Der US-Pharmakonzern Eli Lilly plant mit der Übernahme von Centessa Pharmaceuticals einen milliardenschweren Einstieg in die Schlafforschung. Im Fokus steht unter anderem der vielversprechende Wirkstoff Cleminorexton, der gezielt in den Schlaf-Wach-Rhythmus eingreift und neue Therapieoptionen bei Narkolepsie eröffnen könnte.
Der US-Pharmakonzern Eli Lilly will den Schlafmittel-Spezialisten Centessa Pharmaceuticals für bis zu 7,8 Milliarden Dollar (6,79 Milliarden Euro) übernehmen und damit in einen neuen Therapiebereich vorstoßen. Lilly biete 38 Dollar (33,09 Euro) je Aktie in bar, was einem Wert von 6,3 Milliarden Dollar entspreche, teilte der Konzern mit. Zudem werde ein Recht auf eine an Bedingungen geknüpfte Nachbesserung (Contingent Value Right – CVR) von bis zu neun Dollar je Aktie angeboten.
Orexin-Rezeptor-2-Agonisten
Mit der Übernahme sichert sich Lilly den Zugriff auf eine neue Klasse von Medikamenten, sogenannte Orexin-Rezeptor-2-Agonisten (OX2R). Diese zielen auf das für den Schlaf-Wach-Rhythmus entscheidende neurobiologische System ab. Der führende Medikamentenkandidat von Centessa, Cleminorexton, habe in klinischen Studien vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung von Narkolepsie gezeigt.
Bisher liegen vor allem frühe klinische Daten zu Cleminorexton vor, die auf ein vielversprechendes, aber noch begrenztes Profil hindeuten. In einer Phase‑1‑Studie verzögerte eine 5‑mg‑Dosis Cleminorexton den Eintritt in den Schlaf im Vergleich zu Placebo um etwa 22,6 Minuten, was als statistisch signifikant beschrieben wurde und zeigt, dass der OX2‑Rezeptor‑Agonist die Schläfrigkeit wirksam beeinflussen kann. In Phase‑2a‑Studien bei Narkolepsie Typ 1, Narkolepsie Typ 2 und idiopathischer Hypersomnie zeigte Cleminorexton ein positives Wirksamkeits‑ und Sicherheitsprofil, das von mehreren Berichten als „potenziell best‑in‑class“ im Vergleich zu anderen OX2‑Rezeptor‑Agonisten eingeschätzt wird. Allerdings sind die Daten bislang noch nicht in großen, langfristigen Phase‑3‑Studien publiziert, sodass die endgültige Relevanz für die klinische Routine abwartend interpretiert werden sollte.
Abschluss im dritten Quartal erwartet
Großaktionäre, die zusammen rund 24 Prozent an Centessa halten, haben dem Deal bereits zugestimmt. Der Abschluss der Übernahme wird für das dritte Quartal erwartet, vorbehaltlich der Zustimmung der übrigen Centessa-Aktionäre und der Aufsichtsbehörden. Die in den USA notierten Aktien von Centessa sprangen im vorbörslichen Handel um 46 Prozent in die Höhe.
APAMED
