Anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages am 24. März zeigt sich die Lage weltweit weiterhin angespannt: Rund elf Millionen Menschen erkrankten 2024. In Österreich bleibt die Situation hingegen stabil auf niedrigem Niveau „Tuberkulose wird oft als Krankheit der Vergangenheit wahrgenommen – das Gegenteil ist richtig“, so die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW).
Österreich: Lage stabil
2020 wurden in Österreich 387 Fälle der Erkrankung registriert. Im Jahr darauf waren es 396. 2022 zählte man 372 Erkrankungen, im Jahr 2023 waren es 421, 2024 mit den aktuellsten endgültigen Zahlen schließlich 387, so Alexander Indra vom Nationalen Referenzzentrum für Tuberkulose der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), bei dem Symposium in Wien anlässlich des Welt-Tuberkulosetages 2026.
„Für das Jahr 2025 haben wir bisher 384 Erkrankungen“, so Indra. Dies könne sich aber im Laufe des Jahres noch um ein paar Fälle verändern. Bei der Tuberkulose kommt es oft zu Nachmeldungen, bis die endgültigen Zahlen vorliegen. In Österreich ist die Situation stabil auf niedrigem Niveau.
Infektion durch Zuzug: Ängste unbegründet
In Österreich beträgt die Häufigkeit der Tuberkulose derzeit 4,2 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr, was ein niedriger Wert ist, der sich in der jüngsten Vergangenheit nicht wesentlich verändert hat. Unter in Österreich Geborenen sind es sogar nur 1,5 Fälle pro 100.000 (im Ausland Geborene zuletzt 13,4 pro 100.000).
In der Öffentlichkeit manchmal verbreitete TB-Ängste bezüglich des Zuzugs von Menschen nach Österreich sind unbegründet. „Unter Asylsuchenden sind nach zwei Jahren 83 Prozent auf Tuberkulose getestet“, erklärte der AGES-Fachmann. Das ist die Voraussetzung für eine wirksame Therapie im Fall des Falles. Die Tuberkulose wird auch nicht so leicht übertragen wie virale Infektionen, beispielsweise Masern. Zu Infektionen kommt es vor allem im engen Zusammenleben, bei mehrstündigem Kontakt in geschlossenen Räumen, in Massenunterkünften und ähnlichen Einrichtungen.
Gute Behandlungserfolge
Dafür schneidet Österreich in der Behandlung von Tuberkulose-Kranken sehr gut ab. Indra: „Rund 80 Prozent der Behandelten schließen die Behandlung als geheilt ab“, so Indra. Selbst bei multiresistenter Tuberkulose sei das in etwas unter 60 Prozent der Fall. Die Lücken auf höhere Anteile seien zum Teil durch Ortswechsel der Betroffenen (Meldungen) bedingt.
In Österreich wurden im Jahr 2024 überhaupt nur fünf Fälle von schwer und nur über lange Zeiträume behandelbare multiresistente Tuberkulose registriert. Laut den vorläufigen Zahlen für 2025 waren es im vergangenen Jahr sechs.
Europa: Jede 5. Erkrankung unerkannt
Jede fünfte Tuberkulose-Erkrankung in Europa bleibt nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unerkannt oder wird nicht gemeldet. 2024 seien knapp 162.000 Fälle gemeldet worden, heißt es in einem aktuellen Bericht. Tatsächlich sei von etwa 204.000 Erkrankungen auszugehen.
Hotspots sind weiterhin die Staaten der ehemaligen UdSSR sowie das Baltikum. Ein anhaltendes Problem in der WHO-Europaregion, so Indra: „Nur 72 Prozent aller TB-Fälle sind durch Labortests bestätigt.“ Weiters würden die für eine erfolgreiche Behandlung notwendigen Tests auf Resistenzen gegenüber den antibakteriell wirksamen Arzneimitteln nur bei 90 Prozent der Erkrankungen erfolgen. Dabei liegt bei rund einem Drittel der TB-Fälle zumindest eine Resistenz gegen eine der beiden am häufigsten verwendeten Wirksubstanzen vor. Zudem träten Rifampicin-resistente Tuberkulose-Bakterien in Europa in 23 Prozent der Fälle und damit rund siebenmal häufiger auf als im weltweiten Durchschnitt (3,2 Prozent).
Zwar sind die Fallzahlen seit 2015 deutlich gesunken. Doch Europa verfehle weiterhin wichtige Ziele in Bezug auf Früherkennung, Behandlung und Nachverfolgung – und damit die Eindämmung der Krankheit.
Weltweit tödlichste Infesktionskrankheit
Tuberkulose ist nach WHO‐Daten die weltweit tödlichste Infektionskrankheit in Bezug auf die Zahl jährlicher Todesfälle. Weltweit erkrankten 2024 etwa elf Millionen Menschen. Mehr als 1,2 Millionen Menschen starben, vor allem in Ressourcen-schwachen Ländern.
87 Prozent aller TB-Fälle entfallen weltweit demnach auf 30 besonders betroffene Länder. Allein acht Staaten – darunter Indien, Indonesien, China, die Philippinen, Pakistan, die Demokratische Republik Kongo, Nigeria und Bangladesch – stehen für 67 Prozent des weltweiten Fallaufkommens. Die Krankheitslast verteilt sich auf 54 Prozent Männer, zu 35 Prozent auf Frauen und zu elf Prozent auf Kinder unter 14 Jahren.
Kein Problem der Vergangenheit
„Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist nach wie vor groß – hier braucht es mehr politischen Willen und mehr Ressourcen“, betonte Meinhard Kneussl, Präsident des Tuberkulosevereins, auch in einer Aussendung. „Tuberkulose wird oft als Krankheit der Vergangenheit wahrgenommen – das Gegenteil ist richtig“, sagte DAHW-Vorstand Patrick Georga. „Wenn TB-Programme ausreichend finanziert werden, sinken die Infektionszahlen. Wenn Mittel fehlen, sterben Menschen. Es liegt am politischen Willen.“
Hinter den Zielen
Tendenziell befindet sich die Tuberkulosebekämpfung auf gutem Weg: Die Neuerkrankungen sind laut WHO seit 2015 um 12 Prozent zurückgegangen, die Todesfälle um 29 Prozent. Angestrebt waren allerdings 50 Prozent weniger Neuerkrankungen und 75 Prozent weniger Todesfällen bis 2025. Die Situation ist in Österreich stabil. Doch Krisenherde und Kriege könnten auch in Zukunft eine Herausforderung darstellen.
APAMED
