Sexuelle übertragbare Krankheiten: gute Therapien, schlechte Aufklärung


Sexuell übertragbare Krankheiten sind im Zunehmen, das Wissen darüber nimmt ab. AdobeStock_840247541-/vefimov

Die gute Nachricht: Sexuell übertragbare Krankheiten (STD) können immer besser therapiert werden. Die schlechte: das Bewusstsein dafür nimmt immer mehr ab. Auch in Österreichs Apotheken wird die Therapie von STD immer mehr zum Thema. TARA24 hat bei Mag. Manuel Wendl von der Johann-Strauß-Apotheke in Wien nachgefragt.

Eine eben in den USA veröffentlichte Umfrage gibt Anlass zur Sorge: Ein Drittel der befragten Erwachsenen wusste, dass es eine Impfung zur HPV-Prophylaxe gibt. 44 Prozent halten Küssen für einen Übertragungswegs von STD (was nur ein Risikofaktor oraler Gonorrhoe ist) und immerhin 21 Prozent betrachten das Sitzen auf der Toilette für einen möglichen Infektionsweg.

Syphilis auf dem Vormarsch

Genau abgefragt wurde die Einschätzung von Syphilis. Und die fiel auch besonders schlecht aus. Dabei sind die Fälle von weltweit stark steigend. Von 2018 bis 2022 nahmen die berichteten Infektionen um 80 Prozent zu.
Nur etwas mehr als die Hälfte der Amerikaner weiß, dass Syphilis heilbar ist. Immerhin 16 Prozent gehen (fälschlicherweise) aber davon aus, dass eine Impfung davor schützen würde. Immerhin 77 Prozent gaben an, dass ein Kondom die Übertragung verhindert. Bei genauer Überlegung kein besonders überzeugender Wert. Immerhin wussten fast alle (94 Prozent), dass orale Verhütung keinen Schutz bietet.

Viele Co-Infektionen beobachtet

Nun mag man denken, dass die USA in vielen Punkten weniger aufgeklärt ist als Europa. TARA24 hat daher bei Mag. Manuel Wendl von der Johann-Strauß-Apotheke in Wien nachgefragt. Wendl und sein Team haben sich auf das Beratungsgebiet „sexuelle Gesundheit“ spezialisiert. Ein großes Thema in seiner Offizin ist die Therapie von STD. Seine Einschätzung des Status quo in Österreich fällt wenig besser aus als die Umfrage in den USA: „Wir sehen, dass die Anzahl gleichzeitig auftretender Erkrankungen steigt. Erst kürzlich hatte ich einen jungen Mann in der Apotheke, der Sex mit einer Internetbekanntschaft hatte. Die Folge war eine Therapie gegen Syphilis, Feigwarzen und zur Sicherheit eine PEP (Anm: Post-Expositions-Prophylaxe).“ Ein Problem sieht Wendl in einem falschen Sicherheitsdenken „Vielen ist nicht klar, dass eine PrEP (Anm. Prä-Expositions-Prophylaxe) nicht vor anderen STDs schützt.“

Drogen mindern Sicherheitsbewusstsein

Sexuell übertragbare Erkrankungen betreffen homo- wie heterosexuellen Geschlechtsverkehr gleichermaßen. „Immer mehr junge Leute nehmen Chems vor dem Verkehr. Also unterschiedlichste chemische Drogen“, schildert Wendl seine Erfahrung. „Das hilft ihnen, noch mehr zu entspannen und zu genießen. Leider vergessen sie dabei auf den Schutz.“ Gleichzeitig gibt er aber auch Entwarnung. Die Angst vor dem „schwarzen Tot“ sei unbegründet. „HIV hat mittlerweile den Status einer chronischen Erkrankung.“ Die heutigen antiretroviralen Therapien würden HIV-Patienten eine ähnliche Lebenserwartung wie negativen Personen erlauben. Trotzdem rät auch er dringend zu mehr Umsicht beim Geschlechtsverkehr.



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