Schwangerschaftstests weisen das humane Choriongonadotropin (hCG) nach. Es hat sich jedoch gezeigt, dass geringe Mengen des Hormons auch bei (nicht schwangeren) Frauen in der Peri- und Postmenopause auftreten können. Ein neuer Schwangerschaftstest berücksichtigt deshalb zusätzlich das follikelstimulierende Hormon (FSH), um solche Ergebnisse besser einzuordnen zu können.
Das Humane Choriongonadotropin (hCG) gilt als zentrales Hormon, um eine Schwangerschaft nachzuweisen. Es wird zunächst vom frühen Embryo und später von der Plazenta gebildet und kann sowohl im Urin als auch im Blut nachgewiesen werden. In der Frühschwangerschaft regt hCG unter anderem den Gelbkörper zur weiteren Produktion von Progesteron an und trägt dadurch zum Erhalt der Gebärmutterschleimhaut bei. Schwangerschaftstests machen sich den Anstieg des Hormons zunutze. Bei Tests zur Eigenanwendung werden Antikörper verwendet, um hCG im Urin zu detektieren. Gemessen wird es in mIU/ml.
Positiv ist nicht gleich positiv
Ein positives Ergebnis bedeutet nicht in jedem Fall, dass tatsächlich eine Schwangerschaft besteht. Neuere Beobachtungen hatten gezeigt, dass in seltenen Fällen auch hormonelle Veränderungen während der Peri- oder Postmenopause zu einem positiven Schwangerschaftstest führen können.
Hintergrund sind geringe hCG-Konzentrationen, die bei manchen nicht schwangeren Frauen in der Perimenopause im Urin nachweisbar sind. Da Frauen bei der Familiengründung zunehmend älter werden, überschneidet sich ein Kinderwunsch häufiger mit der Perimenopause. Nach Angaben des Europäischen Statistikamts hat sich der Anteil der Mütter über 40 in der EU zwischen 2001 und 2019 mehr als verdoppelt.
Hypophysäres hCG
Seitens der Firma Procter & Gamble, Hersteller der Clearblue Schwangerschaftstest, heißt es dazu: „Eine sehr kleine Anzahl nicht schwangerer peri- und postmenopausaler Frauen kann aufgrund veränderter Hormonspiegel, die mit der Menopause in Verbindung stehen, sehr niedrige hCG-Konzentrationen im Urin aufweisen.“
Während des Übergangs in die Menopause steigen die Spiegel des follikelstimulierenden Hormons (FSH) auf natürliche Weise an, erklärt die Firma. Gleichzeitig können manche Frauen geringe Mengen an hypophysärem hCG bilden. Hierbei handelt es sich um eine Form von hCG, die nicht auf eine Schwangerschaft zurückzuführen ist. Da hypophysäres hCG und FSH tendenziell gemeinsam ansteigen, können Frauen in der Perimenopause höhere hCG-Grundspiegel aufweisen als jüngere Frauen.
3 Prozent mit erhöhten hCG-Werten
Nach Angaben von Clearblue wiesen in einer unternehmenseigenen klinischen Studie 3 Prozent der perimenopausalen Teilnehmerinnen (40 bis 50 Jahre) eine hCG-Konzentration von mehr als 5 mIU/ml im Urin auf. Der gemessene Höchstwert betrug bei der Untersuchung 8,9 mIU/ml.
Besonders empfindliche Schwangerschaftstests könnten auf solche niedrigen Konzentrationen reagieren und dadurch ein falsch-positives Ergebnis anzeigen. Das betrifft insbesondere Tests, die bereits mehrere Tage vor dem erwarteten Beginn der Menstruation angewendet werden können.
In der Studie wurden insgesamt 397 Urinproben gesammelt: 97 stammten von prämenopausalen Frauen im Alter von 18 bis 40 Jahren, 150 von perimenopausalen Frauen im Alter von 41 bis 55 Jahren und weitere 150 von postmenopausalen Frauen im Alter von 56 bis 65 Jahren.
Warum FSH berücksichtigt wird
Mit der sogenannten DualSense-Technologie soll das Risiko falsch-positiver Ergebnisse verringert werden. Der neue Schwangerschaftstest weist nicht nur hCG nach, sondern berücksichtigt zusätzlich das follikelstimulierende Hormon (FSH). Die Konzentration dieses Hormons steigt im Zuge der Wechseljahre üblicherweise an.
Werden geringe Mengen hCG gemeinsam mit einem hohen FSH-Spiegel festgestellt, spricht dies laut Hersteller eher für eine hormonelle Veränderung als für eine Schwangerschaft. Der Test soll in diesem Fall ein negatives Ergebnis anzeigen.
Vereinfacht lässt sich das Testprinzip folgendermaßen zusammenfassen:
- hCG nachweisbar, FSH nicht erhöht: Der Test kann ein positives Ergebnis (Schwangerschaft) anzeigen.
- Geringe hCG-Konzentration bei gleichzeitig hoher FSH-Konzentration: Die Werte sprechen laut Hersteller eher für hormonelle Veränderungen während der Wechseljahre. Der Test soll ein negatives Ergebnis anzeigen.
Wie sich der hCG Spiegel normalerweise verhält
In der Frühschwangerschaft steigt die hCG-Konzentration rasch an und verdoppelt sich während der ersten Wochen üblicherweise etwa alle zwei Tage. Geringe Mengen können bereits etwa sieben bis neun Tage nach dem Eisprung nachweisbar sein. Rund neun Tage nach dem Eisprung liegt der durchschnittliche Wert bei 4 mIU/ml, am zehnten Tag bereits bei 12 mIU/ml. Um die vierte Schwangerschaftswoche werden typischerweise etwa 140 mIU/ml erreicht. Bis ungefähr zur zehnten Woche steigt die Konzentration weiter an, erreicht ein Plateau und nimmt danach langsam wieder ab.
Herkömmliche Schwangerschaftstests reagieren meist ab einer hCG-Konzentration von 25 mIU/ml, besonders empfindliche Tests laut Herstellerangaben bereits ab 10 mIU/ml. Die Nachweisgrenze des neuen Tests liegt laut Clearblue ebenfalls bei 10 mIU/ml.
