Letzte Woche wurde bekannt, dass die Bundesregierung Apotheken bis 2027 das Impfen ermöglichen möchte. Die Österreichische Apothekerkammer (ÖAK) begrüßt diese Entscheidung und steht mit rund 3.000 Absolvent:innen der Impfausbildung bereit. Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) lehnt den geplanten Schritt hingegen klar ab: „Zwölf Jahre harte Ausbildung können nicht mit einem Wochenendkurs aufgewogen werden“, so Steinhart, Präsident der ÖÄK. Zahlreiche Stimmen aus der Politik äußerten sich in den vergangenen Tagen ebenfalls dazu.
ÖAK: „Wir sind bereit“
Die Österreichische Apothekerkammer (ÖAK) meldet sich kurz nach Bekanntwerden der Neuigkeiten zu Wort: Man begrüße den Schritt der Bundesregierung. Rund 3.000 Apotheker:innen hätten bereits die erforderliche Impfausbildung erfolgreich absolviert und würden auf die Umsetzung warten.
„Die Einbindung der Apothekerinnen und Apotheker in das Impfgeschehen ist daher ein logischer und sinnvoller Schritt, um die Durchimpfungsraten zu steigern und das bestehende Angebot von Ärztinnen und Ärzten sinnvoll, niederschwellig und serviceorientiert zu ergänzen. Die Apothekerschaft steht für die Umsetzung dieses wichtigen gesundheitspolitischen Vorhabens bereit“, betont Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin ÖAK.
ÖÄK: „Zwölf Jahre harte Ausbildung können nicht mit Wochenendkurs aufgewogen werden“
„Impfen ist aus gutem Grund eine ärztliche Leistung“, kommentiert Johannes Steinhart, Präsident der ÖÄK, die Regierungspläne. „Impfungen sind mehr als nur ein Stich, sie sind ein komplexer Prozess, in dem nur die Ausbildung, die Expertise und die Erfahrung in jeder Situation von Ärztinnen und Ärzten die maximale Patientensicherheit garantiert. Zwölf Jahre harte Ausbildung können nicht mit einem Wochenendkurs aufgewogen werden. […] Die Patientensicherheit sollte oberste Priorität haben, wir lehnen diese Maßnahme daher ab“, so Steinhart.
„Wenn man wirklich Verbesserungen in der Versorgung der Bevölkerung erreichen möchte, sollte man eine Verkürzung der Wege ermöglichen. Wenn Patient:innen Impfstoffe und Medikamente im Sinne eines One-Stop-Konzepts direkt vom Arzt oder von der Ärztin in den Ordinationen bzw. beim Hausbesuch bekommen, ersparen sie sich den zusätzlichen Weg in die Apotheke“, sagt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Wiener Ärztekammer.
Die Grünen: Jetzt umsetzen
Seit mehr als einem Jahr liegt ein beschlussfertiger Gesetzesentwurf der Grünen zu Impfen in Apotheken vor. „Dass die Bundesregierung nun unseren Vorschlag aufgreift und Impfungen künftig auch in Apotheken ermöglichen will, ist ein wichtiger und längst überfälliger Schritt hin zu einer modernen, niederschwelligen Gesundheitsversorgung“, sagt der Gesundheitssprecher der Grünen, Ralph Schallmeiner.
„Viele Menschen holen sich ihren Impfstoff bereits heute in der Apotheke ab. Es ist nur logisch und effizient, die Immunisierung dort auch direkt durchführen zu können“, betont Schallmeiner. Das entlaste Hausärztinnen und Hausärzte, stärke die Prävention und erleichtere das Leben der Menschen.
„Impfen in Apotheken ist international längst üblich und trägt dazu bei, die Durchimpfungsrate durch ein zusätzliches, niederschwelliges Angebot deutlich zu erhöhen. Gerade angesichts zunehmender Impfmüdigkeit ist das ein dringend notwendiger Schritt“, hält Schallmeiner fest. „Impfen in Apotheken war schon in der letzten Gesetzgebungsperiode ein Grünes Herzensprojekt. Es gab bereits einen fertigen Gesetzesentwurf der damals an der ÖVP scheiterte“, fügt Schallmeiner hinzu.
SPÖ: Kritik der Ärztekammer zurückgewiesen
SPÖ-Gesundheitssprecher Rudolf Silvan begrüßt die Grundsatzentscheidung der Bundesregierung, Impfungen künftig auch in Apotheken zu ermöglichen: „Die SPÖ setzt die Möglichkeit, sich direkt in Apotheken impfen zu lassen, durch.“ Diesen überfälligen Schritt bezeichnet er als „Win-Win für alle“: „Patient:innen ersparen sich Wege, Ärzt:innen ersparen sich Zeit, die Gesundheitsversorgung wird niederschwelliger.“
Die Kritik der Ärztekammer weist Silvan zurück: „Die Behauptung, nur Ärztinnen und Ärzte könnten sichere Impfungen gewährleisten, ignoriert die hohe fachliche Kompetenz der Apotheker:innenschaft und erfolgreiche Modelle in zahlreichen anderen Ländern. Impfungen in Apotheken sind kein Angriff auf Ärztinnen und Ärzte, sondern ein Gewinn für die öffentliche Gesundheit.“ Silvan erkennt in der ablehnenden Stellungnahme der Ärztekammer mehr den „üblichen Reflex“, grundsätzlich und immer „Nein“ zu sagen. „Die Reformbereitschaft mancher Akteure passt eben auf einen kleinen Teelöffel.“
NEOS: Endlich Impfen in der Apotheke
Wer sich impfen lassen will, muss bisher einen Umweg nehmen, der niemandem einleuchtet: Impfstoff in der Apotheke abholen, kühl lagern, Arzttermin vereinbaren, nochmal hin. Das kostet Zeit, Nerven und hält im schlimmsten Fall Menschen davon ab, sich überhaupt impfen zu lassen, schrieben die Neos in ihrer Pressemitteilung. „Als Apothekerin sehe ich täglich, wie viele an genau dieser Hürde scheitern.“, so Jing Hu, Gesundheitssprecherin der NEOS Wien.
Mit der Reform der Bundesregierung können Impfungen künftig direkt in der Apotheke durchgeführt werden. Der Weg über den Arzttermin entfällt, Impfen wird einfacher und schneller möglich. „Apotheken sind die niederschwelligsten Gesundheitseinrichtungen, die wir haben. Sie sind in jedem Grätzl, haben lange Öffnungszeiten und brauchen keine Terminvereinbarung. Dass wir dieses Potenzial endlich nutzen, ist ein echter Fortschritt“, so Hu. „Diese Reform trägt eine klare pinke Handschrift und zeigt, was möglich ist, wenn man Versorgung vom Alltag der Menschen her denkt“, schließt Hu.
Seniorenbund begrüßt Initiative
Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbunds, erfreut die Nachricht: „Das Impfen in der Apotheke spart Zeit, Mühe und entlastet Ärztinnen und Ärzte. Gerade für ältere Menschen sind nahegelegene und einfach zugängliche Impfangebote essenziell. Dieser Schritt hin zu einer modernen, niederschwelligen Gesundheitsversorgung ist überfällig.“
Die Möglichkeit, Impfungen auch in Apotheken zu erhalten, steigere die Impfquote in der Bevölkerung, was vor allem für den Schutz vulnerabler Gruppen unabdingbar sei, sagt Korosec. „Darüber hinaus ermöglicht sie die effizientere Bekämpfung von Infektionskrankheiten, wodurch das gesamte Gesundheitssystem entlastet wird. Ein Win-Win, das ich begrüße!“
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