Vitamin D: Ja, aber nicht für alle


Empfohlen wird eine Ergänzung für Kinder und Jugendliche von ein bis 18 und für Personen ab 75 Jahren.AdobeStock_173005117/cegli

Der Hype um Vitamin D ist ungebrochen. Doch nicht jede/r sollte das Sonnenvitamin über die Referenzmenge hinaus substituieren, und auch Routine-Tests sind nicht für alle sinnvoll. Die „Endocrine Society“ hat eine Leitlinie für die Gabe von Vitamin D zur Vorbeugung von Erkrankungen veröffentlicht.

Der Körper kann Vitamin D3 selbst bilden. Benötigt wird Sonnenlicht, genauer gesagt UV-B-Strahlung im richtigen Winkel. Expert:innen zufolge können über die Haut 80 bis 90 Prozent des Vitamins gebildet werden. Nur etwa zehn bis zwanzig Prozent werden über die Nahrung aufgenommen. Fetter Seefisch, bestimmte Innereien, Eier und Champignons sind geeignete Lieferanten. Außerdem kann Vitamin D3 über Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel zugeführt werden.

Doch für welche Personengruppen ist die Gabe von Vitamin D sinnvoll? Aufschluss gibt die Leitlinie der Endocrine Society, die mit dem Ziel erarbeitet wurde, das Erkrankungsrisiko bei Personen ohne nachgewiesene Indikation für eine Vitamin-D-Behandlung oder einen 25(OH)D-Test zu senken.

Die Expert:innen priorisierten randomisierte, placebokontrollierte Studien mit Personen ohne Vitamin-D-Indikation oder Kontrolltest. Untersucht wurde die Auswirkung der empirischen Vitamin-D-Gabe – also der Einnahme, die die empfohlene Tagesdosis überschreitet und der kein Test auf 25(OH)D zugrunde liegt.

Das Ergebnis

Die Endocrine Society empfiehlt eine empirische Vitamin-D-Ergänzung für Kinder und Jugendliche im Alter von ein bis 18 Jahren, um ernährungsbedingter Rachitis vorzubeugen und das Risiko von Atemwegsinfektionen zu senken. Außerdem wird eine Supplementation für Personen ab 75 Jahren empfohlen, weil das Sterberisiko gesenkt werden kann. Schwangere sollten ebenfalls Vitamin D einnehmen. Der Grund: Das Risiko von Präeklampsie, intrauteriner Mortalität, Frühgeburten und Neugeborenensterblichkeit kann gesenkt werden. Personen mit hohem Prädiabetes-Risiko können durch die Gabe von Vitamin D das Diabetes-Risiko senken.

Die Expert:innen raten gesunden Erwachsenen und nicht Schwangeren unter 50 Jahren davon ab, Vitamin D über die Referenzaufnahmemenge hinaus zu ergänzen. Außerdem empfiehlt das Gremium keine routinemäßigen 25(OH)D-Tests in allen betrachteten Bevölkerungsgruppen.

Vitamin D3 ist streng genommen kein Vitamin, sondern zählt zu den Secosteroiden. Über Zwischenstufen wird daraus die physiologisch aktive Form, das Calcitriol, das wiederum in Kombination mit dem Parathormon und Calcitonin maßgeblich an der Regulation des Calcium- und Phosphathaushalts beteiligt ist. In seiner biologisch aktiven Form stimuliert das Sonnenvitamin die intestinale Calciumresorption sowie den Einbau von Calcium in das Osteoid und die Freisetzung von Calcium aus dem Knochengewebe.

Vitamin D ist der übergeordnete Begriff für die Gruppe der fettlöslichen Calciferole. Die wichtigsten Vertreter sind Vitamin D2, auch bekannt als Ergocalciferol, und Vitamin D3, das Colecalciferol. Das Multitalent ist an verschiedenen Prozessen im menschlichen Körper beteiligt. Dazu zählen nicht nur Stoffwechselvorgänge, sondern auch die Bildung von Proteinen sowie die Steuerung von Genen. Vitamin D moduliert beispielsweise das angeborene und erworbene Immunsystem, da Immunzellen Vitamin D-Rezeptoren besitzen. Die Bildung von Interleukinen funktioniert nur mit Vitamin D.

Siehe auch: Vitamin D: Neue Leitlinie zur Supplemtierung

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