Impfen: Bundesregierung macht weg frei


Redaktion

Symblbild impfen, Frau bekommt Spritze in den Oberarm
Rund 3000 Apothekerinnen und Apotheker haben bereits die erforderliche Impfausbildung und stehen für Impfungen in den Apotheken bereit.Africa Studio – stock.adobe.com

Mit der heutigen Grundsatzentscheidung der Bundesregierung wird ein wichtiger Schritt gesetzt, um den Zugang zu Impfungen für die Menschen deutlich zu erleichtern und die Durchimpfungsraten nachhaltig zu erhöhen. Damit liegen eine klare Ankündigung und ein konkreter Auftrag zur Umsetzung von Impfungen in Apotheken vor.

„Beim Impfangebot gilt das Prinzip: Je vielfältiger und wohnortnäher, desto besser für die Gesundheit der einzelnen Menschen und für das gesamte Gesundheitssystem. Apotheken verfügen über eine flächendeckende Infrastruktur in ganz Österreich, lange Öffnungszeiten und genießen hohes Vertrauen in der Bevölkerung. Die Einbindung der Apothekerinnen und Apotheker in das Impfgeschehen ist daher ein logischer und sinnvoller Schritt, um die Durchimpfungsraten zu steigern und das bestehende Angebot von Ärztinnen und Ärzten sinnvoll, niederschwellig und serviceorientiert zu ergänzen. Die Apothekerschaft steht für die Umsetzung dieses wichtigen gesundheitspolitischen Vorhabens bereit“, betont Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer.

Rund 3000 Apothekerinnen und Apotheker haben bereits die erforderliche Impfausbildung auf höchstem internationalen Niveau erfolgreich absolviert. Internationale Erfahrungen zeigen, dass Impfangebote in Apotheken die Impfbereitschaft deutlich steigern.

Gegenwehr bei den Ärzten

Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) sieht die von der Regierung angekündigte Maßnahme äußerst kritisch. „Patientensicherheit sollte oberste Priorität haben“, fordert die Ärztekammer. „Impfen ist aus gutem Grund eine ärztliche Leistung“, kommentiert Dr. Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, die Regierungspläne.

„Impfungen sind mehr als nur ein Stich, sie sind ein komplexer Prozess, in dem nur die Ausbildung, die Expertise und die Erfahrung in jeder Situation von Ärztinnen und Ärzten die maximale Patientensicherheit garantiert. Zwölf Jahre harte Ausbildung können nicht mit einem Wochenendkurs aufgewogen werden. Die beste medizinische Beratung und Versorgung von Patientinnen und Patienten können nur Ärztinnen und Ärzte leisten. Patientensicherheit sollte oberste Priorität haben, wir lehnen diese Maßnahme daher ab“, so Steinhart.

Dr. Edgar Wutscher, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte, verweist zudem auf die Sinnlosigkeit der Maßnahme. „Österreich verfügt im internationalen Vergleich über einen gut ausgebauten niedergelassenen Bereich mit ausreichend Impfmöglichkeiten in den Ordinationen. Das unterscheidet uns grundlegend von anderen Ländern, die auf Impfen in Apotheken setzen müssen“, hält Wutscher fest. Zur Erhöhung der Impfraten sollten besser das Beschaffungs- und Bestellwesen der Impfstoffe optimiert werden, rät er.

Abgabe von Medikamenten direkt in den Ordinationen

„Wenn man wirklich Verbesserungen in der Versorgung der Bevölkerung erreichen möchte, sollte man eine Verkürzung der Wege ermöglichen. Wenn Patientinnen und Patienten Impfstoffe und Medikamente im Sinne eines One-Stop-Konzepts direkt vom Arzt oder von der Ärztin in den Ordinationen bzw. beim Hausbesuch bekommen, ersparen sie sich den zusätzlichen Weg in die Apotheke“, sagt Dr. Naghme Kamaleyan-Schmied, Obmann-Stellvertreterin in der Bundeskurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsidentin der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien. Das wäre organisatorisch und zeitlich eine große Entlastung, zudem können Patientinnen und Patienten sicher sein, dass sie nur jene Medikamente bekommen, die sie auch tatsächlich brauchen – ohne aktiven Zusatzverkauf in der Apotheke. So bleibt die medizinische Verantwortung dort, wo sie hingehört: Bei der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt“, so Kamaleyan-Schmied.

OTS



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