Keine gute Kombi: Melatonin und die Pille


Nadine Tröbitscher

Tablette mit Ausrufezeichen
Vorsicht ist bei der Kombination von KOK sowie Präparaten zur Hormonersatztherapie und Melatonin geboten – verantwortlich ist die Östrogen-Komponente.Foto: sornram/stock.adobe.com

Um Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin ist ein Hype entstanden. Spray, Tabletten, Gummidrops und Co. sind der letzte Schrei. Doch es ist Vorsicht geboten, denn es sind Wechselwirkungen mit Arzneimitteln möglich. Ein Beispiel sind hormonelle Kontrazeptiva. Der Grund: Östrogene können den Melatoninspiegel erhöhen.

Melatonin wird auch als Schlafhormon bezeichnet und bei Dunkelheit von der Zirbeldrüse im Epithalamus ausgeschüttet. Das Hormon wird im Körper aus Serotonin produziert und steuert den Tag-Nacht-Rhythmus. Die Konzentration ist in der Mitte der Nacht am größten und nimmt bis in den Morgen und im Alter ab. Das Problem: Licht – vor allem Blue Light – kann die Melatoninfreisetzung verringern oder verzögern und somit den Tag-Nacht-Rhythmus durcheinanderbringen und Einschlafprobleme nach sich ziehen.

Pille ist nicht gleich Pille. Hormonelle Kontrazeptiva gibt es verschiedene. Dazu gehören Mikropillen mit einem geringen Estrogenanteil und Gestagenen wie Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat sowie Minipillen/Gestagenpillen mit Levonorgestrel.

Die kombinierten oralen Kontrazeptiva (KOK) enthalten synthetische Östrogene und Gestagene und verfolgen ein dreifaches Wirkprinzip: der Eisprung wird verhindert, der Zervixschleim so zäh, dass keine Spermien in die Gebärmutter gelangen können und die Einnistung einer befruchteten Eizelle ist nicht möglich.

Melatonin und die Pille: Besser nicht

Vorsicht ist bei der Kombination von KOK sowie Präparaten zur Hormonersatztherapie und Melatonin geboten – verantwortlich ist die Östrogen-Komponente. Der Grund: Östrogene können den Melatoninspiegel erhöhen. Die Ursache liegt in der Hemmung der Metabolisierung über CYP1A1 und CYP1A2 – denn Melatonin wird vorwiegend durch das Cytochrom-P450-Isoenzym CYP1A metabolisiert. So kann durch Inhibition durch Östrogene die Melatoninexposition um das Vier- bis Fünffache verstärkt werden und Schlaf- sowie Konzentrationsstörungen die Folge sein, wie die Uni Heidelberg informiert.

Außerdem sollten Raucher:innen darüber informiert werden, dass Rauchen die Melatoninspiegel aufgrund der Induktion von CYP1A2 senken kann. Weiters kann Melatonin die sedierenden Eigenschaften von Benzodiazepinen und Z-Substanzen verstärken.



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