Reise nach Prag geplant? Hepatitis-A-Schutz bedenken!


Viktoria Gamsjäger

Symbolbild: Ein Autobahnschild zeigt nach Prag, Bratislava und Budapest.
Die Hepatitis-A-Inzidenz steigt europaweit an. Reisende sollten daher ihren Impfstatus überprüfen.ChiccoDodiFC/AdobeStock_241431845

Der aktuelle Hepatitis-A-Ausbruch in Prag sorgt in ganz Mitteleuropa für Aufmerksamkeit. Neben Tschechien melden auch Österreich und weitere Nachbarstaaten einen deutlichen Anstieg der Fälle. Für Reisende wird damit erneut relevant, was lange als Randthema galt: der Hepatitis-A-Schutz.

Hepatitis A ist eine fäkal-oral übertragene Leberentzündung, deren Inkubationszeit zwischen drei und sechs Wochen beträgt. Die Erkrankung beginnt häufig unspezifisch mit Übelkeit, Fieber, Erbrechen und Müdigkeit, bevor es zum Auftreten einer Gelbsucht kommt. Während Kinder meist milde oder sogar asymptomatisch erkranken, können Erwachsene – insbesondere Menschen ab 40 Jahren oder Personen mit bestehenden Lebererkrankungen – schwerere Verläufe entwickeln. Chronische Infektionen treten bei Hepatitis A nicht auf, die Erkrankung heilt in der Regel vollständig aus. (Ö. Impfplan 2025/26 V1.0 S151)

Tschechien verzeichnet große Ausbrüche

Tschechien verzeichnet derzeit einen der größten Hepatitis-A-Ausbrüche seit Jahrzehnten. Allein in Prag wurden 826 Infektionen, darunter 147 bei Kindern, registriert; zehn Todesfälle traten bereits im laufenden Jahr auf – mehr als doppelt so viele wie im gesamten Land im Jahr 2024. Laut einem Zeitungsartikel sprechen die Behörden von der schwersten Welle seit 1996, als mehr als 2.000 Erkrankungen gemeldet wurden. Die Fallzahlen steigen weiter: In den ersten 13 Tagen des Oktobers wurden bereits 120 neue Fälle festgestellt.

Anstieg auch in Österreich und Nachbarländern

Österreich meldet 2025 einen deutlichen Anstieg: Bis Oktober dieses Jahres wurden 216 Fälle registriert – im gleichen Zeitraum letztes Jahr waren es 63 Fälle (AGES-Radar). Bereits im Juni hatte die AGES auf eine Häufung hingewiesen und laufende Abklärungen eingeleitet.

Ähnliche Entwicklungen wie in Österreich und der Slowakei zeigen sich auch in Ungarn. Nach Daten des ECDC wurden in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Österreich gemeinsam 2.097 Fälle gemeldet (Stand 18.06). Der Anstieg betrifft vor allem vulnerable Gruppen: Obdachlose, Drogengebrauchende sowie Menschen, die unter schlechten hygienischen Bedingungen leben. In der Slowakei und Tschechien wurden zudem vermehrt Fälle in Roma-Gemeinschaften identifiziert. Molekulare Sequenzierungen bestätigen eine fortlaufende Übertragung innerhalb sozial verbundener Netzwerke, heißt es in einer Aussendung der AGES vom 17.07.25 (AGES-Radar für Infektionskrankheiten).

Übertragung

Laut Robert Koch Institut (RKI) werden Ausbrüche häufig durch kontaminiertes Wasser, kontaminierte Lebensmittel (häufig Muscheln, z.B. Austern oder mit Fäkalien gedüngtes Gemüse, z.B. Salate) oder Mensch-zu Mensch-Übertragungen hervorgerufen (unter anderem auch durch Sexualkontakte).

In Niedriginzidenzländern wurden in den letzten Jahren wiederholt lebensmittelbedingte Ausbrüche beobachtet, die durch in Endemiegebieten hergestellte oder verarbeitete Lebensmittel ausgelöst wurden, heißt es weiter. Als Infektionsquellen wurden u.a. gefrorene Früchte (insbesondere Beeren) und daraus hergestellte Produkte (z.B. Smoothies, Kuchen, Desserts) oder getrocknete Lebensmittel (z.B. Datteln oder getrocknete Tomaten) identifiziert. Durch gründliches Händewaschen sowie Waschen, Kochen oder Schälen von Lebensmitteln lässt sich das Ansteckungsrisiko senken.

Merksatz: Cook it, peel it or leave it !

Impfung als Schutzfaktor

Die Hepatitis-A-Impfung ist in Österreich für Kinder nicht mehr allgemein empfohlen, da die epidemiologische Lage sie nicht mehr erforderlich macht (Österreichischer Impfplan). Die Empfehlung für eine Hepatitis-A-Impfung ab dem vollendeten ersten Lebensjahr vor dem Eintritt in Gemeinschaftseinrichtungen wie etwa Kindergärten wurde vor zwei Jahren aus dem offiziellen Impfplan gestrichen. In einer Pressekonferenz Anfang November regt die Vizepräsidentin der Wiener Ärztekammer Kamaleyan-Schmied jedoch an: „Angesichts der aktuellen Fälle wäre es aber notwendig, dies zu überdenken.“

Die Impfung wird jedoch laut Impfplan klar empfohlen, wenn beispielsweise folgende Indikationen vorliegen:

  • Reisen in Endemiegebiete
    • einschließlich Regionen mit aktuellen Ausbrüchen
  • Personen mit Lebererkrankungen oder Gerinnungsstörungen,
  • Personen mit Sexualverhalten, welches bezüglich Hepatitis A riskant sein kann, insbesondere Männer mit gleichgeschlechtlichen Partnern
  • Beschäftigte in Sozial- und Gesundheitsberufen (Lehrer:innen, Pflegepersonal, Pädagog:innen)
  • Personen in der Lebensmittelwirtschaft oder Gastronomie

Wann Impfen?

Das Auswärtige Amt in Deutschland empfiehlt, sich bei Reisen in die Tschechische Republik gegen Hepatitis A impfen zu lassen.

Für die Reiseplanung gilt es zu bedenken: Nach einer einzigen Dosis des monovalenten Hepatitis-A-Impfstoffs entwickeln 94 bis 100 Prozent der Geimpften innerhalb von drei Wochen schützende Antikörper (Ö. Impfplan). Da die Inkubationszeit lang ist, kann die Impfung auch kurz vor Reisebeginn und sogar kurz nach einer Exposition noch sinnvoll sein. Für eine optimale Immunantwort sollte die Grundimmunisierung mindestens 2, besser 4 Wochen vor erwarteter Exposition begonnen werden (Information Havrix).

Bei Hepatitis-A/B-Kombinationsimpfstoffen besteht laut RKI ein Schutz vor Hepatitis A erst nach der zweiten Dosis, weshalb sie für kurzfristige Reisen weniger geeignet sein können.

Reise nach Prag – was nun?

Für Personen, die eine Reise nach Prag oder in andere betroffene Regionen planen, empfiehlt es sich, einen Blick in den eigenen Impfpass zu werfen oder sich in der Apotheke beraten zu lassen. Nach ärztlicher Rücksprache kann anschließend eine Grundimmunisierung oder Auffrischung geplant werden. Idealerweise erfolgt diese einige Wochen vor der Abreise, im Einzelfall jedoch auch kurzfristig. Eine Impfung stellt eine wirksame Maßnahme dar, um eine Erkrankung zu verhindern und gleichzeitig mögliche Infektionsketten zu unterbrechen.



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