zunehmend resistent. Diese Resistenz richtete sich anschließend auch gegen mehrere Antibiotika aus verschiedenen Klassen – Multiresistenz. Der Grund: Die Schmerzmittel aktivierten Mechanismen, mit denen die Bakterien Antibiotika nach außen befördern können, wodurch die Wirksamkeit verringert wurde.
„Insgesamt liefert diese Studie Hinweise darauf, dass Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen in Kombination mit Ciprofloxacin nicht nur die Mutationshäufigkeit signifikant erhöhen, sondern auch zu multipler Antibiotikaresistenz führen“, so die Forschenden.
Das bedeutet: Werden Patient:innen mit mehreren Arzneimitteln behandelt, ist Vorsicht geboten. Die Forschenden fordern weitere Studien bei Menschen, die langfristig mehrere Medikamente einnehmen, um besser zu verstehen, wie verschiedene Arzneimittel die Wirksamkeit von Antibiotika beeinflussen.