Erst vor Kurzem sorgte die Meldung für Aufmerksamkeit, dass die World Health Organization (WHO) Großbritannien nicht mehr als masernfrei einstuft. Ausschlaggebend dafür war unter anderem eine stagnierende Impfquote. „Diese Gefahr ist weit weg“, mögen sich manche Leser:innen gedacht haben; doch nun folgt auch für uns die ernüchternde Gewissheit: Auch in Österreich sind die Masern zurück!
Bereits im vergangenen Jahr wurden die Rufe nach einer flächendeckenden Masern-Impfung aufgrund der steigenden Infektionszahlen lauter. Auch internationale Entwicklungen gaben Anlass zur Sorge. Kanada etwa nahm nach Jahrzehnten wieder verstärkt Maßnahmen gegen die hochansteckende Viruserkrankung auf. Nun bestätigt sich, wovor Expert:innen seit Längerem warnen: Auch in Österreich ist die Masern-Eliminierung nicht mehr gegeben. Die WHO weist dabei immer wieder auf ein zentrales Problem hin – Desinformation im Netz, die zu wachsender Impfskepsis beiträgt.
Masern- und Röteln-Kommission
Bei einem Treffen der Masern- und Röteln-Kommission der WHO wurde der Status in insgesamt sechs Ländern von „eliminiert“ auf „wieder etabliert“ („re-established“) geändert. Betroffen sind Armenien, Aserbaidschan, Spanien, Großbritannien, Usbekistan und eben auch Österreich.
Großbritannien
Die WHO begründet die Neueinstufung mit anhaltenden Immunitätslücken, die im Jahr 2024 in mehreren Ländern zu einem Wiederanstieg von Masernfällen geführt haben. Krankheiten, die durch Impfungen vermeidbar wären, konnten sich dadurch erneut ausbreiten. In Großbritannien galten Masern zwischen 2021 und 2023 als eliminiert, was bedeutet, dass es in diesem Zeitraum keine dauerhafte lokale Übertragung gab.
Im Jahr 2024 wurden dort jedoch 3.681 Masernfälle registriert, heißt es in einer APA-Aussendung. Als wesentlicher Faktor gilt eine zu niedrige Durchimpfungsrate, die unter der von der WHO empfohlenen Schwelle von 95 Prozent liegt, die für einen wirksamen Gemeinschaftsschutz notwendig wäre.
Österreich
Auch hierzulande waren stark steigende Fallzahlen im Jahr 2024 ausschlaggebend für die Neubewertung. Laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) wurden im vergangenen Jahr 542 Masernfälle gemeldet. 120 Erkrankte mussten im Krankenhaus behandelt werden, vier Personen sogar intensivmedizinisch. Besonders betroffen waren Niederösterreich und Oberösterreich mit jeweils 117 Fällen, gefolgt von Wien und Tirol mit jeweils etwas über 80 gemeldeten Infektionen.
Im Jahr 2025 ging die Zahl der Masernfälle bislang deutlich zurück: Insgesamt wurden 152 Fälle erfasst, die meisten davon in Wien (60) und Oberösterreich (49). Mehr als ein Fünftel der Betroffenen benötigte dennoch eine stationäre Behandlung, ein Fall intensivmedizinische Betreuung (Masern_Tabelle_2025.csv). Seit dem 1. Jänner wurden in Wien zwei Masernfälle registriert, keiner davon erforderte einen Krankenhausaufenthalt.
Impfrate erhöhen
Eine gezielte Therapie gegen Masern gibt es nicht, der wirksamste Schutz ist die Impfung. WHO und Österreich verfolgen weiterhin das Ziel, Masern und Röteln dauerhaft zu eliminieren. Dafür ist jedoch eine Herden-Immunität von mehr als 95 Prozent erforderlich, um Infektionsketten rasch zu unterbrechen.
Besonders problematisch ist neben der Erkrankung selbst, dass das Masern-Virus das Immunsystem langfristig schwächt. Dadurch steigt das Risiko, in den folgenden Jahren an anderen Infektionskrankheiten schwer zu erkranken oder zu sterben. Studien zeigen, dass in Ländern mit hoher Masern-Durchimpfungsrate die Sterblichkeit durch andere Infektionskrankheiten deutlich gesenkt werden konnte, heißt es im österreichischen Impfplan 2025/26.
In Österreich wird die Masernimpfung als Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) angeboten und ist Teil des kostenfreien Impfprogramms. Sie steht allen Menschen unabhängig vom Alter kostenlos zur Verfügung.
