Die Zufriedenheit mit dem österreichischen Gesundheitssystem erreicht einen neuen Tiefstand. Laut einer aktuellen Umfrage anlässlich des Austrian Health Forum (AHF) in Bad Hofgastein sind nur noch 51 Prozent der Befragten sehr oder eher zufrieden. Das ist der tiefste Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2019. Besonders lange Wartezeiten auf Facharzttermine sorgen für Unmut. Hinzu kommt, dass 29 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten aus finanziellen Gründen auf eine medizinische Leistung verzichtet haben.
Im Mai 2019 lag die Zufriedenheit mit dem österreichischen Gesundheitssystem noch bei 76 Prozent. Mittlerweile würden sich die Anteile der Zufriedenheit und Unzufriedenheit die Waage halten. Laut der aktuellen Umfrage seien 46 Prozent der Befragten eher oder sehr unzufrieden mit der heimischen Gesundheitsversorgung.
Die Umfrage wurde von Demox Research in Kooperation mit dem Austrian Health Forum durchgeführt. Befragungszeitraum war der 2. bis 5. Oktober 2026. Die Grundgesamtheit bildet die online erreichbare österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, befragt wurden 1000 Personen per Computer Assisted Web Interviews.
Vorsorge von großer Bedeutung
Um die Gesundheitsversorgung zu verbessern, sind die Menschen auch bereit, ihre Gewohnheiten zu ändern, hieß es in einer Aussendung des AHF. 60 Prozent wären bereit, für einen rascheren Arzttermin einen vorgegebenen Behandlungspfad einzuhalten, etwa die Anmeldung über eine Gesundheitshotline. Ein regionales Gesundheitszentrum, in dem Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen zusammenarbeiten, wäre für 88 Prozent eine Alternative zum Krankenhaus. Die Bereitschaft, Gesundheitsdaten für die Forschung zur Verfügung zu stellen, ist mit 66 Prozent stabil hoch.
Vorbeugung messen die Befragten großes Gewicht bei. Am häufigsten genutzt wurden bisher Impfungen (70 Prozent), Gesundenuntersuchung (63 Prozent) und Zahn-Prophylaxe (62 Prozent). Strukturierte Vorsorgeprogramme (21 Prozent), Beratungsangebote (18 Prozent) und Präventionskurse (sechs Prozent) erreichen deutlich weniger Menschen. 73 Prozent befürworten Impfungen, 39 Prozent davon sehr stark, 22 Prozent lehnen sie ab.
Gesundheitsversorgung als Reparaturbetrieb?
Trotz der vielen Präventionsmöglichkeiten sehen 62 Prozent der Befragten den Schwerpunkt des Gesundheitssystems eher bei der Behandlung akuter Krankheiten, nur 28 Prozent bei Vorbeugung und Gesundheitserhalt. „Die Menschen halten Vorsorge für wichtig, stehen Impfungen mehrheitlich positiv gegenüber und sind bereit, ihre Gesundheitsdaten für die Forschung zur Verfügung zu stellen. Die Unzufriedenheit entsteht aber auch deshalb, weil die Gesundheitsversorgung als Reparaturbetrieb gesehen wird und die Wartezeiten in manchen Bereichen zu lang sind“, fasste AHF-Gründer Mag. Christoph Hörhan zusammen.
Die geplante Gesundheitsreform soll unter anderem mit Facharztzentren sowie einem Fokus auf Digitalisierung und die Gesundheitshotline 1450 Verbesserungen bringen. Das AHF Gastein findet heuer von 19. bis 20. Oktober in Bad Hofgastein statt. Mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutieren, wie Prävention und eHealth zu einer besseren Gesundheitsversorgung beitragen können. Es ist die mittlerweile elfte Ausgabe der Kongresse, die im Frühling in Schladming und im Herbst im Gasteinertal stattfinden.
APA
