RSV-Impfung kann vor Asthma schützen


Redaktion

Symbolbild: Ein 3D Modell einer Lunge wird mit einem Stift berührt. In einem Lungenflügel scheint eine bösartige Veränderung zu sein. Diese ist rot untermalt.
Die RSV-Prophylaxe mit Nirsevimab könnte nicht nur vor einer schweren Bronchiolitis, sondern auch vor späteren Asthmaerkrankungen schützen..BALOCH/ AdobeStock_1632986414

Säuglinge, die wegen einer Infektion mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) im Krankenhaus behandelt worden sind, haben ein dreifach höheres Risiko, später Asthma zu entwickeln. Die Impfung gegen RSV, auch als monoklonale Antikörper für Neugeborene, hat laut belgischen Wissenschaftern offenbar diesen zusätzlichen Schutzeffekt.

In den USA hat die wissenschaftskritische Administration von Präsident Donald Trump mit dem impfskeptischen Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. gerade die RSV-Impfung von der Liste der allgemein empfohlenen Immunisierungen gestrichen. Die belgischen Wissenschafter um Bart Lambrecht vom „Vlaams Instituut voor Biotechnologie“ haben ihre gänzlich anders lautenden Forschungsergebnisse vor kurzem in Science Immunologyveröffentlicht.

Der Hintergrund, so das Deutsche Ärzteblatt: Die meisten Kinder infizieren sich im Säuglingsalter das erste Mal mit RSV. Etwa zwei bis drei Prozent erkranken dabei auch an einer Entzündung der kleinen Bronchien-Verästelungen (Bronchiolitis). Eine stationäre Aufnahme im Spital, in schweren Fällen sogar eine intensivmedizinische Versorgung, wird oft notwendig. Zumeist kommt es zu vollständigen Genesung.

Bronchiolitis fördert Entstehen von allergischem Asthma

Die Analyse von dänischen Daten hat aber gezeigt, dass Kinder nach einer Bronchiolitis häufiger an Asthma erkranken. Lambrecht und sein Team berechneten für Säuglinge, die wegen einer RSV-Bronchiolitis ins Spital gekommen waren, ein um den Faktor 3,3 erhöhtes Risiko für die chronische Lungenerkrankung. War die Mutter eine Asthmatikerin stieg das Asthma-Risiko von Kindern nach schwerer RSV-Erkrankung um den Faktor 5,4, im Falle einer Asthma-Erkrankung des Vaters um das 4,7-Fache.

Die belgischen Wissenschafter infizierten zusätzlich Labormäuse in den ersten Lebenswochen mit dem RSV-ähnlichen Mäuse-Pneumonievirus (PVM). Die Tiere entwickelten daraufhin eine allergische Reaktion der Bronchien – vergleichbar mit Asthma. Typisch war die Aktivierung von sogenannten T-Helferzellen vom Typ 2. Sie vermitteln bei Menschen wie Mäusen das Entstehen und die Aufrechterhaltung von Allergien.

Um ihre Hypothese zu überprüfen, verabreichten die Wissenschafter neugeborenen Mäusen Antikörper, die sowohl gegen PVM der Mäuse als auch gegen RSV wirken. Ebenso bekamen Muttertiere Antikörper, welche die Jungtiere mit der Muttermilch aufnehmen sollten. Das Ergebnis: Auch wenn es sich um Nachkommen von Muttertieren mit quasi-asthmatischer Grunderkrankung und somit einem sehr hohen Risiko für das Entstehen einer solchen Erkrankung bei deren Nachkommen nach PVM-Infektion handelte, konnte diese Komplikation verhindert werden.

Zusätzlicher Schutz wahrscheinlich

„Die Ergebnisse lassen hoffen, dass die RSV-Prophylaxe mit dem (monoklonalen; Anm.) Antikörper Nirsevimab Neugeborene nicht nur vor einer schweren Bronchiolitis, sondern auch vor späteren Asthmaerkrankungen schützt. Auch eine Prophylaxe durch die Impfung von Schwangeren wäre vorstellbar“, schrieb dazu das Deutsche Ärzteblatt. An sich könnte das Gegenstand von zukünftigen epidemiologischen Untersuchungen sein, um diesen Zusatzeffekt der RSV-Prophylaxe zu belegen.

In Österreich wird eine RSV-Prophylaxe bei Neugeborenen mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab durchgeführt. Das soll sie in der ersten RSV-Saison vor der Infektion schützen. Das hat bereits die Spitalsaufnahmen von Babys wegen dieser Infektion reduziert. Die aktive Impfung kann bei Schwangeren erfolgen und bringt ebenfalls Schutz für die Babys. Im österreichischen Impfplan wird die RSV-Impfung zusätzlich generell ab dem 60. Lebensjahr empfohlen. Laut einer Berechnung im Auftrag des Verbandes der Impfstoffhersteller verursachen RSV-Erkrankungen pro Jahr Kosten von rund 317 Millionen Euro.

APA



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