Eine Langzeitstudie des Zentrums für Virologie der Medizinischen Universität Wien zeigt einen deutlichen Anstieg von Erkrankungen durch das West-Nil-Virus in Österreich. 2024 wurden mit 37 bestätigten Fällen so viele Infektionen registriert wie nie zuvor seit dem Erstnachweis im Jahr 2009. Besonders betroffen war erstmals auch das Nordburgenland, wo sich das Virus deutlich stärker ausbreitete als in den Jahren zuvor.
West-Nil-Virus in Österreich etabliert
Das West-Nil-Virus wird in Österreich durch heimische Stechmücken übertragen. 2024 wurden 37 Erkrankungen dokumentiert. 19 dieser Patientinnen und Patienten wiesen schwere Verläufe auf, sie wurden im Krankenhaus behandelt. „Der deutliche Anstieg der Erkrankungsfälle zeigt, dass das West-Nil-Virus mittlerweile fest in Österreich etabliert ist“, sagte Judith Aberle, Professorin für Virusimmunologie an der Medizinischen Universität Wien und Leiterin der Studie am Zentrum für Virologie. Im Jahr 2025 (Stand Dezember 25) gab es laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) drei gemeldete West-Nil-Virus-Infektionen bei Tieren und einen importierten Fall beim Menschen.
West-Nil-Fieber
Rund 80 Prozent der Infektionen mit dem West-Nil-Virus verlaufen asymptomatisch, etwa 20 Prozent der Betroffenen entwickeln grippeähnliche Beschwerden wie plötzliches Fieber (West-Nil-Fieber), Kopf- und Muskelschmerzen sowie Magen-Darm-Symptome, die in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen abklingen. In seltenen Fällen kann es zu schweren Verläufen einer West-Nil-Meningitis oder -Enzephalitis kommen, wobei insbesondere immungeschwächte Personen und Menschen über 50 Jahre ein erhöhtes Risiko haben. Insgesamt bleibt das Risiko einer Ansteckung hierzulande derzeit jedoch sehr gering laut Einschätzungen der AGES.
Hot-Spot: Nordburgenland
Die meisten Erkrankungen traten im nördlichen Burgenland auf. In dieser Region wurde zudem erstmals eine Virusvariante nachgewiesen, die bisher vor allem aus Süd- und Südosteuropa bekannt war. „Dass wir neue regionale Schwerpunkte beobachten, unterstreicht die Notwendigkeit, auch in bisher weniger betroffenen Gebieten wachsam zu sein“, betonte Aberle. „Gerade in den Sommermonaten sollte bei Patientinnen und Patienten mit Meningitis oder Enzephalitis auch ohne Reiseanamnese an eine mögliche Infektion mit dem West-Nil-Virus gedacht werden.“
Die Forschenden gehen von einer hohen Dunkelziffer aus: Nur etwa jede bzw. jeder fünfte Infizierte entwickelt Symptome und schwere neurologische Erkrankungen treten bei einem kleinen Teil der Betroffenen auf. Eine erhebliche Zahl der Infektionen bleibe daher unerkannt.
Derzeit kein wirksamer Impfstoff vorhanden
Einen wirksamen Impfstoff gibt es derzeit nicht. Eine kontinuierliche Überwachung sei daher besonders wichtig. Dadurch könnten neue Risikogebiete frühzeitig erkannt und angemessen auf die Ausbreitung des Virus reagiert werden. Auch die Behandlung des West-Nil-Fieber ist eine rein symptomatische, da es keine zielgerichtete antivirale Medikation gibt.
Die Langzeitstudie wurde am Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien in Zusammenarbeit mit der AGES durchgeführt. Analysiert wurden Daten aus dem Zeitraum von 2009 bis 2024.
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