Update: Cereulid in Säulingsnahrung


Viktoria Gamsjäger

Symbolbild: Babynahrungspulver auf Dosierlöffel.
Erstmals wurde eine Probe mit gesundheitsschädlicher Cereulid-Konzentration in Österreich nachgewiesen.Dragana Gordic/AdobeStock_185582602

Erstmals wurde in einer Säuglingsnahrungs-Charge eine potenziell gesundheitsschädigende Konzentration von Cereulid nachgewiesen. Daraufhin wurden mehr als 90 Chargen von Aptamil und Milumil zurückgerufen. Die Ursache für die Verunreinigung dürfte die für die Herstellung verwendete Zutat Arachidonsäure sein. In einer aktuellen Risikobewertung wurde ein neu berechneter Sicherheitsfaktor für die Cereulid-Aufnahme bei Kindern eingeführt.

Der Skandal um verunreinigte Babynahrung weitet sich aus. Zuletzt musste Danone letzte Woche mehr als 90 Chargen von Aptamil und Milumil in Österreich zurückrufen. Bisher wurde in einer Aptamil-Probe vergangenen Freitag eine gesundheitsschädigende Cereulid-Konzentration nachgewiesen. Seit dieser Woche hat das Gesundheitsministerium eine österreichweite Schwerpunktaktion beauftragt. Die Lebensmittelbehörden der Länder ziehen in sämtlichen Bundesländern Proben.

Schwerpunktaktion

Diese werden dann im Labor der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) untersucht. Erst am Donnerstag gab das Wiener Marktamt bekannt, dass bei diesen Kontrollen wieder positiv auf Bacillus-Cereus-Toxin getestete Produkte gefunden wurden. Hintergrund sind die aktualisierten Empfehlungen zum Cereulid-Schwellenwert. Es wurde der Rückruf veranlasst, die betreffenden Waren dürfen bis auf Weiteres nicht mehr verkauft oder verteilt werden. Der Hersteller Danone muss „einen vollständigen Nachweis der Unbedenklichkeit erbringen, bevor eine erneute Freigabe erfolgen kann“. In Österreich sind den Behörden bisher keine Krankheitsfälle bekannt, die auf den Konsum der betroffenen Produkte zurückzuführen sind.

EFSA: Höchstwerte für Cereulid

Vergangene Woche hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Höchstwerte für das Toxin Cereulid in Milchpulver festgelegt. Zuvor gab es keinen Grenzwert. Die Überschreitung dieses Grenzwerts führte zum Rückruf letzten Donnerstag. Erste Produkte des Herstellers Nestlé waren in Österreich im Jänner zurückgerufen worden. Bereits damals gab es umfangreiche Tests, laut AGES gilt dafür nach wie vor, dass es bei den positiv getesteten Produkten keine gesundheitlichen Bedenken gibt.

In einer aktuellen Probe von vergangener Woche wurde jedoch eine Cereulid-Konzentration nachgewiesen, die geeignet ist, die Gesundheit zu schädigen, informierte die AGES. Dort wurde eine Cereulid-Konzentration festgestellt, die lebensmittelrechtlich als gesundheitsschädlich beurteilt werden muss, da der EFSA-Grenzwert gleich mehrfach überschritten wurde. Diese vier Aptamil-Chargen wurden am Samstag zurückgerufen.

In der aktuellen Risikobewertung der EFSA wurde aufgrund wissenschaftlicher Grundlagen am Montag erstmals eine sogenannte Akute Tagesdosis (ARfD) festgelegt. Die Wissenschafter schlugen eine akute zulässige ARfD von 0,014 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht für Cereulid bei Säuglingen vor. Eine Konzentration von mehr als 0,054 Mikrogramm Cereulid pro Liter in Säuglingsmilch oder von mehr als 0,1 Mikrogramm pro Liter in Folgemilch könne somit „zu einer Überschreitung der Sicherheitswerte führen“.

Verunreinigte Arachidonsäure aus China

Das bakterielle Toxin Cereulid kann für Säuglinge besonders gefährlich sein. Es handelt sich um ein hitzestabiles Gift, das kurz nach der Aufnahme Erbrechen und Durchfall auslösen kann. Die Symptome treten in der Regel zwischen 30 Minuten und sechs Stunden nach dem Verzehr auf. Die Gefahr liegt vor allem darin, dass gängige Erhitzungsverfahren in der Lebensmittelproduktion das Toxin nicht zuverlässig zerstören. Hintergrund der bisherigen Rückrufe ist ein in den Milchpulvern als Zutat verwendetes und verschmutztes Öl eines Zulieferers aus China. Dieser ist einer von weltweit wenigen Lieferanten von Arachidonsäure (ARA), einer in Europa streng regulierten Substanz, die als Quelle für Omega-6-Fettsäuren in bestimmten Säuglingsmilchprodukten enthalten ist. Wie das „Ö1“-Mittagsjournal letzten Freitag berichtet, gibt es Alternativen zum chinesischen Hersteller. So gibt es auch in Europa einen Produzenten von ARA-Öl. Darauf setzt beispielsweise der deutsche Babynahrung-Hersteller Hipp.

Auch Nestlé hat nach seinen Rückrufen mehrerer Chargen der Säuglingsnahrungs-Marken Beba und Alfamino im Jänner „den Bezug von ARA-Öl von dem betroffenen Lieferanten eingestellt und umgehend auf einen europäischen Lieferanten umgestellt“, hieß es in einer Stellungnahme gegenüber der APA. „Alle Chargen der Öl-Zutat von unseren anderen Lieferanten werden nun systematisch getestet, um die Abwesenheit von Cereulid zu bestätigen. Die Produktion der betroffenen Marken wurde in all unseren Säuglingsmilchfabriken in Europa wieder aufgenommen, und wir sind überzeugt von der Gesundheit und Sicherheit unserer Produkte“, betonte Nestlé Österreich. Es würden weiterhin umfangreiche Tests durchgeführt. Laut dem Unternehmen sind „alle unsere Produkte auf dem Markt sicher zum Verzehr“.

Rückruf-Prüf-Tool

Pre-Nahrung beziehungsweise Säuglingsanfangsnahrung unterliegt in der EU strengen gesetzlichen Regelungen, die eine sichere, nährstoffangepasste Zusammensetzung als Muttermilchersatz garantieren. Sie ist der Muttermilch in der Zusammensetzung am ähnlichsten. Dafür gibt es unter anderem auch ein Werbeverbot. Folgenahrungen sind für Säuglinge ab Einführung der Beikost bestimmt und kein Ersatz von Muttermilch während der ersten sechs Lebensmonate. Diesen Produkten dürfen weitere Inhaltsstoffe zugesetzt werden. Der Zusatz von ARA ist in Säuglingsanfangsnahrung nicht verpflichtend, wird aber von Experten empfohlen.

Aptamil und Milumil haben mittlerweile auf den jeweiligen Webseiten ein Rückruf-Prüf-Tool eingerichtet, mit dem Eltern durch Eingabe des Mindesthaltbarkeitsdatums überprüfen können, ob das jeweilige gekaufte Produkt betroffen ist. Im Handel sind von den jeweiligen Milchpulver-Waren weitere Chargen erhältlich, die nicht zurückgerufen worden sind. Aufgrund eines möglichen grenzüberschreitenden Handels von Deutschland nach Österreich ruft Danone auch in Deutschland verkaufte Produktionschargen zurück.

APAMED/ AGES



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