Kollagen verstehen und richtig einsetzen


Sanja Agatic

Symbolbild: Nahaufnahme eines Gesichts, das in zwei Hälften geteilt ist: links Glatt, jugendliche Haut, rechts deutlich gealterte Haut mit Falten und Strukturveränderungen.
Typ I ist der häufigste Kollagentyp im Körper und kommt vor allem in Haut, Knochen und Sehnen vor.Foto:stock.adobe.com/blackday

Kollagen wird häufig pauschal empfohlen, für Haut, Gelenke oder einfach zur Unterstützung der Gewebestruktur. Doch diese Verallgemeinerung wird der Wirkung von Kollagen nicht gerecht. Denn nicht jedes Kollagen erfüllt denselben Zweck.

Das wichtigste Strukturprotein des Körpers

Kollagen ist das häufigste Protein im menschlichen Körper und macht etwa ein Drittel der gesamten Eiweißmenge aus. Es ist ein zentraler Bestandteil des Bindegewebes und sorgt für Stabilität und Elastizität in verschiedenen Geweben. Dazu gehören unter anderem Haut, Knochen, Knorpel, Sehnen, Bänder und auch Blutgefäße. Strukturell bildet Kollagen lange, faserartige Moleküle, die sich zu stabilen Kollagenfasern zusammenschließen und dem Gewebe seine mechanische Festigkeit verleihen. Insgesamt sind bislang mehr als 25 verschiedene Kollagentypen bekannt, die sich in Aufbau und Funktion unterscheiden.

Besonders häufig sind die Typen I, II und III:

  • Kollagen Typ I kommt vor allem in Haut, Knochen und Sehnen vor.
  • Kollagen Typ II ist ein wichtiger Bestandteil von Knorpelgewebe.
  • Kollagen Typ III findet sich häufig in Haut, Muskeln und Blutgefäßen.

Kollagentypen im Einsatz

Nicht jedes Kollagen wirkt gleich. Entscheidend ist dabei ein Punkt, der oft übersehen wird: Es wird im Körper nicht als Kollagen eingebaut, sondern zuerst in Aminosäuren und kleine Peptide zerlegt. Die Wirkung ist also indirekt. Der Körper bekommt Bausteine und Signale und entscheidet selbst, was er daraus macht. Trotzdem zeigen sich je nach Kollagentyp und Anwendung unterschiedliche Schwerpunkte.

Kollagen Typ I: Haut, Haare, Knochen

Typ I ist der häufigste Kollagentyp im Körper und kommt vor allem in Haut, Knochen und Sehnen vor. Präparate mit hohem Anteil an Typ I werden daher häufig im Beauty-Bereich eingesetzt. Bestimmte Kollagenpeptide können Fibroblasten stimulieren, also die Zellen, die Kollagen produzieren. Dadurch kann es langfristig zu einer verbesserten Hautelastizität kommen. Wichtig, das ist kein direkter Einbau, sondern eher ein „Anstoß“ zur Eigenproduktion. Wird eingesetzt bei Hautalterung, Elastizitätsverlust, feinen Falten oder zur Unterstützung der Hautstruktur.

Kollagen Typ II: Gelenke und Knorpel

Typ II ist der Hauptbestandteil von Knorpelgewebe und damit der Klassiker bei Gelenkproblemen, hier gibt es zwei Mechanismen:

  • Hydrolysiertes Kollagen
     liefert Bausteine für Knorpelstrukturen
  • Nicht denaturiertes Kollagen Typ II (UC-II)
    wirkt immunmodulierend und kann entzündliche Prozesse im Gelenk reduzieren

Das ist der spannende Teil, der Körper reagiert auf kleine Mengen dieses Kollagens im Darm mit einer Art „Toleranzreaktion“, wodurch Gelenkentzündungen abgeschwächt werden können. Wird bei Arthrose, Gelenkschmerzen oder erhöhter Belastung wie Sport eingesetzt.

Kollagen Typ III: Gefäße und Bindegewebe

Typ III findet sich häufig gemeinsam mit Typ I, vor allem in Blutgefäßen, Haut und inneren Organen. Es unterstützt die Struktur und Elastizität von Gewebe, insbesondere dort, wo Dehnbarkeit wichtig ist. Wird eher als Ergänzung in Kombinationspräparaten für Haut, Gefäße und Bindegewebe verwendet.

Hydrolysiertes Kollagen vs. natives Kollagen

In der Nahrungsergänzung findet man fast immer hydrolysiertes Kollagen. Hydrolysiertes Kollagen ist bereits in kleine Peptide zerlegt und wird besser aufgenommen. Diese Peptide können als Signalstoffe wirken und die körpereigene Kollagenproduktion beeinflussen. Nicht hydrolysiertes Kollagen hat dagegen eine schlechtere Bioverfügbarkeit, mit Ausnahme von speziellen Formen wie UC-II.



Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!