Brandverletzungen: Frauen von Sepsis häufiger betroffen


Redaktion

Symbolbild: Ein Mann hat eine Brandwunde und hält die Hand unter Wasser. Er Steht vor einem Spülbecken.
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Frauen mit schweren Verbrennungen erleiden fast doppelt so häufig Blutinfektionen wie Männer. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte Studie. Die Forschenden suchen nun nach den Gründen, warum eine Sepsis deutlich häufiger bei weiblichen Brandopfern auftritt.

Bei schweren Brandverletzungen können Bakterien über die zerstörte Haut in den Blutkreislauf gelangen und lebensgefährliche Komplikationen auslösen. Laut einer Mitteilung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) kann dies eine Sepsis auslösen, die zu multiplem Organversagen führen kann.

Eine vom SNF finanzierte Studie hat nun untersucht, welche Patientinnen und Patienten besonders gefährdet sind, eine solche Infektion zu entwickeln. Die Analyse umfasste 269 Personen, die zwischen 2017 und 2021 im Zentrum für Schwerbrandverletzte am Universitätsspital Zürich (USZ) behandelt wurden.

Überraschender Befund

Die Auswertung der Daten zeigte, dass bei knapp einem Viertel der Betroffenen fünf bis dreizehn Tage nach der Einlieferung Bakterien im Blut nachgewiesen wurden. Dabei waren Frauen fast doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Dieses Ergebnis sei überraschend, wird Silvio Brugger, leitender Oberarzt am USZ, in der Mitteilung zitiert. Normalerweise seien Blutstrominfektionen bei Frauen seltener als bei Männern. Oft komme das weibliche Immunsystem besser mit Krankheitserregern zurecht. Bei Brandverletzungen scheint dies jedoch nicht der Fall zu sein. Veröffentlicht wurden die Resultate in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift „Burns“.

Ursachenforschung läuft: Hormone im Verdacht

Warum Frauen in der untersuchten Gruppe anfälliger waren, können die Forschenden noch nicht beantworten. Unterschiede bei den Krankheitserregern scheiden als Erklärung aus. Bei beiden Geschlechtern wurden vorwiegend dieselben Bakterienarten gefunden, die normalerweise harmlos auf der Haut oder in der Mundhöhle leben.

In einer Folgestudie sollen nun die gesammelten Proben auf Geschlechtshormone und die Zusammensetzung des Mikrobioms von Haut und Atemwegen untersucht werden. Eine Hypothese der Forschenden ist, dass die Verbrennungen den Hormonstoffwechsel verändern und dadurch die Immunantwort schwächen könnten. Normalerweise werden weibliche Geschlechtshormone wie Östrogen mit einer besseren Immunreaktion in Verbindung gebracht.

Patientinnen engmaschiger überwachen

Die Autorinnen und Autoren kommen zu dem Schluss, dass Patientinnen mit schweren Verbrennungen insbesondere in den ersten zwei Wochen auf der Intensivstation engmaschiger auf Infektionszeichen überwacht werden sollten, da in diesem Zeitraum das Risiko für eine Bakteriämie am höchsten ist. Sie regen an, geschlechtsspezifische Risikofaktoren stärker in klinische Bewertungen und Überwachungsprotokolle einzubeziehen.

Eine intensivere mikrobiologische Kontrolle bei gefährdeten Patientinnen erscheint aus Sicht der Forschenden sinnvoll. Bevor entsprechende Strategien jedoch routinemäßig empfohlen werden können, seien prospektive Studien zur weiteren Absicherung notwendig.

Die Studie ist unter dem Namen „Impact of sex on the development of bacteremia in critically ill burn patients: A retrospective cohort study“ erschienen.

APAMED



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