Welchen Arzneitee oder welches ätherische Öl habe ich vor mir? Und viel wichtiger: Erfüllen diese die geforderte Arzneibuchqualität? Dieser Frage und vielen mehr durften rund 700 Besucherinnen und Besucher des Apothekerlabors im Rahmen der Langen Nacht der Forschung 2026 nachgehen.
An mehr als 300 Standorten in den neun Bundesländern Österreichs fand am 24. April die „Lange Nacht der Forschung“ statt. In mehr als 3000 Programmpunkten konnten Interessierte in die Welt der Wissenschaft eintauchen. Einer davon war der Besuch des GMP-zertifizierten Apothekerlabors der Österreichischen Apothekerkammer in Wien.
707 Besucher:innen in vier Stationen
Das Team rund um Leiter Dr. Stefan Brenner präsentierte seine Arbeit an vier unterschiedlichen Stationen. Aufgrund der großen Nachfrage im letzten Jahr wurde das Foyer des Festsaals zusätzlich als Veranstaltungsfläche genutzt. Insgesamt durften an diesem Abend 707 Besucherinnen und Besucher begrüßt werden – deutlich mehr als bei der Premiere 2024 mit 560 Teilnehmenden.
Bereits beim Ankommen traf man auf geschäftiges Treiben im Labor. Teedrogen wurden gesichtet und unter dem Mikroskop analysiert. Interessierte konnten versuchen, diese in Teemischungen wie Brusttee oder Entspannungstee zu identifizieren.

Weiter ging es mit ätherischen Ölen, bei denen das eigene Riechvermögen auf die Probe gestellt wurde: Um welches Öl handelt es sich und lässt sich ein Qualitätsunterschied erkennen?

Zwischen Chromatographie und Monographie
Kernstück der Veranstaltung war die Führung durch das Labor der Österreichischen Apothekerkammer. „Es ist wichtig, den Unterschied zwischen einem qualitativ hochwertigen Rosenöl und billigen Fälschungen zu erkennen. Daher gibt es eine Monographie, an der wir uns orientieren können“, erklärt Laborleiter Stefan Brenner. Hierfür wird die Methode der Chromatographie eingesetzt, um die Arzneibuchqualität zu überprüfen.
„Zum einen zeigt sich der Unterschied im Preis. Hochwertiges Rosenöl kostet etwa 50 Euro pro Milliliter, Fälschungen sind deutlich günstiger“, erklärt Brenner. „Und zum anderen hat man bei Arzneidrogen, die nicht der Monographie entsprechen, vielleicht nicht die gewünschte Wirkung“, sagt er und deutet auf den Arzneilavendel. „Hier orientieren wir uns beispielsweise besonders am vorgeschriebenen Linalylacetat- und Linalool-Gehalt.“

Das Apothekerlabor übernimmt darüber hinaus eine zentrale Rolle in der Qualitätssicherung für öffentliche Apotheken. Im Rahmen sogenannter Ringversuche können Apotheken ihre magistralen Zubereitungen überprüfen lassen und erhalten eine Rückmeldung zur Qualität ihrer Arbeit.
„Die Qualität der österreichischen Apotheken ist sehr hoch. So haben wir bei unseren Ringversuchen eine Fehlerquote im niedrigen einstelligen Prozentbereich“, ist Brenner erfreut.
Salben, Cremes und Zäpfchen
Angewandte Forschung konnten die Besucher:innen hautnah bei Doktorandin Mag. Tanja Pfleger und Doktorand Mag. Jakob Schmolz von der Universität Wien, Department für Pharmazeutische Wissenschaften, erleben. Sie zeigten den Teilnehmenden auf, wie Dermatika gezielt Wirkstoffe in die Haut transportieren und dort ihre Wirkung entfalten können.

In ihrer Forschung untersuchen sie unter anderem, wie Komponenten aus dem Ginseng oder Testosteron mittels topischer Applikation in die Haut aufgenommen werden. Anhand praktischer Beispiele erklärten sie auch unter anderem die Herstellung von Zäpfchen sowie die Unterschiede zwischen Salben und Cremes.
In dieser Nacht konnten sich die Besucherinnen und Besucher ein Bild davon machen, wie breit das Spektrum an Aufgaben, Kompetenzen und Einsatzbereichen in der Apothekerschaft tatsächlich ist.
