ApoKongress: Verluste und angespannter Arbeitsmarkt


Viktoria Gamsjäger

Der Vortrag zeigt Folien des Wirtschaftsberichts. Auf der Bühne stehen Gerhard Lobinger und Josef Fasching.
Gerhard Kobinger (r.) und Josef Fasching (Mitte) präsentierten den aktuellen Wirtschaftsbericht der Apothekerkammer. Mit ihnen auf der Bühne: Stefan Deibl (l.), Leiter der Fortbildungsabteilung.TARA24

Beim ApoKongress in Schladming präsentierte die Österreichische Apothekerkammer aktuelle Zahlen zu Betrieben, Arbeitsmarkt und Umsatzentwicklung. Die wirtschaftliche Lage bleibt in einigen österreichischen Apotheken angespannt. Ein klarer Appell wurde auch an die Betriebe gerichtet: „Bitte bilden Sie Aspirant:innen und auch PKA-Lehrlinge aus.“

Beim ApoKongress in Schladming gaben Mag.pharm. Dr. Gerhard Kobinger, zweiter Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer und Mag. Josef Fasching, Leiter der wirtschafts- und finanzpolitischen Abteilung der Kammer, in ihrem Wirtschaftsbericht einen Überblick über die Situation der österreichischen Apotheken.

Die Zahl der Betriebe wächst weiterhin leicht: „Aktuell gibt es rund 1440 Apotheken in Österreich und im Schnitt kommen pro Jahr zehn bis zwölf Betriebe dazu“, heißt es einführend. Gleichzeitig werden jedoch auch Insolvenzen beobachtet. Laut Kobinger befinden sich derzeit „vier bis sechs Betriebe in Insolvenz“.

Es gilt zu bedenken, dass ein großer Teil des Umsatzes direkt wieder in den Wareneinsatz fließt: Rund drei Viertel des Umsatzes (74,6 Prozent) gehen dafür auf. Die zweitgrößte Ausgabenposition sei das Personal mit etwa 14 Prozent.

12,9 Prozent der Apotheken schreiben Verluste

Ein Blick auf die Bilanzdaten von über 300 österreichischen Apotheken zeigt ein gemischtes Bild. Laut Zahlen der Apothekerkammer schrieben im Jahr 2023 rund 12,9 Prozent der Apotheken Verluste. Zudem erwirtschaften etwa 27 Prozent der Inhaberinnen und Inhaber nicht einmal das Gehalt einer angestellten Apothekenleiterin beziehungsweise eines angestellten Apothekenleiters.

Angespannter Arbeitsmarkt

Auch zur Situation am Arbeitsmarkt präsentierte die Kammer aktuelle Daten. Im Jänner 2026 standen rund 200 Arbeitssuchende etwa 140 offenen Stellen gegenüber. Ein Blick auf die präsentierte Graphik zeigte: Seit August 2025 ist die Zahl der offenen Stellen rückläufig, während die Zahl der Stellensuchenden seit Juni des vergangenen Jahres kontinuierlich angestiegen ist.

Auch bei den Aspirantinnen und Aspiranten zeigt sich eine Veränderung. Im Jänner diesen Jahres waren bei der Pharmazeutischen Gehaltskasse nur etwas über 20 Aspirantenstellen ausgeschrieben, während etwa 45 Personen eine Stelle suchten. Dieser Trend beginnt sich mit Oktober 2024 abzuzeichnen und wird ab August 2025 deutlich sichtbar: Auf 50 stellensuchende Aspirantinnen und Aspiranten kommen hier weniger als 30 offene Stellen.

Daher richtet Kobinger einen klaren Appell an die Betriebe: „Bitte bilden Sie Aspiranten und auch PKA-Lehrlinge aus.“

Hochpreiser weiter im Steigen

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die Entwicklung der sogenannten Hochpreiser. „Hochpreiser sind Arzneispezialitäten, deren Apothekeneinstandspreis über 200 Euro liegt“, erinnerte Fasching.

Bei den Krankenkassenumsätzen kam es im Jahr 2025 zu einem Anstieg von 10,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig wächst der Anteil dieser hochpreisigen Präparate seit Jahren deutlich. Lag ihr Anteil am Kassenumsatz im Jahr 2012 noch bei 28,8 Prozent, liegt er im Jahr 2025 bereits bei über 58 Prozent. „Der Anteil hat sich somit verdoppelt“, erklärte Fasching.

