Serotonin-Syndrom: Triptane nicht mit Johanniskraut


Nadine Tröbitscher

Symbolbild: Eine junge Frau hält sich die Hände vors Gesicht. Um ihren Kopf schwirren viele Zeichen.
Sowohl einer Depression als auch einer Migräne liegt ein gestörter Serotoninhaushalt zugrunde.BillionPhotos/AdobeStock_270119663

Psychische Belastungen, chronischer Stress oder auch die familiäre Vorbelastung können Ursache depressiver Verstimmungen sein. Wer im Rahmen der Selbstmedikation zu Johanniskraut greift, sollte auf Wechselwirkungen achten, beispielsweise mit Triptanen.

Studien zeigen, dass Migränepatienten ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen haben. Denn es besteht eine Komorbidität zwischen einer Depression und der häufigsten neurologischen Erkrankung – der Migräne.

Sowohl einer Depression als auch einer Migräne liegt ein gestörter Serotoninhaushalt zugrunde. Denn das Glückshormon ist auch Neurotransmitter und spielt bei der Schmerzverarbeitung eine Rolle.

Johanniskraut und Triptan – Das Problem

Johanniskraut kann im Rahmen der Selbstmedikation zur Behandlung leichter depressiver Störungen eingesetzt werden. Bei mittelschwerer Depression, Angst oder psychovegetativen Störungen kann Johanniskraut auch ärztlich verordnet werden. Der Pflanze werden antidepressive, angstlösende und stimmungsaufhellende Eigenschaften zugesprochen, die auf das enthaltene Hyperforin zurückgeführt werden können. Hyperforin soll die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin in die präsynaptische Nervenzelle hemmen und deren Abbau verhindern – die Konzentration an Neurotransmittern im synaptischen Spalt erhöht sich.

Betroffene sollen einmal täglich die empfohlene Dosis von 900 mg Johanniskraut einnehmen. Am Anfang der Behandlung ist Geduld gefragt, denn die Wirkung baut sich auf und erreicht nach etwa 14 Tagen ihr Optimum.

Triptane werden zur Behandlung von Migräne eingesetzt. Die Stoffgruppe ist strukturell mit dem Botenstoff Serotonin eng verwandt. Die Arzneistoffe wirken gefäßverengend und hemmen die Freisetzung von Schmerz- und Entzündungsmediatoren. Die selektiven Agonisten am 5-Hydroxytryptamin-Rezeptor verursachen eine vaskuläre Kontraktion, denn Triptane vermindern die Ausschüttung von schmerzauslösenden und gefäßdilatierenden Mediatoren, zu denen auch das Serotonin gehört.

Symptome wie Krämpfe und Muskelzuckungen, Schwitzen, Ruhelosigkeit, Schüttelfrost oder Tremor, beschleunigter Herzschlag, Übelkeit und Halluzinationen können die Folgen sein. Außerdem kann Serotonin die Blutgerinnung beeinflussen und die Entstehung von Blutgerinnseln fördern oder auch das Gegenteil auslösen und zu einem Mangel an Gerinnungsfaktoren führen, was Blutungen zur Folge haben kann.

Die Lösung

Im Rahmen der Selbstmedikation kann auf ein anderes Schmerzmittel ausgewichen werden. Zudem sollte abgeklärt werden, ob es sich tatsächlich um eine Migräne handelt. Hierfür empfiehlt sich ein Kopfschmerztagebuch. Wer unter Kopfschmerzen leidet, sollte auf eine ausreichende Trinkmenge achten, empfohlen sind 1,5 Liter pro Tag. Linderung können Minzöl, auf die Schläfen aufgetragen, oder klassische Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Paracetamol, Phenazon oder Kombinationen mit Coffein oder Vitamin C verschaffen. Welches Schmerzmittel zum Einsatz kommt, sollte in Abhängigkeit der Begleitmedikation und der Art des Kopfschmerzes ausgewählt werden.



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