Wer kennt es nicht? Nasenloch zu, Nasenloch auf. Nasenspray rein und durchatmen? Doch das muss nicht immer sein! Denn auch unsere Nasenschleimhaut durchläuft einen Zyklus. Eine kurzzeitige Schwellung im Zuge des sogenannten Nasenzyklus ist normal und bedarf nicht immer automatisch eines nasalen Sympathomimetikums.
Nicht nur der weibliche Körper unterliegt einem Zyklus, sondern auch unsere Nasenschleimhaut. Der sogenannte Nasenzyklus ist ein physiologisches Phänomen, bei dem es zu einer abwechselnden Änderung des Schwellungszustandes der Nasenschleimhaut kommt. Das äußert sich, indem zeitweise das linke oder rechte Nasenloch „verstopft“ scheint.
Die genauen Mechanismen und die Funktion des Nasenzyklus sind nach wie vor nicht vollständig verstanden. Vielmehr spricht die aktuelle Datenlage dafür, dass es sich um ein komplexeres System handelt als ursprünglich angenommen. Bisherige Untersuchungen basierten vor allem auf punktuellen Messungen, die sich auf wenige Stunden am Tag beschränkten.
Ruhephase vs. Arbeitsphase
In der sogenannten Arbeitsphase kann hierbei ein Abschwellen und in der Ruhephase ein Zuschwellen der jeweiligen Nasenseite beobachtet werden. Dieser Ablauf wird durch den Sympathikus gesteuert und benötigt keine äußeren Reize. Die neuronale Koordination erfolgt in erster Linie durch den Hypothalamus. Die Länge des Nasenzyklus ist sehr individuell und kann zwischen 30 Minuten und zehn Stunden liegen. Im Durchschnitt dauert ein Zyklus etwa 2 Stunden an.
Regeneration und Riechfunktion
Der Nasenzyklus hat eine essenzielle Bedeutung für die respiratorische Funktionsfähigkeit der Nase. Expert:innen nehmen an, dass die Ruhephase – also das Zuschwellen – zur Regeneration der Schleimhaut dient. Eine geringere Belüftung der Nasenseite aufgrund des reduzierten Luftstroms führt zu einer verminderten Feuchtigkeitsabgabe. Auch kann hier eine erhöhte Durchblutung der Schleimhaut beobachtet werden.
Die „arbeitende“ Nasenmuschelseite sieht sich währenddessen mit einem erhöhten Befeuchtungsaufwand konfrontiert, kann aber durch den ungehinderten Belüftungszustand die Riechfunktion aufrechterhalten. Durch die unterschiedlichen Strömungsverhältnisse soll sogar ein „besseres“ Riechen ermöglicht werden. Duftmoleküle sollen besser an die jeweiligen Riechrezeptoren binden können.
Verschiedene Zyklustypen
Eine Untersuchung an gesunden Probanden im Jahr 2021 zeigte, dass neben der erwarteten streng wechselseitigen Schwellung der Nasenschleimhaut im Sinne des „klassischen Nasenzyklus“ auch weitere, regelmäßig auftretende Zyklustypen beobachtet werden konnten. Dazu zählen der „in-concert“ Typ, bei dem es zu einer gleichzeitigen Fluktuation des Luftstromes auf beiden Nasenseiten kommt, der „einseitige Typ“ mit An- und Abschwellen der Schleimhaut nur auf einer Seite sowie der „non-cycle“ Typ, bei dem keine messbare Veränderung des Luftstromes auf beiden Seiten feststellbar ist. Die meisten Probanden zeigten im Verlauf von 24 Stunden eine Kombination mehrerer dieser Muster, weshalb auch von einem „gemischten Typ“ gesprochen wird, der sich häufig zwischen Tag und Nacht unterscheidet.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung bestätigen, dass der Nasenzyklus bei einer Betrachtung über 24 Stunden deutlich komplexer ist als bisher in der Literatur beschrieben. Ein Großteil der Probanden wies mehrere der insgesamt fünf beschriebenen Zyklustypen auf.
Abgrenzung zur Allergie/Erkältung
Wichtig ist jedoch: Hält die Verstopfung deutlich länger an, steckt wohl eine andere Ursache als der natürliche Regenerationsmechanismus der Nase dahinter. So kann ein grippaler Infekt zu einer infektiösen Rhinitis führen. Auch ist das Zuschwellen der Nasenlöcher aufgrund einer allergischen Reaktion möglich.
Nasale Sympathomimetika
Ist die Nase nun durch eine Erkältung verstopft, kann auf gefäßverengende und sekretionshemmende Sympathomimetika wie Xylometazolin oder Oxymetazolin zurückgegriffen werden.
Doch Vorsicht: Bei der Anwendung über einen längeren Zeitraum entsteht die Rhinitis medicamentosa, eine nichtallergische Entzündung mit anhaltender Nasenverstopfung.
Durch den sogenannten Rebound-Effekt schwillt die Schleimhaut immer stärker an. Der Gebrauch des Sprays wird für Betroffene immer notwendiger und häufiger. Dies führt zu einer dauerhaft verstopften Nase und einem Teufelskreis aus erneuter Anwendung und Zuschwellen. Die Nasenschleimhaut trocknet zunehmend aus, wird anfälliger für Blutungen und verliert nach und nach ihre Reinigungsfunktion.
Die Studie ist unter dem Namen „Definition und Darstellung der verschiedenen Typen des Nasenzyklus mittels Langzeitrhinometrie“ im Springer Journal HNO erschienen.
