Pilzgift versetzt Ribosomen in Schlafmodus


Redaktion

Fusarium-Pilze, die in Getreidekulturen Mykotoxine bilden, die Menschen und Tiere beeinträchtigen; 3D-Darstellung von Konidien und Hyphen
Ein Pilzgift aus Getreidepilzen der Gattung Fusarium versetzt die menschliche Proteinfabrik in Dornröschenschlaf. Forscher sehen hier Potenzial für neue Therapien.Dr. Microbe – stock.adobe.com

Ein Pilzgift aus Getreide kann die „Proteinfabriken“ in menschlichen Zellen in eine Art Schlafmodus versetzen. Forschende der Universität Bern sehen darin Potenzial für neue Therapien. Das Berner Forschungsteam entwickelte eine Methode, um die Wirkung von Substanzen auf die Proteinproduktion zu untersuchen, teilte die Universität mit. Mit einem Testsystem, das die zellulären Prozesse außerhalb lebender Zellen nachbildet, analysierten die Forschenden 28.000 Stoffe.

Dabei identifizierten sie das Pilzgift NT-2 als besonders wirksam. Dieses wird von Getreidepilzen der Gattung Fusarium gebildet, die unter anderem Weizen, Gerste oder Mais befallen können. Die Studie zeigte, dass das Gift direkt an den Ribosomen andockt, den Proteinfabriken der Zelle.

Die Forschenden beobachteten, dass sich nach der Behandlung mit dem Gift sehr viele Ribosomen in einem inaktiven Zustand befanden. „Man kann sich vorstellen, dass die Proteinfabriken der Zelle in einen Schlafmodus versetzt werden, aus dem sie von selbst nicht mehr aufwachen“, wird Studienleiter Dr. Evangelos Karousis zitiert.

Potenzial für neue Therapien

Die Erkenntnisse könnten langfristig für die Medizin von Bedeutung sein. Viele schwere Krankheiten stünden damit in Zusammenhang, dass Zellen zu viel, zu wenig oder die falschen Proteine herstellten, so Karousis. Ein besseres Verständnis, wie sich die Proteinfabriken bremsen oder in einen Ruhemodus versetzen lassen, könne helfen, neue Behandlungen zu entwickeln. Als nächsten Schritt wollen die Forschenden untersuchen, wie die „schlafenden“ Ribosomen wieder aktiviert werden können.

An der Studie beteiligt waren neben der Universität Bern auch die Eidgenössische Technische Hochschule in Lausanne (EPFL) und die ETH Zürich. Veröffentlicht wurde sie in der Fachzeitschrift „Communications Biology“.

APA



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