Bronchiektasen sind dauerhafte Aussackungen und Erweiterungen der Bronchien, die zu chronischen Entzündungen in den Atemwegen führen. Hauptsymptome sind hartnäckiger Husten, das Abhusten von Schleim, Kurzatmigkeit und häufige Lungeninfektionen. Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber gut therapierbar. Eine aktuelle Umfrage schlägt jedoch nun Alarm: Bronchiektasen werden häufig nicht ausreichend wahrgenommen, diagnostiziert und behandelt.
Neben mangelnder Bekanntheit gibt es erhebliche Versorgungslücken bei Therapieprogrammen und individueller Unterstützung. Die Österreichische Lungenunion (ÖLU) fordert hier dringend auf zu handeln.
Defizite bei Information und Behandlung
Die ÖLU sieht akuten Bedarf für mehr Aufklärung, frühzeitige Diagnostik sowie eine bessere Integration von Rehabilitations- und Physioangeboten in die Behandlung. Eine aktuelle, im Auftrag der ÖLU durchgeführte Umfrage, zeigt deutlichen Informations- und Unterstützungsbedarf bei Menschen mit Atemwegs- und Lungenerkrankungen. Die repräsentative Online-Befragung unter 4.149 Personen ab 45 Jahren – davon sind 707 Betroffene mit diagnostizierten Atemwegs- oder Lungenerkrankungen – macht sichtbar: „Bronchiektasen sind weit verbreitet, werden aber häufig zu spät erkannt oder gar nicht wahrgenommen. Viele Betroffene kennen die Erkrankung Bronchiektasen nicht – trotz hoher Relevanz in der Diagnostik“, heißt es in der Ausschreibung.
Bronchiektasen häufig gemeinsam mit anderen Erkrankungen. Rund 9 Prozent der Befragten aus der Patient:innen-Gruppe berichten von einer diagnostizierten Bronchiektasen-Erkrankung. Besonders auffällig:
- 36,6 Prozent der an Bronchiektasen Erkrankten leiden zusätzlich an rheumatoider Arthritis.
- 31,1 Prozent berichten über begleitenden Reflux.
Diese Ergebnisse unterstreichen die enge Verbindung der Erkrankung mit anderen immunologischen oder systemischen Krankheitsbildern.
Bekanntheit der Erkrankung weiterhin gering
Unter jenen Patient:innen, die nicht selbst betroffen sind, hat nur ein Drittel (35,1 Prozent) schon einmal von Bronchiektasen gehört. Besonders niedrig ist die Bekanntheit unter Asthma-Patient:innen; deutlich höher hingegen bei Personen mit unspezifischer obstruktiver Lungenerkrankung.
Zwei Drittel jener, die Bronchiektasen kennen oder selbst betroffen sind, erfuhren erstmals durch eine Ärztin oder einen Arzt von der Erkrankung. Bei Personen mit zusätzlicher obstruktiver Lungenerkrankung sind es sogar 80 Prozent. 42 Prozent der befragten Patient:innen mit Asthma, COPD oder unspezifischer obstruktiver Lungenerkrankung erhielten in den letzten drei Jahren ein Lungen-CT. Bei 40 Prozent der CT-Befunde wurde „Bronchiektasen“ ausdrücklich erwähnt – bei Betroffenen mit unspezifischer obstruktiver Lungenerkrankung sogar noch häufiger (46,5 Prozent).
Einschränkungen im Alltag
Zu den meistgenannten Beschwerden zählen:
- Atemnot (45,3 Prozent)
- länger anhaltender Husten (38,3 Prozent)
- extreme Müdigkeit (31,7 Prozent)
Die wahrgenommene Einschränkung im Alltag wird insgesamt als mittel ausgeprägt bewertet (Durchschnittswert 4,5 auf einer Skala von 1 bis 10). Von COPD-Patient:innen wird die Beeinträchtigung bei Selbsteinschätzung signifikant am stärksten wahrgenommen (MW: 5,2).
Hoher emotionaler Druck
Am stärksten spüren die Teilnehmer:innen die Atemwegserkrankungen in der Freizeit bzw. bei der Ausübung von Hobbies. Dies gibt jede:r zweite Teilnehmer:in an, gefolgt von Herausforderungen im Alltag und bei Haushaltsaufgaben (44 Prozent). Bei Teilnehmer:innen mit unspezifischer obstruktiver Lungenerkrankung sind es dabei jeweils über 50 Prozent. Für fast ein Drittel ist die emotionale Belastung durch die Erkrankung ebenfalls ein relevantes Thema, tendenziell höher bei Personen mit unspezifischer obstruktiver Lungenerkrankung (35 Prozent).
Therapieangebote werden noch zu wenig genutzt. Auffällig ist hierbei:
- Nur 25 Prozent nahmen bereits Rehabilitation in Anspruch.
- 24 Prozent nutzten Physio- oder Atemtherapie.
- 43 Prozent der Befragten haben noch kein einziges der abgefragten Unterstützungsangebote genutzt.
Dies zeigt klaren Handlungsbedarf bei Aufklärung, Zugang und Vermittlung von Therapieangeboten.
Über die Erkrankung
Die Bronchiektasen-Erkrankung ist eine chronische Lungenerkrankung, die durch anhaltenden Husten, Schleimbildung, Atemnot und Müdigkeit gekennzeichnet ist und häufig zu Einschränkungen bei den täglichen Aktivitäten führt. Häufige Infektionen und unkontrollierte Entzündungen können zu Schäden an den Atemwegen führen, was zu erweiterten, entzündeten und vernarbten Atemwegen in einer oder beiden Lungen führt. Im Gegensatz zur Bronchitis, die in der Regel nur kurzfristig auftritt, kommt es bei der Bronchiektasen-Erkrankung zu dauerhaften Veränderungen der Lunge. Gezielte Forschung sowie mehr Information und Aufklärung auf diesem Gebiet sind nötig, um eine Verbesserung der Versorgung von betroffenen Menschen gewährleisten zu können.
OTS LUNGENUNION
