Fußballfieber pharmazeutisch betrachtet


Welche Medizin hilft gegen Fußballfieber?openAI

Ganz Europa laboriert gerade am Fußballfieber – einer Krankheit mit enormer Spontanheilungsrate, sobald der Lieblingsverein schlecht performt. Andere Fakten rund um den Rasensport sind aber durchaus von pharmazeutisch-medizinischer Relevanz. Ein Beitrag, so bedeutungsschwer wie ein Fußballergebnis.

Eher man näher auf Detailaspekte des geschlechterübergreifend beliebten Mannschaftssportes eingeht, kann gesagt werden, dass Fußballspielen gesund ist. In „The Copenhagen City Heart Study“ wurde die Sterblichkeit von 8.000 Probanden über einen Zeitraum von 25 Jahren beobachte. Fußballer schnitten hier besser ab als Freunde des Joggens, Schwimmens oder des Radfahrens.

Fußballfans leben gefährlich

Natürlich ist hier das aktive Ausüben der Sportart gemeint. Beim passiven Fußballkonsum sieht es mit der Gesundheit nämlich anders aus: Forschende der Universität Oxford konnten einen Zusammenhang zwischen der Liebe zum Verein und dem potentiellen Stresslevel feststellen. So ist der Gelegenheits-Fan durchaus auch nennenswerten, Match-assoziierten Cortisol-Ausschüttungen ausgesetzt, ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen wiesen aber die besonders treuen Schlachtenbummler auf. Der höchste Cortisolgehalt im Speichel konnte nach Niederlagen des Lieblingsvereins festgestellt werden.

Ebenfalls interessant: der Bericht von Medizinern des Universitätsklinikums München-Großhadern, veröffentlicht im „New England Journal of Medicine“. Sie werteten Notarztprotokolle während der Fußball WM 2006 aus und kamen zu der Empfehlung an Notärzte, angesichts des erhöhten Risikos Vorsorge zu treffen. Dabei leben männliche Fußballfans deutlich gefährlicher als weibliche. Bei ihnen stieg das Risiko im Beobachtungszeitraum um das 3,26-fache verglichen zur WM-freien Zeit, bei Frauen „nur“ auf knapp das Doppelte. Die meisten Notfälle traten dabei innerhalb von zwei Stunden nach Anpfiff auf.

Kopfball als Gehirnzellen-Killer

Aber nicht nur am Rande des Spielfelds lauert die Gefahr. Diese kommt nämlich auch von (schräg) oben – in Form des Kopfballs. Grundsätzlich gilt es als gesichert, dass eine gelegentliche Erschütterung der Denkzellen keinen bleibenden Schaden hinterlässt. Aber steter Tropfen höhlt den Stein und steter Kopfball erhöht das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen. Bei Profisportler:innen treten diese meist erst nach Jahren in Folge der Häufung von Mikrotraumen auf.

Prof.in Dr.in med. Inga Koerte, Professorin für neurobiologische Forschung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Medizinischen Fakultät der LMU, Leiterin der Arbeitsgruppe cBRAIN und Lecturer an der Harvard Medical School in Boston, USA berichtet: „Wir haben Hinweise darauf, dass sich Kopfbälle kurz- und langfristig auf das Gehirn auswirken. 2012 haben wir eine Studie mit jungen Fußballspielern durchgeführt und die Ergebnisse mit einer Kontrollgruppe verglichen. Dabei handelte es sich um Schwimmer, also Sportler, die keinen regelmäßigen Kopferschütterungen ausgesetzt sind. Wir haben festgestellt, dass es signifikante Unterschiede in der weißen Hirnsubstanz gibt, also die Verbindung zwischen den Gehirnzellen betroffen ist. Die Hirnregionen, in denen wir Veränderungen gefunden haben, sind zum Beispiel für die Gedächtnisleistung und für komplexe Denkvorgänge zuständig.“
Auch die graue Substanz reduziert sich bei Fußballern im Vergleich zu Sportlern von Nichtkontakt-Sportarten. Bei Torhütern sind die Veränderungen weniger stark ausgeprägt als bei Feldspielern.

Pokalspiele erhöhen Analgetikakonsum

Eine weiter Schattenseite des Profi-Fußballs ist die Einnahme von Schmerzmitteln vor Wettkämpfen. Die NADA berichtete, dass im deutschen Profifußball jeder dritte Sportler bei der Dopingkontrolle die Einnahme von Schmerzmitteln angab. Vor Pokalspielen lag die Quote sogar bei 40%. Das ist übrigens der Standardwert bei Frauen. 4 von 10 nehmen regelmäßig Analgetika. Und auch in der Junioren-Bundesliga liegt der Wert bei erschreckenden 14%!

In der ARD-Doku „Hau rein die Pille“ wird diesem Phänomen nachgegangen. Bundesligaspieler erklären, dass Ibuprofen-Tabletten „wie Smarties“ verteilt werden, und Experten gehen der Frage nach, ob NSAR nicht auf die Dopingliste gehören sollte. Die Dokumentation von 2020 hat an ihrer Aktualität nichts eingebüßt und ist – kleine Empfehlung für die spielfreien Abende – in der ARD-Mediathek abrufbar.

Positive Kalorienbilanz

Ebenfalls zumindest beachtenswert: die Kalorienbilanz eines klassischen „Fan-Menüs“. Die Power-Combo aus Bratwurst + Brot, 0,5l Bier und Chips schlägt sich mit satten 1200 Kalorien nieder bzw. auf die Leibesmitte. Alleine 500 Kalorien darf man für ein Sackerl Chips berücksichtigen. Die Bratwurst nimmt sich dagegen mit durchschnittlich 300 Kalorien fast schon als Schlankmacher aus.

Die gute Nachricht: Nach zwei Spielhälften, sprich nach 90 Minuten, Fußballspielen ist das alles wieder verbrannt. Fußballschauen verbraucht nur ein Zehntel der Kalorien. Jetzt dürfen Sie selbst rechnen. Vermutlich erhöht jeder Torjubel den Grundumsatz ganz enorm. Studien hierzu waren aber leider keine zu finden.

Quellen:
Warum Fußball gesünder ist, als du denkst
Wenn Kopfbälle gefährlich werden
Fußball gucken ist gefährlich
spiegelonlinde.de
nada.de
https://www.daserste.de/sport/sportschau/sendung/sportschau-3156.html



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