Die steigenden Umsätze im Kassengeschäft seien vor allem auf diese Entwicklung zurückzuführen. Gleichzeitig sinkt mit steigenden Preisen der prozentuale Zuschlag für Apotheken. Bei Hochpreisern liegt dieser bei lediglich 3,9 Prozent, heißt es weiter.

Österreicher bleiben ihren Apotheken treu

Ein positives Signal kommt aus einer Befragung der Bevölkerung: Die Menschen bleiben ihren „Stammapotheken“ überwiegend treu. Fast 54 Prozent der Befragten geben an, bei der Einlösung eines Rezepts immer dieselbe Apotheke zu besuchen. Knapp ein Viertel wechselt zwischen zwei Apotheken, rund elf Prozent zwischen drei Betrieben. Nur etwa ein Prozent der Befragten sucht sechs verschiedene Apotheken auf. „Die Österreicherinnen und Österreicher sind ihren Apotheken also durchaus sehr treu“, stellt Kobinger fest.

Regionale Unterschiede bei den Umsätzen

Auch regionale Unterschiede wurden im Vortrag analysiert. Die Einteilung orientierte sich an einer Gliederung ähnlich jener der Statistik Austria. Unterschieden wurde unter anderem zwischen ländlichem Raum mit 268 Betrieben, Apotheken im ländlichen Umland von Zentren mit 151 Betrieben sowie regionalen Zentren mit 103 Apotheken. Zusätzlich wurden verschiedene urbane Zentren analysiert. Eine Sonderstellung nahm Wien ein.

Bei der regionalen Entwicklung des Krankenkassenumsatzes zeigte sich im Jahr 2025 in den 342 Wiener Apotheken eine Entgeltsteigerung von knapp 6,5 Prozent. Der Anteil der Hochpreiser stieg hier um 8,4 Prozent. Im ländlichen Umland von Zentren kam es hingegen zu einer Entgeltsteigerung von über 9 Prozent. Gleichzeitig wuchs der Anteil der Hochpreiser um fast 13 Prozent.

Offizin- und Privatumsätze

Auch beim Offizinumsatz wurden regionale Unterschiede sichtbar. In Wien lag der Anstieg bei 6,5 Prozent, im ländlichen Umland von Zentren bei 6,8 Prozent und in urbanen Großzentren bei 7,7 Prozent. Im Jahr 2024 lag der durchschnittliche Offizinumsatz in Wien bei 4,4 Millionen Euro, im ländlichen Umland von Zentren bei rund 3,8 Millionen Euro und in regionalen Zentren bei 4,9 Millionen Euro.

Beim Privatumsatz zeigte sich ein ähnliches Bild. In Wien stieg er um 7,7 Prozent, im ländlichen Umland von Zentren um 7,5 Prozent und in urbanen Großzentren um 8,3 Prozent. Der durchschnittliche Privatumsatz betrug in Wien rund 1,4 Millionen Euro (bei 4,4 Millionen Euro Offizinumsatz), in regionalen Zentren etwa 1,7 Millionen Euro (bei 4,9 Millionen Euro Offizinumsatz) und im ländlichen Umland von Zentren rund 1,2 Millionen Euro (bei 3,8 Millionen Euro Offizinumsatz).

Forderung nach höheren Leistungen

Zum Abschluss richtete Kobinger einen deutlichen Appell an die Sozialversicherung. Ein Blick auf die Entwicklung der Krankenkassenausgaben zeige eine klare Verschiebung: „In den letzten zwölf Jahren sind alle Ausgaben der Krankenkasse gestiegen.“ So gab es etwa bei der Früherkennung von Krankheiten eine Steigerung um 171 Prozent und beim Krankengeld um 111 Prozent. Die Ausgaben für Apothekenleistungen stiegen im selben Zeitraum hingegen nur um 18,8 Prozent.

„Das kann es nicht sein, hier muss etwas passieren. Es muss mehr Geld in die Betriebe, sonst leiden Leistungen und unser Versorgungsauftrag“, so Kobinger



Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!