Importware: Zwischen AEP und freier Preisgestaltung


Sanja Agatic

Hände bei der Preisberechnung, mit Taschenrechner und Unterlagen wird die Kalkulation am Arbeitsplatz durchgeführt.
Eine häufige verwendete Grundlage ist dabei eine vereinfachte Berechnungsformel.Foto:stock.adobe.com/Natee Meepian

Der Preisvergleich mit Deutschland ist schnell gemacht. Die Kalkulation dahinter deutlich weniger. Gerade bei importierten Arzneimitteln zeigt sich im Apothekenalltag, wie stark sich Theorie und Praxis unterscheiden können und wie viele Faktoren tatsächlich in den Endpreis einfließen.

Ausgangspunkt ist der deutsche Apothekeneinkaufspreis. Für den Verkauf erfolgt keine klassische, frei gestaltbare Kalkulation, sondern eine Preisbildung, die sich innerhalb definierter Rahmen bewegt. Diese ergeben sich unter anderem aus gesetzlichen Vorgaben, Importkosten, Lieferbedingungen sowie der Marktsituation. 

Rx oder OTC?

Die Preisbildung für Arzneimittel ist in Österreich gesetzlich streng reglementiert. Bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln (Rx), insbesondere bei der Abgabe auf Kassenrezept, sind die Preise durch den Erstattungskodex (EKO) und die österreichische Arzneitaxe strikt vorgegeben; die Apotheke hat hier keinerlei Spielraum in der Preisgestaltung.

Eine Sonderstellung nehmen rezeptfreie, aber apothekenpflichtige Arzneimittel (OTC) ein: Hier fungiert die Arzneitaxe als preislicher Rahmen, wobei die dort definierten Sätze als gesetzliche Höchstpreise einzuhalten sind. Bei Nahrungsergänzungsmitteln und rein freiverkäuflichen Produkten (wie Kosmetika oder Medizinprodukten ohne Apothekenpflicht) besteht hingegen eine freie Preisgestaltung. In diesem Segment kann die Apotheke den Verkaufspreis unter Berücksichtigung von Faktoren wie Einkaufskonditionen, Marktnachfrage und Wettbewerb eigenständig kalkulieren.

Die Basisformel im Alltag

Eine häufige verwendete Grundlage ist dabei eine vereinfachte Berechnungsformel:

Diese Kalkulation wird häufig bereits im Zuge der Bestellung durchgeführt, sodass der Verkaufspreis intern von Anfang an festgelegt ist und nicht erst an der Tara entsteht.

Die Rolle der Preisspanne

Gerade bei Importarzneimitteln aus Deutschland, die über eine entsprechende Zulassung verfügen ist die Preisgestaltung jedoch nicht vollständig frei. Sie lassen sich meist an der Zulassungsnummer oder an Kennzeichnungen wie „N1“, „N2“ oder „N3“ auf der Packung erkennen.

Für diese Produkte gilt in Österreich eine vorgegebene Preisspanne, innerhalb derer sich die Kalkulation bewegen muss. Das bedeutet, der Preis wird nicht beliebig festgelegt, sondern orientiert sich an einem definierten Rahmen, der auf dem AEP basiert. Innerhalb dieser Spanne erfolgt die praktische Berechnung und wird ergänzt um die tatsächlichen anfallenden Importkosten. Diese Systematik wird im Alltag häufig über standardisierte Aufschlagsmodelle abgebildet. Sie geben keinen fixen Rahmen vor, sondern bieten eine praxisnahe Orientierung für die Preisgestaltung. Gleichzeitig ermöglichen sie eine schnelle und konsistente Preisbildung, ohne jede Position individuell neu kalkulieren zu müssen.

Mehr als nur der Einkaufspreis

Im Unterschied dazu stehen Importprodukte ohne entsprechende arzneimittelrechtliche Preisbindung (OTC-Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel) sowie Sonderimporte, bei denen die Preisgestaltung deutlich freier ist. Hier spielen neben dem AEP vor allem Faktoren wie Verfügbarkeit, Beschaffungsaufwand, Lieferzeit, Lagerhaltung sowie wirtschaftliche Risiken (beispielsweise Nichtabverkauf oder kurze Haltbarkeit) eine größere Rolle.

Für das Apothekenteam bedeutet das, die Preisbildung bei Importarzneimitteln ist kein reines Rechnen, sondern das Ergebnis mehrerer Einflussfaktoren. Dazu zählen insbesondere Importkosten, Einkaufskonditionen über den Großhandel oder Direktbezug sowie betriebswirtschaftliche Überlegungen. Das erklärt auch, warum der direkte Vergleich mit dem deutschen Preis meist zu kurz greift. Denn kalkuliert wird nicht nur das Produkt, sondern der gesamte Weg, den es nimmt, um überhaupt in der österreichischen Apotheke verfügbar zu sein.



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