In Frankreich hatte die Justiz nach dem Tod von drei Säuglingen Anfang des Jahres Ermittlungen aufgenommen. Nach den Rückrufen von weiteren Chargen hat die Pariser Staatsanwaltschaft nun fünf Ermittlungsverfahren eingeleitet. Wie die Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau letzte Woche mitteilte, geht es in den Verfahren um mutmaßlich verunreinigte Produkte der Hersteller Nestlé, Lactalis, Danone, Babybio und La Marque en moins.
Die Ermittlungen wurden bereits Ende Jänner eingeleitet, insbesondere wegen der Gefährdung Dritter. Die Pariser Staatsanwaltschaft habe den Fall aufgrund der „Vielzahl an Klagen“ sowie der komplexen Bewertung „regulatorischer und gesundheitlicher Aspekten“ übernommen, erklärte Beccuau. Es liege zudem eine Klage von acht Familien und der Organisation Foodwatch vor.
An den Ermittlungen ist nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft auch die französische Zentralstelle zur Bekämpfung von Umwelt- und Gesundheitsverstößen (Oclaesp) und die Tier- und Pflanzenschutz-Ermittlungseinheit BNEVP beteiligt. Darüber hinaus werden bereits laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaften in Städten wie Angers, Bordeaux und Blois fortgesetzt.
Rückrufe von Babynahrung in 60 Ländern
Der Skandal um verunreinigte Babymilch beschäftigt Frankreich schon seit Wochen. Anfang Jänner hatte der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé in etwa 60 Ländern dutzende Babymilchchargen wegen einer möglichen Verunreinigung mit dem Giftstoff Cereulid zurückgerufen. Später riefen auch Danone und Lactalis sowie kleinere Hersteller in etlichen Ländern Säuglingsnahrung zurück.
Cereulid ist ein Giftstoff bakteriellen Ursprungs, der Durchfall und Erbrechen verursachen kann. Es besteht der Verdacht, dass eine in China hergestellte Substanz, die die für Säuglinge wichtige Arachidonsäure enthält, für die Verunreinigung verantwortlich sein könnte.
Tod von drei Säuglingen
In Frankreich hatte die Justiz nach dem Tod von drei Säuglingen Ermittlungen aufgenommen. 15 weitere Säuglinge, die von den Rückrufaktionen betroffene Flaschenmilch getrunken hatten, waren im Krankenhaus behandelt worden. Ob ein Kausalzusammenhang zwischen der Babynahrung und den Symptomen der Säuglinge besteht, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Rund 90 Chargen derzeit in Österreich betroffen
In Österreich musste zuletzt Danone vergangene Woche mehr als 90 Chargen von Aptamil und Milumil in Österreich zurückrufen. Bisher wurde in einer Aptamil-Probe eine tatsächlich gesundheitsschädigende Cereulid-Konzentration nachgewiesen. Seit vergangener Woche hat das Gesundheitsministerium eine österreichweite Schwerpunktaktion beauftragt. Die Lebensmittelbehörden der Länder ziehen in sämtlichen Bundesländern Proben. Mehrfach waren zuletzt positiv auf Bacillus-Cereus-Toxin getestete Produkte gefunden worden.
APAMED
