Kann ein grüner Ausblick vor der Haustüre die Darmgesundheit fördern? Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse legt nahe, dass begrünte Umgebungen vor Morbus Crohn schützen könnten. Auch bei Durchfallerkrankungen zeigt sich ein möglicher Effekt. Für Colitis ulcerosa und Dickdarmkrebs fand sich hingegen kein signifikanter Zusammenhang.
Begrünte Umgebungen werden seit einigen Jahren als potenziell gesundheitsfördernd diskutiert. Für Darmerkrankungen waren die bisherigen Ergebnisse jedoch uneinheitlich. Unterschiedliche Methoden zur Erfassung von Begrünung sowie verschiedene untersuchte Bevölkerungsgruppen erschwerten eine klare Bewertung. Auch ein Publikationsbias kann nicht ausgeschlossen werden.
Begrünung mittels Satellitendaten erfasst
Ein chinesisches Forschungsteam führte daher eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse durch, um den Zusammenhang zwischen Aufenthalten in begrünten Umgebungen und der Darmgesundheit genauer zu untersuchen.
Die Exposition gegenüber Begrünung wurde unter anderem mithilfe des „Normalized Difference Vegetation Index“ erfasst, einem satellitengestützten Maß zur Bestimmung der Vegetationsdichte. Zusätzlich wurde die Wohnnähe zu Grünflächen berücksichtigt. Zur Bewertung wurden Landnutzungs- und Satellitendaten kombiniert.
Untersucht wurden die Darmerkrankungen Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Dickdarmkrebs und die Diarrhö.
Metaanalyse
Insgesamt identifizierten die Autoren neun geeignete Studien, von denen acht in die Metaanalyse eingeschlossen wurden.
Die Ergebnisse zeigen:
- ein signifikanter Schutzeffekt begrünter Umgebungen gegenüber Morbus Crohn
- ein möglicher Schutzeffekt gegenüber Diarrhö
- eein signifikanter Zusammenhang mit Colitis ulcerosa
- eein signifikanter Zusammenhang mit Dickdarmkrebs
Damit scheint der Einfluss von Grünflächen nicht für alle Darmerkrankungen gleichermaßen relevant zu sein.
Mögliche Mechanismen
Die Autoren sehen mehrere potenzielle Erklärungsansätze: Die verbesserte Luftqualität oder eine erhöhte mikrobielle Vielfalt in der Umwelt und eine reduzierte Stressbelastung werden als relevante Faktoren diskutiert.
Diese Faktoren könnten zusammenwirken und so die Darmgesundheit positiv beeinflussen. Konkrete kausale Mechanismen lassen sich aus den vorliegenden Daten jedoch nicht ableiten.
Die Studie ist unter dem Namen „Greenspace and intestinal diseases: a systematic review and metaanalysis“ im BMC Public Health erschienen.
MEDWISS.ONLINE
