GLP-1-Agonisten: Nebenwirkungen im Vergleich


Viktoria Anderle

Symbolbild: Eine Hand hält Toilettenpapier
Die Metaanalyse zeigt, dass Verstopfung vermehrt unter Semaglutid und Liraglutid auftritt. Übelkeit tritt bei allen untersuchten Wirkstoffen auf.Foto: methaphum/stock.adobe.com

GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA) gelten als wirksame Option zur Gewichtsreduktion. Doch wo eine Wirkung ist, sind auch Nebenwirkungen möglich: Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sind bekannte Symptome. Eine Metaanalyse zeigt nun, wie häufig gastrointestinale Beschwerden auftreten und dass sich die Risiken je nach Wirkstoff deutlich unterscheiden können.

Übergewicht und Adipositas stellen weltweit eine große gesundheitliche Herausforderung dar, da sie das Risiko für zahlreiche Folgeerkrankungen erhöhen. GLP-1-RA werden zunehmend zur Gewichtsreduktion eingesetzt und zeigen dabei gute Effekte. Gleichzeitig ist bekannt, dass die Therapie mit gastrointestinalen Beschwerden einhergehen kann, was die Therapietreue beeinträchtigen kann. Während viele Studien bisher Menschen mit Diabetes untersucht haben, war die Datenlage für Personen ohne Diabetes bislang begrenzt.

Metaanalyse mit über 33. 000 Teilnehmenden

Eine systematische Übersichtsarbeit mit Netzwerk-Metaanalyse hat nun gezielt diese Patientengruppe untersucht. Insgesamt wurden 39 Studien mit 33.354 Teilnehmenden ausgewertet. Die Studienqualität wurde dabei nach etablierten wissenschaftlichen Kriterien beurteilt. Im Fokus standen gastrointestinale Nebenwirkungen unter verschiedenen GLP-1-RA.

Die Analyse zeigt klar: Gastrointestinale Nebenwirkungen sind unter allen untersuchten Wirkstoffen häufig. Zu den häufigsten Beschwerden zählen:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Verstopfung

Unterschiede zwischen Wirkstoffen

Übelkeit trat am häufigsten auf und war bei allen untersuchten Wirkstoffen signifikant erhöht. Das höchste Risiko wurde unter Orforglipron beobachtet, gefolgt von Exenatid, Tirzepatid, Semaglutid und Liraglutid.

Auch beim Erbrechen zeigten sich Unterschiede: Ein erhöhtes Risiko bestand unter Liraglutid, Orforglipron, Semaglutid und Tirzepatid, während für Cagrilinitid und Exenatid keine signifikante Zunahme festgestellt wurde.

Beim Symptom Durchfall zeigte sich kein erhöhtes Risiko unter Exenatid, Cagrilinitid und Orforglipron. Verstopfung trat hingegen vermehrt unter Semaglutid und Liraglutid auf, während auch hier Cagrilinitid und Exenatid keine signifikante Erhöhung zeigten.

In Österreich sind die Wirkstoffe Semaglutid (Ozempic, Wegovy), Tirzepatid (Mounjaro), Liraglutid (Saxenda; Victoza eingestellt) und Exenatid (Bydureon, Byetta; nicht mehr erhältlich) bereits als zugelassene Präparate verfügbar, während für die neueren Substanzen Orforglipron und Cagrilinitid aktuell noch keine eigenständigen Handelsnamen am Markt existieren.

Therapie auf Nebenwirkungen abstimmen

Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich die Nebenwirkungsprofile der einzelnen Wirkstoffe unterscheiden. Laut den Autoren kann dieses Wissen helfen, Therapien individueller anzupassen und Nutzen sowie mögliche Risiken besser gegeneinander abzuwägen. Eine differenzierte Betrachtung kann helfen, die Therapie besser auf einzelne Patientinnen und Patienten abzustimmen.

Die Studie ist unter dem Namen Gastrointestinal adverse events associated with GLP-1 RA in non-diabetic patients with overweight or obesity: a systematic review and network meta-analysis“ im International journal of obesity erschienen.

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