Neue Rolle von Neutrophilen in der Schwangerschaft gezeigt


Redaktion

Symbolbild: Darstellung einer menschlischen Plazenta mit Nabelschnur.
Die mütterlichen Abwehrzellen zeigen eine überraschende Funktion in der frühen Schwangerschaft: Sie unterstützen die Entwicklung der Plazenta.Foto:stock.adobe.com/Tinttrex

Bestimmte mütterliche Immunzellen übernehmen in der frühen Schwangerschaft offenbar eine zusätzliche Funktion: Neutrophile Granulozyten unterstützen nicht nur die Abwehr von Krankheitserregern, sondern fördern auch die Entwicklung der Plazenta. Ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien (MedUni Wien) zeigt, dass das Umfeld der Plazenta die Immunzellen so beeinflusst, dass sie statt entzündlicher Reaktionen wichtige Prozesse beim Einwachsen der Plazenta in die Gebärmutter unterstützen.

Neutrophile Granulozyten zählen zu den ersten Abwehrzellen des Immunsystems und spielen vor allem bei der Bekämpfung von Krankheitserregern eine wichtige Rolle. In der frühen Schwangerschaft können sie jedoch offenbar zusätzliche Aufgaben übernehmen. Das zeigt ein Forschungsteam um Jürgen Pollheimer von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der Medizinischen Universität Wien.

Umstrukturierung der Blutgefäße

Zu Beginn einer Schwangerschaft wandern spezialisierte Zellen der Plazenta in die Gebärmutterschleimhaut ein. Dabei verankern sie die Plazenta im mütterlichen Gewebe und tragen zur Umstrukturierung der mütterlichen Blutgefäße bei. Diese Prozesse ermöglichen eine zureichende Versorgung des Embryos und sind essenziell für eine erfolgreiche Schwangerschaft.

Genau an dieser Kontaktzone fanden die Forschenden besonders viele neutrophile Granulozyten. Diese Zellen unterscheiden sich deutlich von Neutrophilen, die im Blut zirkulieren. In Laborversuchen förderten sie die Motilität der Plazentazellen und damit eine Eigenschaft, die für deren Einwachsen in das mütterliche Gewebe entscheidend ist.

Neutrophile: Effekt abhängig von Umgebung

Neutrophile aus dem Blut derselben Patientinnen zeigten zunächst den gegenteiligen Effekt und schädigten die Plazentazellen. Die Forschenden konnten jedoch zeigen, dass Signale aus dem Umfeld der Plazenta die Eigenschaften dieser Immunzellen verändern können. Nach dieser Umprogrammierung verloren sie ihre schädigende Wirkung und unterstützten stattdessen die Beweglichkeit der Plazentazellen. Eine wichtige Rolle spielt dabei ein Zusammenspiel zwischen dem von den Immunzellen freigesetzten Enzym MMP-9 und dem Botenstoff TGF-ß. Auf diese Weise entsteht nach den Ergebnissen der Studie ein wechselseitiger Austausch zwischen Plazenta und mütterlichem Immunsystem.

Die Arbeit zeigt damit, wie anpassungsfähig neutrophile Granulozyten sind. Abhängig von ihrer Umgebung können sie offenbar nicht nur Krankheitserreger bekämpfen und Entzündungsreaktionen auslösen, sondern auch normale Entwicklungsprozesse im Körper unterstützen. Ob diese Funktion bei Schwangerschaftskomplikationen verändert ist, müssen weitere Studien klären.

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Science Immunology unter dem Namen „Fibrinoid-associated neutrophils promote invasive placentation and neutrophil reprogramming at the maternal-fetal interface“ veröffentlicht.

APA



– Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!