Vergiftungsfälle mit Pseudoephedrin häufen sich bei Kleinkindern


Redaktion

Junge, der in eine Löffel mit Hustentropfen im Mund hat
Die Forschenden fordern eine bessere Aufklärung über die Risiken Pseudoephedrin-haltiger Arzneimittel, insbesondere durch Kinderärzt:innen und Apotheker:innen.Foto: Chepko Danil/stock.adobe.com

Pseudoephedrin ist in zahlreichen Kombinationspräparaten gegen Erkältungsbeschwerden enthalten. Seine Anwendung ist bei Kindern unter zwölf Jahren und Erwachsenen über 60 Jahren kontraindiziert. Dennoch betrafen die meisten Anfragen bei deutschen Giftinformationszentren Kinder unter sechs Jahren. Die Ergebnisse liefern auch für die Beratung in österreichischen Apotheken wichtige Hinweise.

Erst kürzlich warnte die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) vor möglichen Risiken Pseudoephedrin-haltiger Arzneimittel. Nach der Analyse von 51 Verdachtsmeldungen zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen empfiehlt sie besondere Vorsicht bei der Abgabe. Berichtet wurden vor allem Herz-Kreislauf-Beschwerden und allergische Reaktionen.

Kombinationspräparat meist ab 15 Jahren zugelassen

Weitere Hinweise zur Sicherheit liefern die deutschen Giftinformationszentren (GIZ), die Vergiftungsfälle mit rezeptfreien Arzneimitteln erfassen und bewerten. Dazu zählt auch Pseudoephedrin (PSE). Das indirekte Sympathomimetikum ist sowohl in Deutschland als auch in Österreich Bestandteil verschiedener Kombinationspräparate gegen Erkältungs- und Grippesymptome sowie zur symptomatischen Behandlung der allergischen Rhinitis. Prinzipiell liegt die Altersgrenze für eine Anwendung von PSE bei zwölf Jahren. Je nach konkretem Kombinationspräparat liegt gesetzliche Zulassung in Österreich sogar noch höher, meist bei 15 oder 16 Jahren.

Dabei wird PSE häufig mit Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen sowie mit H1-Rezeptorantagonisten der ersten und zweiten Generation kombiniert. PSE wirkt abschwellend auf die Schleimhäute von Nase und Nebenhöhlen, hat aber auch stimulierende Effekte und kann ein Gefühl der Wachheit erzeugen.

Erschreckend: Kinder unter sechs Jahren betroffen

Eine Analyse von PSE-Vergiftungsfällen, die an deutsche GIZ gemeldet wurden, zeigt erschreckende Ergebnisse. Die Forschenden um Funda Gezgin veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal Naunyn-Schmiedeberg’s Archives of Pharmacology. Die Zentren wurden gebeten, Informationen über dokumentierte Fälle von PSE-Vergiftungen bereitzustellen.

Drei der sieben befragten Zentren stellten ihre Daten zur Verfügung: Erfurt meldete 136 Fälle, Göttingen 175 und München 210 Fälle. Anschließend wurden die Einzelfälle unter verschiedenen Gesichtspunkten analysiert. Die ausgewerteten Patientenfälle zeigten altersbedingte Unterschiede mit einer höheren Inzidenz im Kindesalter. Insbesondere Kinder unter sechs Jahren waren betroffen. Warum es zu den Vergiftungen kam: Am häufigsten wurde unbeabsichtigtes Verschlucken genannt.

Vergiftung auch bei Säuglingen

Auch bei Säuglingen zwischen vier und zwölf Monaten wurden sieben Fälle registriert. Neugeborene beziehungsweise Säuglinge unter drei Monaten sowie Seniorinnen und Senioren über 65 Jahre bildeten mit jeweils einem Fall die Ausnahme.

Es gab auch Hinweise auf geschlechtsspezifische Unterschiede. So überwogen beim GIZ Erfurt kardiovaskuläre und neurologische Ereignisse mit einer männlichen Dominanz. In München dominierten neurologische und gastrointestinale Symptome. Ein hoher Anteil von Fällen mit unbekanntem Geschlecht erschwerte jedoch eine geschlechtsspezifische Einordnung.

Zunahme der Fälle

Trotz der strikten Kontraindikation sind Kleinkinder bis zum Alter von sechs Jahren stärker von den Vergiftungen betroffen und machen einen erheblichen Anteil der Anfragen an die GIZ aus. Zudem berichteten die GIZ in Deutschland über eine Zunahme von Vergiftungsfällen mit PSE-Kombinationspräparaten.

„Als präventive Maßnahme wäre es ratsam, dass Ärztinnen und Ärzte – insbesondere Kinderärztinnen und -ärzte – sowie Apothekerinnen und Apotheker eine bessere Aufklärung der Patientinnen und Patienten leisten, um das Bewusstsein für die Risiken zu schärfen“, fordern die Forschenden. Um mehr Aufklärungsarbeit zu leisten, könnten auch öffentliche Plattformen genutzt werden, heißt es.

Mögliche Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen sind Bluthochdruck, Herzrasen, Nervosität, Schlaflosigkeit und Mundtrockenheit. Selten drohen schwere Gefäßverengungen am Herzen oder im Gehirn wie ein plötzlicher „Donnerkopfschmerz“.

Menschen mit hohem Blutdruck, Herzerkrankungen, grünem Star (Glaukom), schwerer Nierenfunktionsstörung oder einer Überfunktion der Schilddrüse sollten den Wirkstoff nicht oder nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen. Schwangere, Stillende und Kinder unter zwölf Jahren haben für Pseudoephedrin-haltige Arzneimittel eine Kontraindikation.

APOTHEKE ADHOC



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